Der Fluch der Flatrate


Am Anfang war die Grundgebühr. Die war hoch und nur die Eintrittskarte zur Telefonie. Ankommende Gespräche innerhalb des eigenen Netzes waren kostenfrei, abgehende wurden generell berechnet, von wenigen kostenfreien Sondernummern (heute 0800 oder 00800, früher 0130, noch früher bestimmte Nummern mit 011… ) mal abgesehen.

Die Gesprächsdauer wurde in Einheiten zu beispielsweise 6, 10 oder 15 Sekunden berechnet, mitunter waren die Taktzeiten auch krümmer, um gleichmäßige Einheitenpreise erzielen zu können. 12 Cent (23 Pfennige) war lange so eine Einheit, später senkte man auf 6 Cent (12 Pfennige).

Die Leute fassten sich kurz und telefonierten wenig, weil es so teuer war. Gleichzeitig fragten sie nach günstigeren Tarifen. Mobiles Telefonieren? Der pure Luxus.

Minutenpreise purzelten, Grundgebühren schmolzen, da kam die Zauberformel “Inklusivpakete”: Kaufen Sie ein Paket mit 60 Minuten, das reicht doch dicke! Und im Kleingedruckten: Wenn es nicht reicht, gibt es Folgeminuten für 29 Cent das Stück. Auch wenn die Inklusivminuten im Paket rechnerisch “günstiger” waren. Paket zu klein? – Nehmen Sie doch ein größeres. Tarifwechsel nach unten? Nach 24 Monaten vielleicht, vorher entweder gar nicht oder nur gegen Strafzahlung.

Die Idee der Anbieter: Kaum ein Kunde kann sein Telefonierverhalten richtig einschätzen und manchmal telefoniert man viel, manchmal fast gar nicht, aber das Paket zahlt man trotzdem. Auch bei Daten, die erst später dazu kamen, ist das Aufkommen schlecht vorherzusagen.

Der Markt sättigte sich weiter, die Pakete wurden aufgebohrt, die Flatrate, das Rundumsorglospaket war geboren. Und die Geister, die die Branche rief, wird sie nicht mehr los.

Unter 10 Euro eine All-Net-Flat und noch im als “Teuer” verschrieenen Telekom D1 Netz? Gibts dieser Tage irgendwo. Vor dem Vertrag aber das “Kleingedruckte” auswendig lernen und die Tariftabelle in ein Excel-Sheet stecken und rauf und runter rechnen und prophylaktisch gleich zum  kündigen, weil später wirds teurer.

Die Pakete immer größerer und immer günstiger, wie schön. Nur das Netz wird voll und voller und ist immer öfters überlastet, selbst bei den Marktführern “knirscht” es.

Warum bauen die dann nicht massiv aus?

Weil sich der Ausbau nicht mehr so richtig rechnet.

Früher ™ telefonierten die Leute nicht, wenn sie kein Netz hatten. Hatten Sie dann Netz, telefonierten sie deutlich mehr. Soll heißen, eine neue Sendestation konnte über verbrauchte Minuten locker refinanziert werden.

Heute, ist es doch egal, ob ein Sender mehr oder weniger gebaut wird. Der Kunde hat seine Flatrate schon bezahlt, ob er telefonieren oder surfen kann oder nicht.

Ja im Extremfall könnte eine neue Sendestation soviel neuen “Traffic ansaugen”, sprich man müsste hintendran noch was dazustellen, einen Router, neue Glasfaserleitungen. Neue Kosten.

Nur die Kunden haben ihre Flatrate schon bezahlt, es gibt als keine Mehr- Einnahmen mehr, höchstens wenn viele Kunden vom Konkurrenznetz zum besser ausgebauten Netz wechseln. Doch wieviele Kunden werden wechseln?

Derzeit haben wir vier Netze in Deutschland, bald könnten es real nur noch drei sein. Denkbar wäre, dass ein weiterer Anbieter die “Lust verliert”, weil der Kundenwunsch nach Netzausbau plus günstige Tarife inklusive neuem Handy jedes Jahr, irgendwann nicht mehr rechenbar ist. Dann wären es nur noch zwei.

Was könnte man tun?

Die Abschaffung aller Flatrates existiert als Wunschtraum mancher Kostenrechner, wird sich aber sehr schwer durchsetzen lassen. Dennoch könnte eine Rückkehr der “Zahle nur, was Du wirklich nutzst” Tarife eine Lösung sein.

Durch tarifliche Bonbons kann der “Traffic” auf Schwachlast-Zeiten verlagert werden. Fragen Sie mal Ihre Eltern oder Großeltern nach dem “Mondschein-Tarif der Deutschen Bundespost (heute Deutsche Telekom), da konnte man nach 22 Uhr recht günstig telefonieren und so wurde das Netz entlastet. Späte Anrufe waren auf einmal gesellschaftsfähig.

Bei Netzausrüstern wie Nokia (früher Nokia Siemens Networks) hat man begonnen, die Netze zu dezentralisieren, sprich Infos, die nur lokal gebraucht werden, lagern nun auf einem Server nahe der Basisstation. Vermutlich interessieren die Öffnungszeiten der Bäckerei Müller in Klein-Kleckersdorf eher die Anwohner vor Ort, aber weniger Sam Cook in Arizona.

Gleichwohl, es wird Veränderungen geben – müssen. Es muss die notwendige Balance zwischen notwendigen Kosten zum Netzausbau und bezahlbaren Preisen für den Nutzer gefunden werden und die Anteilseigner (Shareholder) sollen auch noch eine gewisse Rendite bekommen.


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