Der junge Karl Marx

Der junge Karl MarxDer junge Karl Marx zeigt die Zeit von Marx ab 1844 in Paris und Brüssel und endet mit der Entstehung des Manifests der Kommunistischen Partei 1847.

“Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.” Dieser Satz aus den Thesen über Feuerbach ist exemplarisch für den Film. Denn, was in der Betrachtung der Marxschen Ideengeschichte oft übersehen wurde, Marx war auch ein politischer Aktivist. August Diehl porträtiert ihn als streitbaren Menschen, der Konflikte sucht, der aber auch im intellektuellen Streit mit anderen Geistesgrößen seiner Zeit, wie Proudhon (Olivier Gourmet), intellektuell wächst und sie bald in der Schärfe und Kohärenz der Analyse übertrifft.

Friedrich Engels (Stefan Konarske) ist in dem Film auch, aber mehr als nur der scharfäugige Beschreiber sozialer Missstände. Es wird die persönliche Verbundenheit, aber auch die intektuelle Ergänzung der beiden betont. Engels geht mit Marx nicht nur trinken und untersützt ihn finanziell, er bringt ihn auch dazu, sich mit den klassischen Ökonomen wie Smith und Ricardo zu beschäftigen. Durch deren Schriften gelangt Marx zu der für sein späteres Werk wegweisenden Theorie, dass die menschliche Arbeitskraft die Quelle des Reichtums ist, und dass die Aneignung der Arbeitskraft durch die Besitzer der Produktionsmittel und ihre Umwandlung in Profit die Triebfeder des kapitalistischen Wirtschaftssystems sind. Der Film ist aber sichtlich bemüht, die Theorien nicht zu ausführlich zu schildern. An einigen Stellen wäre jedoch eine kurze Darstellung hilfreich und könnte zur Erklärung seines Werkes an praktischen Beispielen dienen. Dies wurde punktuell versucht. Vor allem geht es aber um die Lebensumstände und wie diese die Gedankenwelt beeinflusst haben. Die Verfolgung durch politische Zensurbehörden samt Verhaftungen und Exil, die Geldnot von Marx und anderer linker Denker, der Konflikt von Engels mit seinem Vater, einem kaltherzigen, ausbeuterischen Fabrikanten wie aus einem Charles Dickens-Roman. Aber auch die Beziehung zu seiner klugen, aufgeweckten Frau Jenny (Vicky Krieps), die ihn unterstützte, wird angemessen dargestellt.

Filmtechnisch ist Der junge Karl Marx solide gemacht. Die Kostüme und Kulissen sind gut ausgestattet. Einzig der Ton/ Tonschnitt ist völlig misslungen. So klingt die Geräuschkulisse bei einigen Schauspielern – anscheinend nachsynchronisierte, aber auch bei manchen deutschsprachigen Darstellern, völlig anders, und dieÜbergänge sind deutlich hörbar.

Insgesamt ist der Film in erster Linie etwas für potentiell an dem Thema Interessierte, doch denen gibt er eventuell zu wenig Neues, um als eigenständiges Werk in Erinnerung zu bleiben. Er bleibt eine kleine, auszugsweise Hommage an einen großen Geist.

Blu-Ray | Historienfilm | Frankreich/ Deutschland/ Belgien 2017 | Neue Visionen Filmverleih | 118 Minuten | FSK 6

(Monatsmagazin printzip, November 2017)

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