Das Versagen der Journalisten in der Asylkrise - ein Heiligenschein-Effekt?

Das Versagen der Journalisten in der Asylkrise - ein Heiligenschein-Effekt?
Die wichtigsten deutschen Zeitungen haben während der Massenzuwanderung 2015 und 2016 in ihrer Funktion als neutrale Berichterstatter versagt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Hamburg-Media-School und der Universität Leipzig.
So hätten sich die Mainstream-Medien nicht nur in großer Einigkeit hinter Angela Merkels Flüchtlingspolitik versammelt, sondern darüber hinaus auch noch die Parolen der politischen Elite übernommen. Besonders die „euphemistisch-persuasive Diktion“ des Begriffs „Willkommenskultur“ sei eins zu eins von der Bundesregierung übernommen worden, wie aus der Untersuchung hervorgeht.
Im Grunde hätte es dafür keiner Studie bedurft. Dem aufmerksamen Leser ist nicht entgangen, dass sich ein riesiges Konglomerat aus Journalisten, Politikern und Künstlern gebildet hatte, die aller einer Meinung waren und sich gegenseitig darin bestätigten. Kritik war unerwünscht. Wer es dennoch wagte zu widersprechen, wurde in die rechte Ecke gestellt. Die Fachausdrücke dafür lauten Echokammer oder Filterblase. Wie konnte es soweit kommen? Was bringt erwachsene Menschen dazu, ihren Kopf abzuschalten und nur noch auf ihr Bauchgefühl zu achten?
Eine kognitive Verzerrung – wie so oft
Natürlich ist dieses Phänomen nicht neu. Psychologen haben es längst unter dem Namen Halo-Effekt beschrieben. Wikipedia definiert es wie folgt: „Der Halo-Effekt (von englisch halo, Heiligenschein) ist eine aus der Sozialpsychologie bekannte kognitive Verzerrung, die darin besteht, von bekannten Eigenschaften einer Person auf unbekannte Eigenschaften zu schließen. Wenn zum Beispiel Person A Sympathie für Person B empfindet und generell Menschen sympathisch findet, die großzügig sind, wird Person A annehmen, dass Person B großzügig ist, ohne dafür irgendeinen Hinweis zu haben. Bei einer positiven Verzerrung spricht man auch vom Heiligenschein-Effekt, bei einer negativen vom Teufelshörner-Effekt.“
Die bekannte Eigenschaft der Flüchtlinge bestand darin, dem Krieg in Syrien, Irak oder Afghanistan entkommen zu sein. Man konnte sich jeden Tag in den Nachrichten davon überzeugen. Assad setzte (vermutlich) Giftgas ein, Geschosse prasselten auf Mossul nieder, in den Straßen von Kabul explodierten Bomben. Alles auf den ersten Blick richtig. Nur leider übersah man, dass die meisten Flüchtlinge die Deutschland erreichten bereits mehrere Jahre an sicheren Orten (in der Türkei oder Jordanien) verbracht und etliche sichere Drittstaaten durchwandert hatten. Streng betrachtet waren sie also nicht mehr auf der Flucht – sondern auf der Suche nach einem besseren Leben. Die unbekannten Eigenschaften, auf die ein Großteil unserer Journalisten geschlossen hat, hießen Hilfsbedürftigkeit, Integrationsfähigkeit und Ehrlichkeit.
Westernhagen – ein Wohltäter der Menschheit?
Es wurde aber noch verrückter. Der Musiker Marius Müller-Westernhagen gab dem "Spiegel" ein Interview, das einen vielsagenden Titel trägt: „Die Leute sind zu dumm für Demokratie geworden.“ Darin beschwert sich der Inhaber des Bundesverdienstkreuzes über Menschen, die sein Dresdner Konzert besuchten und nicht seine politischen Ansichten teilten, ihn sogar nach einer Moralpredigt auspfiffen. Dabei hatte er ihnen doch nur gesagt: „Hört mal zu, hier kommen Leute her, die verlieren ihre Existenz, das sind Ärzte, das sind Ingenieure, das sind Architekten, die wollten nicht weg aus ihrer Heimat, die hatten ein gutes Leben, bis der Krieg anfing.“
Ein echter Humanist – scheinbar. Einige wichtige Fragen stellte er aber nicht. Warum können die Flüchtlinge nicht nahe ihrer Heimat bleiben, um nach dem Friedensschluss rasch zurückkehren zu können und beim Wiederaufbau zu helfen? Und sind das wirklich alles Ärzte, Ingenieure und Architekten? Kennt Herr Westernhagen etwa einen arabischen Hersteller von Autos, Maschinen oder Smartphones, bei dem all die Ingenieure gearbeitet haben? Oder sehen die Skylines von Bagdad und Kabul danach aus, als ob dort eine große Baukultur vorherrschen würde? Und würde man Ärzte nicht eher in Ländern brauchen, in denen hunderttausende vom Krieg verletzte Menschen leben und weniger in der Bundesrepublik Deutschland, die eine der besten medizinischen Infrastrukturen der Welt besitzt? Das Problem ist: Wer unter dem Halo-Effekt leidet, denkt über solche Themen nicht nach. Für ihn ist die Welt geteilt in Schwarz und Weiß.
Das Versagen der Journalisten in der Asylkrise - ein Heiligenschein-Effekt?
Erika Steinbach – ein Nazimonster?
Umgekehrt gibt es zahllose Gegenbeispiele. Herausragend ist die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach, die auf ihrem Twitter-Account ein Bild veröffentlichte, das unter dem Titel „Deutschland 2030“ ein blondes Mädchen umringt von dunkelhäutigen Menschen zeigte. Daraufhin brach ein Shitstorm über sie herein. „Widerlich, rassistisch, hetzerisch“, „Sie fördert die AfD“ und „Das spaltet und schürt Ängste“, lauteten einige der Kommentare – nachzulesen in einem Artikel der "Zeit".
Das Bild stammt ursprünglich vom Besuch einer australischen Familie in einem indischen Kinderheim, es kann aber auch sinnbildlich für die Verhältnisse in Berlin-Neukölln oder Duisburg-Marxloh stehen. Allzu viele Kinder mit blonden Haaren und heller Haut findet man dort nicht mehr. Frau Steinbach hat also lediglich einen ironischen Kommentar zu unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit abgegeben. Dafür hat man ihr Teufelshörner aufgesetzt – die dunkle Seite des Halo-Effekts.
Höchste Zeit für eine Bewusstwerdung
Wie können wir uns in Zukunft gegen derartige Auswüchse wappnen? Die Antwort ist nicht schwer: Einfach runterkommen. Vernünftig sein. Sich darüber bewusst werden, dass für uns heute noch dieselben biophysikalischen Gesetze gelten wie für den Steinzeitmenschen – inklusive Halo-Effekt. Man muss nicht Medizin studiert haben, um diese Dinge zu begreifen. Manchmal hilft schon ein bisschen Küchenpsychologie. Jedoch sollte man seine Gefühle auch nicht unterdrücken und allein dem Verstand vertrauen. Ausgewogenheit lautet das Zauberwort. Es ist sehr von Vorteil, die eigenen Handlungen regelmäßig zu überprüfen. Und falls sich die Bundesregierung ebenso darüber bewusst werden sollte, hätte unser Land noch eine Chance. Das Chaos wäre abgewendet.

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