Der kleine große Kampf der Penelope

Von European-Cultural-News

Penelope mit Elise Combet am TJP in Straßburg (c) DR

Ein kleines weißes Häuschen mit einem kleinen, rauchenden Kamin steht auf der kleinen, dunklen Bühne. Plötzlich beginnt ein Hund laut zu bellen. Da öffnet eine hübsche junge Frau ein Fenster und ruft laut den Hund zur Raison.

Und schon sind wir mitten in der Geschichte von Penelope und ihrem kleinen Sohn, den sie alleine aufzieht. Penelope, die treue Gattin in der griechischen Mythologie, die zwanzig Jahre auf ihren Liebsten, Odysseus, warten musste, wird im gleichnamigen Theaterstück von Hubert Jégat für das junge Kinderpublikum neu interpretiert. Elise Combet, die in die Rolle Penelopes schlüpft, ist eine Mutter mit Leib und Seele. Sie liebt ihren kleinen Sohn, von dem die Ärzte behaupten er sei taub, über alles, aber kann ihm den Schmerz nicht nehmen, keinen Vater zu haben. So macht sie sich schließlich auf die Suche nach ihm.

Wie die Schauspielerin Elise Combet Penelope in Szene setzt, und in unsere Zeit transponiert, ist nicht nur glaubwürdig, sondern sehr zu Herzen gehend. Sie fraternisiert sich gleich zu Beginn mit dem Publikum, indem sie es direkt lässig anspricht, lässt ihrem überschäumenden Temperament bei der Beschimpfung der Götter, die ihr nicht helfen, freien Raum und nimmt ihren kleinen Sohn – eine rührende Marionette, neben die sie sich selbst ganz klein macht – in die Arme, um ihn zu trösten. Elise Combet, Schauspielerin und Marionettenspielerin in diesem Stück in einer Person, ist nicht nur umgeben von der Marionette ihres kleinen Sohnes und des Hundes Cerberus, sondern auch von Circe, der weissagenden Frau, die sie aufsucht, um zu erfahren, wo sich ihr Mann den befände. In deren Rolle spricht sie mit hoher Fistelstimme, die viel Geheimnisvolles sagt, ohne konkret zu werden und dabei auch noch einschläft, was das kleine Publikum zu Lachstürmen hinreißt. Und obwohl das Kinderstück von Jégat eine einfache, klare Struktur aufweist, so muss man doch zugeben, dass Penelopes Garn viel komplexer gestrickt ist, als es vielleicht auch auf den ersten Blick aussieht.

Das kleine Häuschen beherbergt nicht nur Penelopes heimelige Welt, in der sie Wollknäuel aufspult, sondern auch einen Götterschrein. Zwar ist er nicht größer als ein Setzkasten, aber in ihm befinden sich die oberen 20 der griechischen Mythologie. Noch guter Dinge, erzählt Penelope, wer mit wem verbandelt und verwandt ist und dass man gut aufpassen müsse, um ja alles Regeln der Gebete einzuhalten, um den Göttern gewogen zu sein. Sie klappt ein Türchen nach dem anderen ihres Häuschens auf und hinter jedem verbirgt sich ein anderes Objekt, das Penelopes Welt zusammenhält. Auf der Reise, in der sie bei einem Hütchenspiel alles setzt, um zu erfahren, wo sich nun Odysseus befindet, besteht sie auch gegen den einäugigen Zyklopen, der wiederum von ihr selbst verkörpert wird. In dessen Händen wird sie zum kleinen Püppchen, das flehend um ihr Leben bittet, nicht, ohne gleichzeitig wieder eine große Prise Humor einzubringen.

Das flexible Bühnenbild, in dem aus einem Häuschen gleich drei werden und sich auch noch ein Segelboot gestalten lässt, wird durch kleine filmische und akustische Einspielungen, wie jene von der Fahrt auf hoher See, bei der ordentlich der Wind pfeift, optimal ergänzt. Wenngleich der Text auch manche humorvolle Spur legt, so bleibt die Grundstimmung dennoch die große Mutterliebe, die über alles hinwegsieht und sich alles aufbürdet, um ihrem Kind zu helfen. In Hubert Jégats Stück von der Hoffnung, den Träumen, den Wünschen und Sehnsüchten Penelopes finden sich nicht nur Kinder wieder, die ohne Vater aufwachsen, sondern ganz gewiss auch viele Mütter – und Väter, die davon träumen, jemanden an ihrer Seite zu haben, der ihnen beisteht. Eine schöne Aufführung im TNS in Strasbourg, die zeigt, dass Theater auch die Generation play-station unglaublich bezaubern kann.

ßßäüööüüéüüÄüßüéß Datum der Veröffentlichung: 25 Februar 2010
Verfasser: Michaela Preiner
In folgenden Kategorien veröffentlicht: Theater | Tanz

Schlagwörter: Elise Combet, Hubert Jégat, Penelope, TJP Strasbourg, TJP Straßburg

vorheriger Artikel: Ödipus lebt! Nächster Artikel: Rémy Abraham – Beruf Hornist – Hobby – Musik