Depressionstherapie: Droge mit Heilwirkung

Die Partydroge Ketamin lindert offenbar auch Schwermut. Forscher erkunden, wie die umstrittene Substanz im Gehirn wirkt, um den Weg für eine neue Generation von Antidepressiva zu ebnen.

Aus: Gehirn&Geist;, Oktober 2012

Die als Partydroge und Narkotikum bekannte Substanz Ketamin verändert den Botenstoffhaushalt im Gehirn und damit das Bewusstsein. Dieser Wirkmechanismus könnte helfen, neue Antidepressiva zu entwickeln, erklären die Mediziner Simone Grimm und Milan Scheidegger in der Zeitschrift "Gehirn und Geist" (Ausgabe 10/2012).

Die erste kontrollierte Wirksamkeitsstudie mit Ketamin führten Wissenschaftler um den Psychiater Carlos Zarate vom National Institute of Mental Health (NIMH) durch. Sie verabreichten einer kleinen Gruppe von 17 schwer Depressiven entweder eine Infusion mit Ketamin oder mit einer Kochsalzlösung. Die Ketamindosis lag dabei weit niedriger als bei der Anästhesie, hatte also keine betäubende Wirkung. Die Studienteilnehmer hatten im Schnitt bereits sechs verschiedene fehlgeschlagene Behandlungsversuche hinter sich.

Der Effekt der Ketaminbehandlung übertraf alle Erwartungen: Binnen 110 Minuten gingen bei der Hälfte der Betroffenen die Beschwerden um 50 Prozent zurück. Bis zum Ende des ersten Tages hatten 71 Prozent der Patienten auf das Medikament angesprochen. Bei mehr als einem Drittel der Probanden hielt die Wirkung der einmaligen Ketamingabe wenigstens eine Woche lang an. "Ein so dramatischer Effekt einer einzigen Behandlung ist bei schweren Depressionen noch nie beobachtet worden", resümierte Studienleiter Zarate.

Möglicherweise setzt bereits die einmalige Gabe von Ketamin eine anhaltende Kettenreaktion in Gang, die letztlich zur Folge hat, dass neue Nervenverbindungen entstehen. In Experimenten mit chronisch gestressten Ratten, die depressionsartige Symptome zeigten, machte ein Team um Ronald Duman von der Yale University (USA) im Jahr 2010 eine wichtige Schaltstation ausfindig – ein Enzym namens mTOR (von englisch: mammalian target of rapamycin). Es kommt bei allen Säugetieren vor und kontrolliert die Synthese von Eiweißstoffen, die für die Bildung neuer Nervenkontakte notwendig sind.

Ketamin blockiert zudem bereits in niedrigen Konzentrationen die so genannten NMDA-(N-Methyl-D-Aspartat-)Rezeptoren, eine Andockstelle für Glutamat. Die Signalwirkung des Hirnbotenstoffs an diesem Rezeptor gilt als wesentlich für Lern- und Gedächtnisprozesse. Diese Erkenntnisse könnten den Weg zur Entwicklung neuer Therapeutika ebnen, so Grimm und Scheidegger. In jedem Fall scheint die Geschichte des Ketamins nach zweifelhafter Karriere als Partydroge heute eine neue Wendung zu nehmen.


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