Der kleine Prinz ist im zweiten Bezirk gelandet

Von Michaela Preiner

„Der kleine Prinz“ (Fotos: Felix Kubitza / www.lichtmalerei.photo) 09. November 2017 Theatert

Es gibt Ausnahmebücher, die entpuppen sich beim Lesen als Zwitterwesen. Sie entführen kindgerecht in ferne Galaxien, aber die Erwachsenen spüren, dass die fernen Galaxien ganz nah sind – tief in ihnen selbst versteckt.

Eines dieser Bücher ist „Der kleine Prinz“ von Saint-Exupéry. Nicht nur, dass es mehrfach verfilmt wurde, es gibt auch unzählige Bühnenaufführungen.

Doch auch wenn man das Buch auswendig kennt und das ein- oder andere Filmexperiment schon gesehen hat, lohnt es sich, die Produktion von Jakub Kavin zu besuchen. In einer Co-Produktion seiner Theaterarche und des Kinder- und Jugendtheaters verzaubert er mit puristischen, theatralischen Mitteln das Publikum im Handumdrehen.

Ein Traumduo

Im kleinen Raum des Theater Delphin in der Blumauergasse warten sie schon gespannt. Die Theaterzwerge, die es sich am Boden auf den weichen Pölstern bequem gemacht haben. In den Reihen dahinter sitzen erwachsene Begleitpersonen, aber auch solche, die ohne Kinder gekommen sind. Die Bühnenausstattung besteht nur aus einem geometrischen Konstrukt, das mit einem großen, weißen Tuch bedeckt ist. Dass sich darunter das kaputte Flugzeug von Saint-Exupéry befindet, wird sich ein wenig später herausstellen.

Jakub Kavin, der selbst in die Rolle des Piloten und Autors schlüpft, erklärt, dass er eine besondere Geschichte zu erzählen habe, eine Geschichte über einen ganz besonderen Freund. Und plopp: Schon steht er da, der kleine Prinz, der als Allererster auf der Zeichnung des Erzählers den verschluckten Elefanten in der Riesenschlange erkannt hat. Sein hellgrüner Overall ist mit roten Knöpfen und einer roten Fliege besetzt, ganz so wie man ihn aus den Abbildungen von Saint-Exupéry selbst kennt. Die blonden Haare stehen ein wenig widerborstig ab und hinter der zarten Erscheinung verbirgt sich – das erkennt man schon nach wenigen Augenblicken – ein starker Charakter.

Rina Juniku ist eine Idealbesetzung für den kleinen Prinzen, aber auch für seine divenhafte Rose und ein wunderbarer Widerpart für alle anderen Rollen, in die Kavin noch schlüpft. Einfach umwerfend, wie dieser als König seine Befehle situationselastisch verändert, um doch immer Recht zu bekommen, wie er als trauriger Trinker nicht von der Flasche loskommt. Zwerchfellrüttelnd sein Auftritt als Sterne zählender Geschäftsmann und Eitler mit löchrigem Strohhut. Eindringlich, wie Juniku alle Absurditäten der jeweiligen, verbogenen Charaktere aufdeckt und sich davon zugleich auch gekonnt abgrenzen kann.

Der kleine Prinz ist im zweiten Bezirk gelandet „Der kleine Prinz“ (Fotos: Felix Kubitza / www.lichtmalerei.photo)

Eine ausgeklügelte Lichtregie führt in vielerlei, unterschiedliche Raumsituationen und die ausdrucksvolle, schauspielerische Leistung von Kavin und Juniku bewirkt, dass man meint, die Figuren aus dem Buch hätten sich aufs Allernatürlichste in den kleinen Theaterraum gebeamt. Dass auch die Allerkleinsten eine Stunde lang ohne jegliche Pause stillhalten und die Erwachsenen sich keine Minute langweilen, ist schlichtweg der Beweis, dass Saint-Exupérys Kunststück, Groß und Klein gleichermaßen zu begeistern, in dieser Inszenierung vorbildlich umgesetzt wurde. Ein poetisches Theatererlebnis, in dem sich Spaß und Ernst ausgewogen die Waage halten. Mehr davon, bitte!
Vorstellungen gibt es noch im November und Dezember.

Neues im kommenden Jahr
Die nächsten Auftritte des Theatermachers Kavin sind schon in Planung. Nach seiner erfolgreichen Kafka-Inszenierung „Das Schloß“, das im Jänner und im Februar wieder auf dem Spielplan steht und dem eigenen Stück „Hungerkünstler“, möchte Kavin im nächsten Jahr zwei Neuproduktionen auf die Beine stellen.

Im März kann man sich auf einen ein Rilke-Abend mit Musik freuen und für Mai ist ein Daniil-Charms-Abend mit größerer Besetzung geplant. Der 1905 geborene, russische Schriftsteller ist in der Sowjetunion verfolgt worden. Ein Teil seiner Werke wurde erst 1988 in seiner Heimat, erst lange nach seinem Tod 1942, veröffentlicht. Wer sich schon vorinformieren möchte, dem sei dieses Buch empfohlen, aus dem Kavin Texte verwenden wird.

Empfehlung: Wer dranbleiben möchte, informiert sich auf der Homepage der Theaterarche.

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