Das mach ich doch mit links...

Von Sumsehummel
Servus!

Was haben Eminem, Barack Obama, Julia Roberts, Albert Einstein, Queen Elizabeth II. und Bruce Willis mit mir gemeinsam??? Wir sind alle Linkshänder! 

Ja ich bin Linskhänder und das ist gut so. Ich zumindest kann ganz gut damit leben.
Jedenfalls solange, bis ich mal wieder vor der Problematik stehe, dass ich mit etwas nicht zurecht komme, weil es für Rechtshänder gedacht ist.

Meine Probleme gingen schon im Kindergarten los und begleiten mich seither mal mehr mal weniger durch mein Leben.

Wir haben aus Karton Schuhe gebastelt, an den wir lernen sollten wie man Schleifen bindet.
 Meine Kindergärtnerin ist schier verzweifelt ist, weil ich irgendwie alles Seitenverkehrt machte.
Es ist für Rechtshänder vielleicht gar nicht so richtig vorstellbar, was sich für uns "Linkadodsch", wie es bei uns im fränkischen heißt, im Alltag oftmals für Hürden gibt.
Hier mal ein paar Beispiele die mir gerade so einfallen:

In der Schule musste ich immer links am Tisch sitzen, damit ich meinem Tischnachbarn beim schreiben nicht in die Quere kam. Das muss ich heute noch beim essen mit mehreren Personen am Tisch so handhaben, weil es sonst Schwierigkeiten mit dem Tischnachbarn gibt. Besteck ist auf Tischen auch immer für Rechtshänder eingedeckt. 

Bin ich privat mit Familie oder Freunden beim essen, habe ich inzwischen auch keine Scheu mehr, mein Messer frech in die linke Hand zu nehmen. 
Ich esse nur nach Knigge, wenn ich mit Fremden am Tisch sitze oder es ein offizieller Anlass ist. 

Beim Schreiben mit Füller oder Kugelschreiber war/ist immer die Schrift verschmiert, da man als Linkshänder ständig über das frisch geschriebene wischt.

Gute Kugelschreiber finde ich auch heute noch schwer, weil viele Kulis für Linkshänder schlecht zu benutzen sind.

Ein absoluter Horror sind diese Collegeblöcke, die gehen wegen der seitlichen Spiralbindung für Linke gar nicht.

normale Scheren können auch ein Graus sein für Linkshänder. Hier muss ich aber sagen, dass ich mit meiner Linkshänderschere da immer die größeren Probleme hatte, weswegen ich die normale Schere auch jetzt noch immer der "linken" vorziehe.

Wir sehen nie die Motive von einseitig bedruckten Tassen, weil der Griff garantiert rechts ist.

In der Küche gibt es ständig Kämpfe mit Schöpfkellen, Messern, Pfannenwendern, Geflügelscheren etc. Selbst Dosenöffner sind zum Teil nur für Rechtshänder geeignet. 

Wenn man in Banken oder Ämtern was unterschreiben oder ausfüllen muss, stehen die Kugelschreiber immer auf der rechten Seite.

Computermäuse sind auch so ein Kapitel. Viele sind ja ergonomisch geformt, so dass diese für mich gar nicht in Frage kämen. Es muss immer eine sein, die gerade ist.

Mit den Maustasten selbst komme ich inzwischen gut klar, musste da auch nix umstellen, wie vielleicht manch anderer Linkshänder.

Es gibt bestimmt noch viel mehr, aber das fällt mir gerade nicht ein.


In der Grundschule hatte ich eine Lehrerin der meine Linkshändigkeit ein Dorn im Auge war. Bei einem Elterngespräch meinte die Lehrerin dann wohl zu meiner Mutter, dass man mich ja "umpolen" könne und hatte dies in der Schule auch angefangen.

Kurze Zeit darauf gab es anscheinend Probleme mit mir und meine Mutter schleppte mich zum Kinderarzt. Als der von der Umpolung erfuhr ist der Kinderarzt in die Luft gegangen.
Er muss meine damalige Lehrerin fürchterlich zusammengefaltet haben, weil das umpolen von links auf rechts schwere psychische und physische Störungen hervorrufen kann.
Die Lehrerin hat das mit dem umpolen dann gelassen. An der Waffel habe ich trotzdem einen! 

Zu meiner Schulzeit gab es noch keine Onlineshops und Linkshänderartikel generell waren sehr selten zu bekommen. Ich vermute mal, gutes Geld kann man heute noch damit machen. 

Ich weiß noch, als ich in der 6. Klasse meinen ersten Linkshänderfüller bekam. 
Meine Mutter hatte mir ständig eingetrichtert, dass ich darauf besonders acht geben soll, weil der Füller damals über 30 D-Mark gekostet hat! Gott, was hatte ich für eine Angst dieses wertvolle Teil zu verlieren oder kaputt zu machen!

Hihi, meine gleichwertige Hälfte hat eben gefragt, was ich denn schreibe? Ich habe ihm das Thema gesagt und ihn gefragt, ob ihm schon mal aufgefallen ist, was alles im Alltag auf Rechtshänder gemünzt ist. Jetzt sitzt er da und ist nur noch am grübeln. 

Man merkt, es ist doch ein Thema, worüber viele (Rechtshänder) sich so gar keine Gedanken machen. Was für den einen normaler Alltag ist, bereitet uns schon mal Schwierigkeiten. Aber irgendwas ist ja immer!...