Deine Freunde: Wort gehalten

Erstellt am 13. März 2014 von Mapambulo

Deine Freunde
„Heile Welt“
(Noch mal!/Universal)
Ganz ehrlich: Selbst so fabelhafte Knaller wie „Schokolade“, „Räum auf“ und die „Pyjama Party“ können einem mit der Zeit mächtig auf den Keks gehen – auch sie ereilt, ganz wie in der Erwachsenenwelt üblich, das Schicksal der Übersättigung. Sie haben, gerade weil die Kleinen in diesem Punkt weitaus schmerzfreier sind als wir Großen, lange durchgehalten, durchhalten müssen, denn erst jetzt naht mit dem zweiten Album die Rettung. Und weil sich, erstaunlich genug, in Sachen kindgerechter Rapmucke noch immer keine Nachahmer, geschweige denn ernstzunehmende Alternativen gefunden haben, müssen es Florian Sump, Markus Pauli und Lukas Nimschek wieder selber richten – Alleinlassen geht nicht, versprochen ist versprochen.


Nach der irritierenden „Attacke“ schnell den Angstschweiß von der Stirn gewischt – trotzdem bleibt es nicht aus (Überraschung war schließlich gestern), dass man sich die neue Platte etwas kritischer vornimmt. Und siehe da, die Jungs gehen, kaum erstaunlich, hörbar routinierter zu Werke. Nichts auszusetzen an der Themenwahl, das ist noch immer aus nächster Nähe beobachtet und auf Augenhöhe geschrieben, das hat wieder jede Menge dieser vergnüglichen (weil mit kindlichem Ernst gemeinten) Nebensätze, auf die hin sich die stressgeplagten Erziehungsberechtigten ein Lächeln kaum verkneifen können. Ob bockige Ungeduld („Wann sind wir da?“), Battle-, ähhh: Bettel-Rap in der Kassenschlange („Theater im Supermarkt“), Türenknallen („Digge Luft“) und den Segen der Notlüge („Hab ich schon gemacht“) – Deine Freunde lassen nichts von dem aus, was Eltern wie Kinder gleichermaßen auf Trab hält.


Das läuft nicht immer rund – so schwer dem Nachwuchs die engstirnigen Anredemodalitäten und Eitelkeiten der Erwachsenen zu vermitteln sind, so eckig kommt auch „Sie sagen Du!...“ daher, „Deine Mudder“, „Ganz groß“ und „Wenn Flüsse abwärts fließen“ fehlt es in Teilen etwas an der Frische und Schlagfertigkeit der restlichen Stücke. Im Gegenzug gibt es für es für den kürzesten Track auf „Heile Welt“ ein dickes Extralob – „Aber dann“ ist Kurzpoesie mit Gitarrenkrach, ganz im Stile eines anderen, fast vergessenen Trios namens – tja: Trio. Und auch „Tick Tack“, das mit Bigbandswing daherkommt, sammelt kräftig Punkte, schöner läßt sich verschlafenes Pausenhopping wohl kaum besingen.


Musikalisch geht der zweiten Platte etwas die Vielfalt der ersten ab, das viele Bummbumm stört ein bisschen den Gesamteindruck – nicht ohne Grund war ja genau das ein schlagendes Argument für die drei, dass sie sich nicht auf die billige Allzweckformel „Kinderlied+Technobeat=Superhit“ reduzieren ließen, „Häschen Hüpf“ ist aber nicht mehr weit davon entfernt. Vielleicht hätte man sich besser von der schnöden Weisheit „Weniger ist mehr“ leiten lassen sollen, es wären trotzdem noch genügend gute Songs für die nächsten Autofahrten dabeigewesen. Wollen wir dennoch nicht zu viel meckern und mäkeln, wie gut oder schlecht das Ganze ankommt, entscheiden letztendlich nicht wir ergrauten Besserwisser, sondern diejenigen, für die diese Lieder gemacht sind. Und Kindern, das weiß man, ist mit neunmalkluger Argumentation selten beizukommen... http://www.deinefreunde.info/heilewelt/


02.03.  Hannover, Pavillon
19.04.  Wiesbaden, Osterfeuer am Schlachthof
21.04.  Hamburg, Schmidts TIVOLI
21.04.  Hamburg, Schmidts TIVOLI
03.05.  Flensburg, Volksbad
04.05.  Karlsruhe, Tollhaus
18.05.  Köln, Stadtgarten
24.05.  Berlin, Heimathafen
25.05.  Leipzig, Werk 2
31.05.  Duisburg, Grammatikhoff
01.06.  München, Orangehouse
08.06.  Hamm, MaxiPark
03.07.  Dresden, Hellerau
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