Der eine Mensch ist eher wie ein Lemur, der andere wie ein Blauwal

Von Lukas Röthlisberger @Adekagabwa

Wenn man sich auf eine stille Parkbank setzt, um sein Mittagssandwich zu verzehren, dann sollte man sich der Versuchung erwehren, dem einzelnen Sperling, der dort rumhüpft, ein Krümel zuzuwerfen. Tut man es aber doch, so werden innert Sekunden von weiss wo duzende anderer Spazen anfliegen, kurz darauf sind auch die Tauben da – und alle wollen was vom Brötchen.

Unter den Tieren gibt es Arten, die lieben das Gruppenleben, sie machen alles gemeinsam und schlafen sogar dichtgedrängt. Ich denke an die Schwärme von Lemmingen in der arktischen Tundra, die Javaneraffen auf den indonesischen Inseln oder den Katzen am Fischmarkt.

Andere Tiere meiden wiederum die Gesellschaft, dazu gehören die Bären und andere Raubtiere, die ein großes Gebiet für sich allen wollen. Ebenso der Fischadler, der Blauwal oder der Goldhamster.

Bei der Tierart Mensch bin ich mir nie ganz sicher. Da gibt es solche, die unglaublich gerne in Rudeln oder in gemütlichen Kleingruppen sind – aber auch Lonely Cowboys, welche die Menschen meiden. Bei Menschenversammlungen gibt es Personen, die sofort hineilen und solche die sich eilends verziehen. Der Kampf am Wühltisch zieht die einen an – und die anderen meiden zukünftig das ganze Geschäft.

Gleichgültig, wie sich einer verhält, er wird es zweifellos nicht als Fehler sehen, sondern als die beste Art und Weise, auf Menschenmengen zu reagieren.

Weshalb sind wir wohl so uneinheitlich? Liegt das daran, dass wir (im Gegensatz zu den anderen Tieren) denken können. Unser Verhalten also stärker dem Kopf unterstellt ist, als den Genen? Falls dies zutrifft, bedeutet es, dass man sich irgendwas ausdenkt, diese Idee dann als angenehm, sinnvoll und grundsätzlich besser etikettiert, und sich danach der gemäß verhält.

Merkwürdig.


Bild: Lemur / 6cm x 9,5cm / Acryl auf Gips / 2005, Nr. 05-085

Lemures (lateinisch) = Geist der Verstorbenen (treten auch oft in Gruppen auf)
Lemures sind aber auch Feuchtnasenaffen (die mit den riesigen Augen) in den Urwäldern der afrikanischen Insel Madagaskar im Indischen Ozean. Die kommen oft im Kneuel daher.