David Lynch: “Dark Splendor” in Brühl, Deutschland

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Chris Rodley: Empfinden Sie die Malerei noch immer als Ihre Hauptbeschäftigung, aus der alles andere entsteht?

David Lynch: Ja. Die Malerei kann wahre Aussagen über alle Aspekte des Lebens machen. Das Gleiche gilt für die Musik. Es gibt Dinge, die sich mit Worten nicht ausdrücken lassen. Darum geht es in der Malerei und beim Filmemachen. Es gibt Wörter, und es gibt Geschichten, und mit dem Film kann man Dinge erzählen, die man mit Worten nicht erzählen kann. Das ist die wunderbare Sprache des Kinos. Es hat etwas mit Zeit und Simultanität zu tun und all den Regeln der Malerei. Die Malerei zieht sich durch alles hindurch.

(Rodley, Chris: Lynch über Lynch. Frankfurt am Main, 2006)

David Lynch war zuerst Maler und Zeichner, bevor er zum Film kam. Und zum Film kam er über den Animationsfilm. So sind im Max-Ernst-Museum in Brühl, das von Köln aus leicht zu erreichen ist, nicht nur seine Bilder, sondern auch vier seiner wenig bekannten Kurzfilme aus seiner Anfangszeit zu sehen.

Was Lynch am besten kann, nämlich eine eindringliche Atmosphäre aus Bild, Geräuschen, Musik und Text schaffen, welche verdrängte Tiefen in uns schwingen lässt, das versucht er auch in dieser Ausstellung. Gelingen tut es ihm nur teilweise.

Lynch Distorted-Nude

Grossartig sind die Fotografien, insbesondere die Reihe “Distorted Nudes”, wo er nackte Frauenkörper digital zerstückelt und in verfremdeter Form wieder zusammensetzt. Das ist Lynch pur, weil er mit Seherwartungen spielt, sie nicht nur unbefriedigt lässt, sondern auch Ängste an die Oberfläche bringt, die uns erschrecken, weil sie in uns und nicht in den Bildern stecken.

Ebenso irritierend und darum spannend war eine kurze, farbige Fotoreihe, die Gesichtspartien in kräftigen Farben und kleinen Scharfbereichen zeigte. Die Ästhetik des ersten Blicks verfliegt beim genaueren Hinsehen und man ist plötzlich fasziniert von der deckenden Schicht Make-up und Lippenstift. Was sehen wir, wenn wir Haut sehen, die keine ist?

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Die schwarzgrauen Aquarelle oder Lithografien, welche Worte oder kurze Texte in einen Zusammenhang mit angedeuteten Klecksen oder groben Strichen bringen, funktionieren hin und wieder und schwemmen Fragen ins Bewusstsein. Mit der Menge verlieren diese Bilder – und es gibt viele von ihnen – die Wirkung. Zudem zeigt es einmal mehr, wie schwierig es ist, Schrift und Bild zu einem mehrschichtigen Ganzen zu vereinen. Oft engen Worte ein, die Bilder öffnen.

Langweilig waren vor allem seine alten Foto-Reihen über die Industrie und über Vorstadt-Schneemänner, die schmelzen. Idee und Ausführung wirken veraltet. Auch die Klanginstallationen tragen nicht viel bei. Das hat Lynch in all seinen Filmen schon besser gemacht.

Die Ausstellung “Dark Splendor” ist ein Erfolg für das Max-Ernst-Museum in Brühl. Sie zeigt die Facetten eines grossen Künstlers. Hoffen wir, dass er wieder abkommt, seine grossartigen Visionen an die “Universität des unbesiegbaren Deutschland”, welche die Mönche der Transzendentalen Meditation in Berlin bauen wollen, zu verschwenden, und sie stattdessen wieder in die Kunst – egal ob Malerei, Fotografie, Film oder Musik – investiert.


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