Deafheaven: Abgehoben

Erstellt am 1. April 2016 von Mapambulo
Deafheaven
Support: Myrkur
Feierwerk, München, 30. März 2016
Natürlich ließen sich auch an diesem Abend reichlich Argumente dafür finden, weshalb gerade Deafheaven ein so außerordentlichen Sonderstatus genießen und Lärm eben nicht gleich Lärm ist – passenderweise hatten die Kalifornier den Gegenbeweis gleich selbst mitgebracht. Der Moorleichen-Metal der Dänin Amalie Bruun aka. Myrkur entspricht um so vieles mehr den gängigen Szene-Stereotypen von laut, schwarz, bleich und mystisch, das macht den Vortrag vorhersehbar und damit leider auch ein klein wenig langweilig. Anders die Amerikaner: Schon Sänger George Clarke hebt sich mit streng gescheiteltem Undercut und stylischem Outfit optisch von der gewohnten Blackmetal-Klientel ab und auch seine Mitstreiter geben keineswegs die Blaupause eines Schwarzmetallers. Ihre Eigenständigkeit haben sich Deafheaven aber vor allem mit ihrer markanten Mischung aus infernalischem Gitarren-Noise und anmutigen Klängen erarbeitet – wichtig hier: beides existiert nicht neben- oder nacheinander, sondern zur gleichen Zeit. Wo andere Vertreter des Genres zwischen den Extremen hin- und herwechseln und so lieber Atempausen zwischen die Dezibelberge setzen, schälen Deafheaven aus dem ohrenbetäubenden Krach hypnotisch verschlungene Melodien und lassen die Stücke trotz des tonnenschweren Gewichts auf erstaunliche Art schweben. Ganze sieben Songs werden dann gespielt, also das komplette aktuelle Album „New Bermuda“ und zwei vom grandiosen Vorgänger „Sunbather“. Während die Gitarren dröhnen, gibt Clarke, wenn er nicht gerade zu waidwundem Geschrei seinen Schädel in Richtung Bühnenboden hämmert, mit starrem Blick den entrückt-verzückten Dirigenten. Und schickt so Welle auf Welle des explosiven Getöses in’s bedrohlich flackernde Saallicht. Es sind naturgemäß nicht allzu viele, die in einem solchen Spektakel Schönheit und Erfüllung zu finden vermögen – an diesem Abend aber konnte man in einige beseelt lächelnde Gesichter blicken.