Der Fotoliebhaber

McCoy betrachtete das Bild.
Der Mann auf dem Bild war er, der sich einen Strick um den Hals legte. Er lächelte in die Kamera. Er stand auf einem einfachen Holzstuhl. Sie hatten das Foto in McCoys Keller aufgenommen. Der Strick war an einem Rohr befestigt. Er hätte nicht beantworten können, ob der Strick im Ernstfall halten würde.
Natürlich hatte sich McCoy nicht erhängt, obwohl er auf dem nächsten Bild stranguliert zu sehen war. Die Zunge hing ihm aus dem Hals. Speichel troff auf sein Hemd. Der Fotograf hatte gute Arbeit geleistet. Sehr gute Arbeit sogar. Einer der Speichelfäden hing noch in der Luft. Kurz vor dem Auftreffen auf dem zweitobersten Hemdknopf. Die Zeit war gefroren worden.
McCoy sah sich beim Sterben zu, bei einer seiner Proben für den Tod.
Er ging weiter. Seine Schuhe klackten seltsam metallisch. Es hörte sich an wie einzelne Gewehrschüsse. Oder eher so, wie er sich die Schüsse vorstellen würde.
Auf dem nächsten Bild war er nackt. Seine Hoden waren mit verschiedenen Drähten verkabelt. Sein Mund war weit offen. Er schien zu schreien. Tatsächlich hatte er aber nur den Mund aufgerissen. Es war nicht sein bestes Bild. Sie hatten bessere Fotos von ihm gemacht.
Wir sollten dieses Motiv wiederholen, dachte McCoy.
Er stand seitlich zu einem der zahllosen Fenster. Er sah hinaus. Sein Gärtner stand in der Einfahrt und spähte durch das Gittertor die Straße hinab. McCoy stellte sich den Gärtner vor, der ihn mit einer der Gartenscheren bearbeitete. Er könnte ihm die Augen ausstechen. Ja, das könnte er bestimmt. In jedem Menschen steckte ein Mörder. Und wenn sie nicht wollten, dann überzeugte sie spätestens das Geld. Er würde sich diese Szenerie notieren. Würde sie dem Fotografen vorschlagen.
McCoy wand sich wieder den Bildern zu. Zahllose Fotografien, die ihn beim Sterben zeigten.
McCoys Leib in einer mittelalterlichen Folterkammer.
McCoy bei einem Sprengstoffattentat. Dieses Bild hatte ihn besonders viel Mühe breitet. Sie hatten Experten aus Hollywood engagieren müssen. Viel Nachbearbeitung. McCoys Extremitäten verteilten sich wie exotische Pflanzen in der brennenden Landschaft.
Es war großartig. Es war wundervoll. Es war schrecklich. Es war seine stets neu arrangierte Totessekunde; jener Augenblick, der ihn ein für allemal aus dem Leben katapultieren würde. McCoy meinte seine Penisattrappe zu spüren. Sein Gefühl sagte ihm, dass ihn all die Bilder erregten. Aber mit Bestimmtheit konnte er es nicht sagen.
Hunderte von Bildern säumten die Wände des Saals. Er spürte seinen Puls.
Er fühlte sich beim Anblick seines Todes lebendig. Ein befreiter Mensch, der nur noch für den einen Moment seines eigenen Ablebens in so vielen unterschiedlichen Variationen lebte.
Er hatte das Geld. Er hatte die Macht.
In der nächsten Woche würde er mit einer Militärmaschine zu einem geheimen Camp im Nahen Osten fliegen. Er würde zum ersten Mal dabei sein, wenn man Menschen tatsächlich umbrachte.
Er zitterte bei dem Gedanken daran. Er würde sich dem Tod überlassen. Völlig. Ein Aussätziger seines Lebens.
Sein Mobiltelefon vibrierte. Er kramte es aus seiner Jeans. Nahm das Gespräch an.
Ja, fragte er, und der am anderen Ende sagte ihm, dass sie die Fotos seiner Frau hätten.
Endlich!
Bringen Sie mir die Bilder sofort vorbei, sagte er.
Er fieberte diesem Unfall schon seit so langer Zeit entgegen. Selbstmord.
Die arme Frau. Er würde Tränen vergießen.
Er dachte an ihren Körper auf dem Asphalt.
Fast hatte er das Gefühl, in seiner Hose würde sich etwas rühren.
Das Bild käme in sein Schreckenskabinett. Ein weiterer Baustein in seinem Mosaik.
Für die Kinder würde er sich etwas Besonderes überlegen müssen. Aber das hatte noch Zeit.
Er lächelte sanft in das einströmende Sonnenlicht. Mit Schritten wie Pistolenschüsse verließ er den Saal.



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