Das Wochenende

Die Geschichte über die RAF und die Ereignisse in den 70er Jahren in Westdeutschland liefern eine ungeahnte Faszination. Der Terrorismus aus den eigenen Reihen hat für viele Menschen eine gewisse Anziehungskraft ausgeübt. Es gab zehntausende Sympathisanten und ganz offensichtlich waren Rebellen sexy. Es gibt T-Shirts, Aufkleber, Baader-Meinhof-Fanclubs und unzählige Abhandlungen in Buch- und Filmform. Die Aufarbeitung der reinen Fakten ist beispiellos und wahrscheinlich kennt jeder die Bilder von zerschossenen Limousinen und dem umgefallenen Kinderwagen, ebenso wie Aufnahmen der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“.
Irgendwie ist die RAF zum Pop geworden. Die wichtigen Fragen nach den Menschen hinter den Anschlägen werden zwar hin und wieder gestellt, aber selten befriedigend beantwortet. Der neue Film von Nina Grosse „Das Wochenende“ verspricht nun Antworten zu liefern auf genau diese Fragen.
Jens kommt früher, als erwartet aus dem Gefängnis frei. Er war ein aktives Mitglied einer RAF-Zelle und wurde geschnappt. Seine Schwester Tina lädt ein paar alte Freunde ein, um Jens Entlassung zu feiern. Das Wiedersehen mit jenen Freunden bringt allerdings viele der Erinnerungen wieder an die Oberfläche. Vor allem, als Jens Inga wieder sieht, hat er schwer zu kämpfen. Ihr geht es da allerdings nicht besser, denn seit Jahren hadert sie mit der Entscheidung, die sie getroffen hat, während Jens im Gefängnis saß. Sie hat sich entscheiden, ein neues Leben mit eienm neuen Mann zu beginnen.
Bei dem Wiedersehen eskaliert die Situation regelmäßig und es werden immer wieder alte Wunden aufgerissen – nicht zu Letzt bei der Frage, wer Jens damals an die Polizei verraten hatte. Die Situation gerät außer Kontrolle, als Ingas Sohn Gregor auftaucht, der von den vergangenen Ereignissen am schwersten getroffen zu sein scheint.
Man erwartet ein packendes Psychogramm über einen Terroristen. Ein Kammerspiel, dass die Nerven bis zum Zerreißen anspannt. Die schlichte Bildsprache, die Melancholische Musik und die blassen Farben suggerieren den Eindruck, dass hier eine ausgewachsene Tragödie ihren Lauf nimmt. Der Film zeigt relativ früh eine Waffe und wir wissen nur zu gut, dass so etwas nie ohne Bedeutung sein kann. Oder?
Jedenfalls hat man ganz bestimmte Erwartungen, die der Film dann nicht erfüllt. Das erste Zusammentreffen der alten Freunde ist denkbar unspektakulär. Neben ausgefallenen Tortenrezepten und Ausbesserungsarbeiten am Haus geht es am Tisch dann endlich auch mal um den Terrorismus. Diese Debatte ist dermaßen aufgesetzt und wirkt so hölzern, als hätte Nina Grosse das nur der Form halber mit eingeschoben, sich aber dann viel lieber auf das Drama hinter den Menschen konzentriert. Aber auch das verfehlt sie. In letzter Konsequenz geht es gar nicht mehr um den Terroristen Jens, sondern um Katja Riemann, die sich auf einem überkanditelten Selbstfindungstrip befindet, der aber für das Publikum sehr schwer nach zu vollziehen ist. Hauptsache ihre Haare wehen im Wind, wenn sie mal wieder die Konfrontation meidet und in den Wald läuft, um hier unruhig zwischen den Baumstämmen umher zu irren. Von solchen Szenen hat „Das Wochenende“ eine Menge zu bieten.
Hier! Baumspitzen, die sich im Wind wiegen und dazu ertönt melancholische Klaviermusik. Oder hier! Eine Autofahrt durch eine trübe Landschaft. Dazu Baumspitzen im Wind und melancholische Klaviermusik.
Rosamunde Pilcher wäre stolz.
Trotz der offensichtlichen Unfähigkeit Nina Grosses, dieses Thema tiefgründig und überzeugend zu stemmen, hat der Film den ein oder anderen netten Moment. Jens bekommt ein T-Shirt geschenkt, auf dem die alten RAF-Fahndungsfotos gedruckt sind mit dem Satz „Du bist Pop“. Das trifft den Nagel auf den Kopf und hätte sofort weiter geführt werden müssen. Wie geht es ihm damit, wenn er gerade 18 Jahre im Knast war? Moment 18 Jahre? Der Film spielt irgendwie in der Gegenwart. Also jetzt. Dann würde das bedeuten, Jens wurde 1995 verhaftet. War er tatsächlich so lange auf der Flucht, oder will uns der Film weiß machen, es hätte zu dieser Zeit noch aktive RAF-Zellen gegeben? Oder nimmt es Grosse mit der historischen Genauigkeit einfach nicht so ernst? Der Fairness halber sei hier erwähnt, dass sich die letzten RAF-Zellen tatsächlich erst 1998 offiziell aufgelöst haben. Die Zeit ernsthafter Aktionen war da allerdings schon lange vorbei.
Robert Gwisdeck ist übrigens trotz des schlechten Drehbuchs absolut großartig. Der Mann macht einem Angst, und braucht allein deshalb dringend eine Hauptrolle.
„Das Wochenende“ ist leider nur eine große Seifenoper. Das eigentliche Thema - was für ein Mensch steht hinter der Waffe - wird nur schnell und oberflächlich abgehandelt, damit sich der Film anschließend in den dunklen, traurigen Augen Katja Riemanns verlieren kann. Es gibt die Möglichkeit, sich angemessen mit diesem Thema auseinander zu setzen, die lässt „Das Wochenende“ aber links liegen und nutzt sie einfach nicht.
Das Wochenende (D, 2012): R.: Nina Grosse; D.: Katja Riemann, Sebastian Koch, Robert Gwisdeck, u.a.; M.: Stefan Will; Offizielle Homepage
Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14:00 bis 15:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

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