Der Albtraum vom Traumjob. Heute: Journalist.

Heute möchte ich Sie gern zu einer Art Meditation einladen. Lassen Sie uns die Augen schließen und gemeinsam träumen von einer besseren Welt… Naja, es muss ja nicht gleich die Welt sein, so weit sollten wir zu Beginn unserer noch unprofessionellen Träumerei doch nicht gehen. Fangen wir klein, aber doch relevant an, träumen wir von einem besseren Job. Dem Traumjob. Der hat seinen Namen daher, weil man von einem anderen träumt, während man ihm nachgehtdavon träumt, ihm nachgehen zu dürfen. Einige dieser Traumjobs sind Fußballprofi, Astronaut, Chuck Norris und – Journalist! Und jetzt sind Sie dran. Das folgende Meditationsmaterial habe ich zusammenhanglos dem Editorial des Folio der NZZ entrissen und traumwandlerisch hierher gegutten plagi kopiert. Träumen Sie schön!

 

Journalist ist wie Fussballer für viele ein Traumjob; in den Ranglisten der beliebtesten Berufe figuriert er ganz vorne. Zwar hat auch sein Ansehen in den letzten Jahren gelitten, aber Journalismus ist noch immer ein Beruf, der ein abwechslungsreiches Leben verspricht. Der Journalist ist im Brennpunkt des Geschehens oder zumindest am Puls der Zeit. Er trifft die verschiedensten Menschen, auch solche, die die meisten bloss aus den Medien kennen, und darf sie mit seinen Fragen konfrontieren; er kommt an Orte, die er sonst nie gesehen hätte. Er wird dafür bezahlt, dass er seine Neugierde befriedigt und seinen Lesern davon erzählt, indem er das Erlebte in die richtigen Worte zu fassen versucht.

Und jetzt? Möchten Sie nur noch eines: Journalist werden! Stimmts? Ein paar unbedeutende Kleinigkeiten allerdings könnten Ihre spontan beschlossenen Umschulungspläne bremsen, hätten Sie sie in Ihrer Euphorie nicht schlicht überlesen. Und weil ich keine Träumerin, sondern Realistin (und dummerweiseJournalistin) bin, fiesle ich die Passagen extra für Sie heraus, um Ihrem Traumballon den finalen Rettungsstich zu verpassen:

Zwar hat auch sein Ansehen in den letzten Jahren gelitten, (…)

Oooch! Obwohl… Wenn ich mich als Journalistin vorstelle, werden mir schon des öfteren Blicke zugeworfen, die passend für Schweinebauern oder Kanalarbeiter wären… Aber Sie sind da sicher härter im Nehmen als ich. Also träumen Sie mal schön weiter. Aber lassen Sie besser Ihren Presseausweis stecken, weisen Sie sich lieber mit der Mitgliedskarte Ihres Schützenvereins aus.

(…) ein Beruf, der ein abwechslungsreiches Leben verspricht (…)

Jaja, was einem nicht alles versprochen wird: Ewige Liebe, finanzielle Unabhängigkeit, das Blaue vom Himmel, ein abwechslungsreicher Beruf…

Der Journalist ist im Brennpunkt des Geschehens oder zumindest am Puls der Zeit.

HÄH?!? … Ach so, ist ja ein Traum! Na dann lassen wir es so stehen. Träume haben bekanntlich nur wenig bis nichts mit der Realität zu tun.

Er wird dafür bezahlt (…)

Be… WAS??? Ich fürchte, ich muss da kurz was klar stellen: Man nennt das nicht Bezahlung, sondern Aufwandsentschädigung oder Unkostenerstattung. Ohne Künstlersozialkasse und VG Wort hätten wir längst vor Hunger keine Energie mehr zum Jammern!

(…) das Erlebte in die richtigen Worte zu fassen versucht.

Autsch! Da ist er ja, der fieseste Haken. Nicht nur interessante Menschen und tolle Orte, geile Erlebnisse und befriedigte Neugier sind Alltag des gemeinen Journalisten, sondern offensichtlich so etwas wie Arbeit, also zähes Ringen um Worte, die wiederum vom Redakteur ausgiebig diskutiert und vom Korrektor zuletzt ohnehin eliminiert werden. Verfasst in drittklassigen Hotelzimmern, überfüllten Zügen, hektischen Großraumbüros, Zuhause am Esstisch…

Ach, eigentlich war´s ja doch ein schöner Traum. Und irgendwie ist es auch ein schöner Job. Trotzdem.


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