Der Ludenlohn

Erstellt am 23. Oktober 2012 von Andramas

Einer der Kerle ist so arm, dass es offenbar ärmer nicht geht. Dergestalt dass er sogar an jedem Monatsende “containern” muss, wie er selbst berichtet. Was ihn aber erstaunlicherweise nie misslich stimmt:

“Man gloobt jar-nich, wass-mer da allet so finden kann, wat die Leute allet so wegpfeffern, wat man allet noch jebrauchen kann!”

Offensichtlich hat er auch an Waschmittel zu sparen, der arme Kerl der – das deutlich wahrnehmbare Elend auf zwei Beinen. Mit dem ich stets mitfühle weil ich selbst arm bin. (Elend is our middle name!)

So brachte ich ihm eines Tages die ungenutzten Reste von Feierlichkeiten in Gestalt einer halben Pulle Whisky und eine noch nicht geöffnete Flasche Goldkrone.

Durch solche Geste ermutigt, erbat er sich ein Darlehen, welches ich ihm – natürlich fraglos – gewährte. Und gleichwohl abschrieb. Er wird es ohnehin nicht zurückzahlen (wollen). Wer borgt verzichtet, wer “es” dennoch zurück will, bekommt schlechte Laune.

30,00 Euro wechselten den Besitzer für mein Gefühl, gut zu sein. Nun bin ich endlich auch einer der Gutmenschen. Darf mich fühlen wie die Katholiken, die ihren ollen Krimskrams regelmäßig vor Weihnachten statt in den Müll in die Ukraine entsorgen. Für Kinderheime. Und die darüber großzügig schweigen. Sogar im Internet …

Bis heute wüsste ich also nicht, wofür der arme Kerl meine 30 Euro brauchte – für Nahrung eventuell? – wenn er nicht von selbst berichtet hätte. Nach überschwänglichem Dank – “das war wirklich total nett von dir, ich danke schön!” – erfuhr ich von des Armen Schnäppchen.

Für nur 30 Euro habe ihn eine vietnamesische Nutte “ran” gelassen, zwei Stunden lang [sic!] durfte er “rum” machen, durfte “alles”, was er wollte.

Okay. Also isses verbumst, sagt der Zyniker, derweil der Mathematiker die Werte des Reports mit dem Übertreibungskoeffizienten verrechnet und auf 15 Minuten kommt. Was aber – sagt der Realist – Jacke wie Hose ist. Futsch bleibt futsch.

~

Danach waren Lenchen und ich kaufen. Ich bat sie vorher noch, kurz zu warten, denn ich müsse noch rasch zum Bankomaten …

“Aber du hattest doch noch Geld im Portemonnaie? Hattest du Ausgaben? …”

Ja. Die hatte ich wohl.

“… Und? Wo ist das Geld?”

Hmmm. Schwere Frage. Denn ob das Geld noch bei der Nutte ist, ist nicht gewiss.

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