De dicto

"Frauen in der EU sollen künftig 20 Wochen zu Hause bleiben können, wenn sie ein Kind bekommen - bei vollem Lohnausgleich. Doch aus guter Absicht der Parlamentarier wird ein Schlag gegen die Emanzipation..."
- Lisa Nienhaus, Frankfurter Allgemeine vom 23. Oktober 2010 -
Zum Gesagten sei angemerkt: Zu welcher Starrheit und zu welchem Dogmatismus die Verfechterinnen des Feminismus gelangt sind, führt die aktuelle Diskussion zum verlängerten Mutterschutzanspruch vor Augen. Es kommt heute in Zeiten des Lobbyismus selten genug vor, dass die Politik Ansprüche des Bürgers verlängert oder neu schafft; Gesetze und Regelungen orientieren sich immer seltener am Alltag oder den Bedarf der betreffenden Klientel, sie werden je nach Kassenlage gestutzt oder so modifiziert, dass immer weniger Menschen davon Gebrauch machen können. Die EU möchte nun also den Mutterschutz auf bis zu 20 Wochen ausweiten - und Nienhaus, Preisträgerin des Ludwig-Erhard-Förderpreises für Wirtschaftspublizistik, weiß nichts anderes zu kritisieren, als einen unterschlagenen weiblichen Karrierismus.

Mit dem Vorwurf, dass die Emanzipationsbewegung sich, erstens, zu einer Karriereantriebs-Theorie verwandelt hat, was zweitens dazu führte, dass die Emanzipationsthematik zur Spielweise bessergestellter Frauen aus der Oberschicht wurde, muß der Feminismus schon länger leben. Nienhaus bestätigt dies: sie mahnt an, dass 20 Wochen Erholungszeit nach der Entbindung zu Karrierenachteilen gereichen kann, wittert dahinter sogar nebulös einen aus Brüssel dirigierten männlichen Anschlag auf die Frauenwelt ("Karrierefrauen zurück ans Babybett"). Es ist ja durchaus möglich, dass in gewissen Positionen eine solche Erholungsphase, die zudem nur bis zu sechsten Woche verpflichtend sein soll, zu beruflichen Nachteilen führt - in Tagen, da sich der Mensch dadurch auszeichnen soll, möglichst wenig hemmendes und behinderndes Privatleben zu haben, muß man mit Benachteiligung immer dann rechnen, wenn das Privatleben Angestellter dem Profit einen Strich durch die Rechnung macht. Aber den Großteil der Frauen, Kindergärtnerinnen, Verkäuferinnen, Fließbandmonteurinnen oder Friseurinnen wird es die große Karriere, die von denen gar nicht erwünscht und gewollt ist, nicht ruinieren.

Den mahnenden Stimmen der Gleichstellung will aber gerade das nicht in den Kopf. Sie wollen nicht verstehen, dass in der Frauenwelt wie in der Männerwelt auch, nur ein relativ geringer Prozentsatz an beruflicher Karriere interessiert ist - die meisten Menschen wollen einfach nur ein Auskommen haben, ihr Privatleben möglichst sorgenlos gestalten; Arbeit und Beruf ist für sie notwendiges Übel, nicht Selbstverwirklichung oder Lebensfreude, schon gar nicht Lebenssinn. Lisa Nienhaus entgeht, dass die kreative Arbeit als schreibende Prekärkraft nicht mit dem Verschrauben eines Bleches oder dem Einräumen von Verkaufsregalen gleichzustellen ist. Und es sind gerade Damen wie Nienhaus, die im Beruf ihre Erfüllung finden und darüber hinaus ihre Situation pars pro toto auf alle Frauen münzen. Daher die stete Floskel von der Vereinbarkeit von Familie und Karriere - etwas, dass den meisten Männern und Frauen wenig Sorgen bereitet, weil es sie nicht betrifft, weil sie einen Arbeitsplatz haben und erhalten, keiner Karriere nachhecheln.

Ein in protestantischen Arbeitsethos getunkter Feminismus stellt sich da heraus, dessen Apologetinnen Freiheit und Gleichstellung durch Karriere predigen. Lieber auf Verbesserungen der eigenen Situation verzichten, mahnen sie asketisch; lieber den 20 Wochen Erholungszeit entsagen - geht schon bald nach der Entbindung wieder arbeiten, zeigt euren Arbeitgebern, wie hart im Nehmen ihr seid, wie wichtig euch der Job ist; stapelt Dosen mit Wonne und verschraubt Karosserieteile mit Laune, verzichtet auf den vollen Lohnausgleich und erholt euch von der Entbindung nach Feierabend: nur dann seid ihr emanzipiert!


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