Das Stellenanzeiger ABC Teil I

Sie haben eine tolle Stellenausschreibung gesehen? Sie wissen, dass der offene Job wie geschaffen für Sie ist? Sie würden für diese Position sprichwörtlich über Leichen gehen? Dann die Ernüchterung in der Probezeit, schon am ersten Arbeitstag oder bestenfalls beim Bewerbungsgespräch. Die „abwechslungsreiche Tätigkeit“ entpuppt sich als „Mädchen für alles“ und dies meist in wenig anspruchsvollen Aufgaben.

Das Stellenanzeiger ABC Teil IQuelle: Pixabay

Welche versteckten Botschaften in einer Stellenausschreibung vorhanden sein können, erfahren Sie hier – und dies immer unter dem Gesichtspunkt des Advocatus Diaboli. Das heisst nicht, dass alle Anzeigen an sich einen solchen Code enthalten, aber ein kritischer Blick beim Lesen einer solchen Anzeige kann nicht schaden. Ansonsten sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt. Aber auch Personaler sollten sich bewusst sein, welche Botschaften scheinbar positive Ausdrücke senden können, um nicht vielversprechende Kandidaten abzuschrecken.

A wie Attraktives Gehalt

Arbeiten und dabei noch gutes Geld verdienen? Eine Stelle kann noch so toll sein, wenn die Entlöhnung nicht stimmt, kann dies zum Problem werden. Aber keine Sorge, das Gehalt ist laut der Stellenausschreibung „attraktiv“. Aber für wen? Für Sie oder das Unternehmen? Auch stellt sich die Frage, ob die Stelle nicht allzu viel zu bieten hat, sodass dieser Faktor wirklich aufgeführt werden muss.

B wie Belastbarkeit

Firmen, die einen belastbaren neuen Mitarbeiter suchen, haben nicht unbedingt deren Wohlbefinden im Kopf. Vielmehr ist es ein Indiz, dass Überstunden hier nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel sein werden. Generell werden die Arbeitsstunden eher stressig als entspannt angegangen.

C wie Chance

In die Firma einsteigen, ein oder zwei Jahre in der ausgeschriebenen Position arbeiten und dann die nächste Sprosse auf der Karriereleiter erklimmen? So steht es im Stelleninserat geschrieben, so wird es sein. Doch leider ist die Chance die kleine, hässliche Schwester der Perspektive. Während bei der Perspektive die Wahrscheinlichkeit besteht, dass diese erreichbar wird, ist eine Chance generell auch von weiteren unbeeinflussbaren Faktoren abhängig. Wie konkret diese „Chance“ ist, kann aber bei einem ersten Gespräch unter Umständen ausgelotet werden. Auch stellt sich die Frage, warum die Aufstiegschancen im Unternehmen gut sind. Im schlimmsten Fall hält es niemand lange im Unternehmen aus und daher die vielen Vakanzen.

D wie Dynamisches Unternehmen

Klingt erst einmal positiv. Hier ist etwas in Bewegung, hier tut sich was. Doch Dynamik kann vieles bedeuten. Geht es um die Firma selbst, so ist Dynamik oft ein Zeichen dafür, dass die Firma stark und zügig wächst. Die meisten Firmen kommen dann oft nicht hinterher neue Strukturen aufzubauen, die diesem Tempo standhalten. Wenn Ihnen ein bisschen Chaos beim Einstieg nichts ausmacht, sollten Sie sich davon aber nicht abschrecken lassen. Denn schnell wachsende Unternehmen suchen auch ständig neue Führungskräfte. Hier können Sie sich also wahrscheinlich schon in kurzer Zeit für höhere Aufgaben empfehlen.

E wie Eingespieltes Team

Hier wird darauf aufmerksam gemacht, dass Sie Teil einer Abteilung oder Firma werden, die schon einige Zeit in dieser Zusammensetzung arbeitet. Das ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Allerdings müssen Sie damit rechnen, dass man von Ihnen erwartet, sich hier widerstandslos einzufügen und dass Sie vielleicht nur eine Kopie Ihres Vorgängers sein werden. Sollte es sich dabei um eine Führungsposition handeln, ist Vorsicht angebracht. Neuerungen werden wohl erst einmal kritisch beobachtet und starke Seilschaften sind nicht unwahrscheinlich.

F wie Flexible Arbeitszeitmodelle

Toll, Sie können Ihre Arbeit Ihrem Biorhythmus anpassen, Familie und Beruf unter einen Hut bringen und dazu noch ein Hobby haben – Sie können Ihre Arbeitszeit ja flexibel gestalten. Doch Achtung: Wichtig ist zu wissen, wer flexibel sein muss. Akzeptiert wirklich das Unternehmen, dass der Arbeitnehmer seine Zeit flexibel einteilt? Oder erwartet der Arbeitgeber vielmehr, dass Sie die Zeit gemäss seinen Wünschen flexibel einteilen? Unregelmässige Arbeitszeiten, Wochenendarbeit und zahlreiche Überstunden sind dann die Konsequenz.

G wie Grosszügige Bezahlung

Sie arbeiten und erwarten dafür auch eine entsprechende Entlöhnung. Umso besser, wenn diese auch noch grosszügig ist. Doch Vorsicht: Grosszügig ist keine absolute Angabe und es wird kein Referenzpunkt angegeben. Im schlechtesten Fall wird dieser Punkt nur aufgeführt, weil das Unternehmen sonst keine guten Argumente für diese Position ins Feld führen kann. Einfach beim Bewerbungsgespräch diese Thematik anschneiden und sich Klarheit verschaffen wie „grosszügig“ der zukünftige Arbeitgeber wirklich ist. Immer vorausgesetzt, Sie kennen Ihren Marktwert. Unser Lohnrechner kann dabei helfen diesen zu bestimmen.

H wie Hohe Einsatzbereitschaft

Eigentlich nur ein Synonym für Belastbarkeit. Mit solchen Anforderungen entlarven sich eher die Ausbeuter unter den Arbeitgebern. Hoher Einsatz sollte bei jedem der einen neuen Job antritt, Voraussetzung sein und nicht gesondert eingefordert werden müssen. Hier wird eher damit zu rechnen sein, dass die Firma mehr von Ihnen fordern will, als ihr eigentlich zusteht.

Haben Sie sich schon einmal auf eine Stelle beworben, die nicht das gehalten hat, was in der Stellenanzeige versprochen wurde?


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