Der Griff nach der Weltherrschaft für Dummies

Der Griff nach der Weltherrschaft für Dummies Mark Smith behauptet in seinem Buch »Boko Haram«, dass die Zustände in Nordnigeria einer Zeitbombe gleichkommen. Armut und Unbildung seien die Skills, die einen zu einem Kämpfer für diese Rotten werden lassen. Der Islam spiele dabei eher eine untergeordnete Rolle. Er nennt Boko Haram eine Rebellion gegen eine Politik, die Armut fabriziere. Weitestgehend dürfte diese Einschätzung auch für die Anhänger des IS-Kalifats gelten. Wenn man nichts hat und verbittert, wenn einem Schulbildung fehlt und Perspektiven fehlen, dann sind die einfachen Parolen und die Macht, die aus Heckler & Koch-Gewehren schmaucht, durchaus eine Option seinem Leben eine gewisse Stringenz zu verpassen. Hass ist ein Ventil und Religion kann der Überbau dazu sein. Wenn wir uns mal ansehen, was im waffenfreieren Raum Europa an Hass aufdampft, wenn man die Kommentare in Netzwerken liest, die so von kruder Konklusion und haarsträubender Rechtschreibung strotzen, dann weiß man: Da tobt sich die Unbildung aus. Und Armut dürfte bei vielen auch mitspielen.

Es ist natürlich eine völlig andere Armut als in Nordnigeria. Armut ist relativ und definiert sich am jeweiligen volkswirtschaftlichen Rahmen. Auch die Unbildung ist eine andere. In Nordnigeria gehen Kinder teils gar nicht zur Schule. Hierzulande, in Europa generell, natürlich schon. Das Niveau der Lerninhalte hat jedoch (wenigstens in Deutschland) massiv abgenommen. Bildung wurde über Jahre als Vorausbildung interpretiert. Fielen zu viele bei den Abschlüssen durch, setzte man die Ansprüche nach unten, um die Abschlussraten im akzeptablen Bereich zu halten. Was man nicht oder doch nur sehr selten machte, das war kostenfreie Nachhilfskonzepte anzubieten. Man senkte das Niveau und erhöhte nicht den Einsatz zur Niveauhaltung. Mit niedrigerer Qualität konnte man ja immer noch blendend »Bild« und RTL verstehen.
Pegida-Leute, Boko Haram- und IS-Kämpfer stammen wohl aus demselben »bildungsfernen Milieu«. Sie haben alle den Eindruck, dass sie zu kurz gekommen sind, hassen die Fremden und sind bereit, mit Gewalt ihren begrenzten Horizont zu verteidigen. Dialektik ist halt nicht das Metier von Leuten, die es nie gelernt haben, sozio-globale Erscheinungen vollumfänglich zu erfassen und auszuwerten. Dass Dinge zwei Seiten haben können, weisen sie ab, denn die eine Sicht auf die Dinge ist schon komplex genug. Keine dieser Gestalten möchte sich verwirren lassen. Weltbilder sind gefestigt. Falsch, durcheinander und von Aberglauben und Verschwörung durchsetzt, aber nicht zu ändern. Der Hass erlaubt keine argumentative Konfrontation. Alles was Gegenargument ist, wird als Propaganda der anderen Seite deklariert. Das ist die interkulturelle Ebene dieser Hassbewegungen.
Sie verstricken sind in ihren jeweiligen Kulturkreisen in Widersprüchlichkeiten. Mike Smith berichtet, wie der vormalige Kopf von Boko Haram nach seiner Festnahme Rede und Antwort stand und über den westlichen Lebensentwurf herzog, eine Rückkehr zu rein islamischen Tradition forderte. Einer der Polizisten sagte, dass er aber eine Jeans trage, ein Kleidungsstück des Westens also. Seine Antwort war exemplarisch: Die Hose sei aus Stoff und Stoffe kommen von Gott. Dieser Tage kursiert ein Foto eines fetten Neonazis der NPD Trier im Internet. Der Mann sitzt in einem Döner-Laden und stopft sich voll. Man bewegt sich bei den Bewegungen der Ungebildeten rund um den Globus eben im multikulturellen Bereich, den man zwar betritt und von dem man profitiert, den man aber gleichzeitig kategorisch ablehnt.
Was wir erleben ist der Griff nach der Macht der Dummies. Salopp formuliert. Natürlich ist diese »Analyse« nicht korrekt, weil sie verknappt und eindampft und nicht alles mit Dummheit zu erklären ist. Viele gebildete Menschen machen beim Hate Speech ja mit. Bei Pegida und AfD sind Leute mit hohen Abschlüssen. Und bei Boko Haram und im Islamischen Staat agieren auch Leute mit (ursprünglich) gesellschaftlich hohem Ansehen. Darüber wird zu schreiben sein. Mehr dazu an dieser Stelle im neuen Jahr. Aber die Knappen und das Fußvolk rekrutieren sich aus dem Pool der Unbildung, aus Personen, die nicht die intelligibelen Kapazitäten entwickelt haben, um die Einseitigkeiten des jeweiligen Weltanschauungsgebäudes, in dem sie sich eingerichtet haben, zu inspizieren.

Man hat es überall auf der Erde zugelassen, ein Heer ungebildeter und verdummter Figuren entstehen zu lassen. In Europa waren wir auf einem guten Weg. Den haben wir verlassen. In Afrika haben regionale Machteliten und westliche Konzerne die Bevölkerung kleingehalten und deren ohnehin vorhandenes Elend noch vergrößert. Nicht anders sieht es in den ehemaligen und noch aktuellen Kriegsgebieten im Nahen Osten aus. Und wenn man mal betrachtet, wer als Fußvolk beim Tea Party Movement in den Vereinigten Staaten neben den Schlachtrössern marschieren, dann ahnt man, dass auch dort Mangelbildung ihre Früchte trägt.
Tatsächlich ist es nun ein intellektuelles Projekt, diese Rotten zu bekämpfen. Man braucht Perspektiven für alle von ihnen. Armutsbekämpfung. Und es reicht eben nicht, wenn man diesseits in Schulen nur Fächer lernt, die man im Beruf braucht und jenseits nur etwas aus dem Koran beigebracht bekommt. Wir brauchen Bildungsuniversalismus. Was geschieht, wenn es bei Unwissenheit bleibt, sieht man momentan an allen Ecken und Enden dieser Welt. Die Dummen greifen nach der Macht.

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