Das Lächeln der Besucher – Vernissage “Smiling at you”

Von Juedischesmuseum


Ihre Kunst kennt inzwischen fast jeder Münchner. Ihren Namen kennen bisher die wenigsten. Mit einer Werkschau aus den Jahren 2000 – 2010 widmen wir uns der Künstlerin Sahrone Lifischtz, deren Zitate an der Fassade des Jüdischen Museums zum Nachdenken und Schmunzeln anregen. Das Lächeln im Namen der Ausstellung “Smiling at you” spiegelt sich auch in den Gesichtern vieler Besucher wieder – wie in dem Film von der Vernissage zu sehen ist.

Seit der Jahrtausendwende hat Sharone Lifschitz (geboren 1971in Israel; wohnhaft in London) ein überzeugendes Werk zu den Themen Erinnerung, Identität und Sprache geschaffen. Unter Verwendung durchaus unterschiedlicher Medien wie Fotografie,Video, Druckgrafik und Installation untersucht Lifschitz unsere Beziehung zu unserer individuellen und kollektiven Vergangenheit.

Dabei geht sie den vielfältigen Aspekten menschlicher Wechselbeziehungen sowie der Sprache, die diese ermöglicht, nach und hat zu diesem Zweck fantasiereiche Strategien entworfen, um sich in die Welt zu begeben. Sie tut dies mittels Zeitungsinseraten und systematischen Reisen per Bahn, Bus und U-Bahn. So reiste sie durch Deutschland, Belgien, Irland und Großbritannien, ebenso wie nach Israel und in die Vereinigten Staaten, trat mit einer Vielfalt von Menschen in Kontakt und unterhielt sich mit ihnen.

Diese Interaktionen haben sie mit dem Rohstoff für einen Großteil ihrer künstlerischen Arbeit versorgt, die durch Einfühlungsvermögen, Humor und einen spielerischen Umgang mit Sprache gekennzeichnet ist. Dem Münchner Publikum ist bereits ihre Intervention Speaking Germany bekannt, die 2007 die gesamte Stadt einbezog und die Eröffnung des Jüdischen Museums begleitet hat. In Teilen besteht diese Arbeit an der Fassade des Museums noch weiter.

Smiling at You stellt dieses viel bewunderte Projekt in einen größeren Zusammenhang. Auf einem Stockwerk präsentiert die Ausstellung eine Auswahl an Performance-, Studio- und Video-Arbeiten. Auf einem weiteren Stockwerk werden Projekte zur Schau gestellt, die Deutschland und der Stadt München gewidmet sind. Deren Höhepunkt bildet die Premiere der Videoarbeit If I Were to Forget You, die eigens für diese Ausstellung erarbeitet wurde –- eine Meditation über das Verhältnis zwischen München, wie es sich heute darstellt, und den Erinnerungen mehrerer jüdischer Flüchtlinge aus dieser Stadt.

Eine Auswahl aktueller Pressestimmen zur Ausstellung:

“Mit einem Lächeln, mal größer, mal kleiner, geht Lifschitz auch an ihre Arbeiten heran. Neugierig, liebevoll, kommunikativ und unaufgeregt kritisch.” (Münchner Merkur)

“Sie forscht nach dem Vergangenen nicht empirisch, wie ein Historiker, sondern begibt sich auf eine intuitive Suche nach Menschen und ihren Geschichten. Es gibt hier keine richtige oder falsche Erinnerung, wie sie in deutschen Vergangenheitsdiskursen oft beschworen wird.” (AZ)

“Nicht nur, dass einem beim Gespräch eine freundliche, heitere Frau gegenübersitzt. Lächeln, das sei auch ihr Weg gewesen, um Zugang zu Menschen zu finden, wo immer sie in Europaden Ängsten der Menschen auf der Spur war, den Brüchen zwischen dem offiziellen Geschichtsbild und den individuellen Schicksalen.2 (SZ)

SMILING AT YOU. Sharone Lifschitz: Works 2000–2014
Jüdisches Museum München
St.-Jakobs-Platz 16
Telefon: +49-89-233-96096

Die Ausstellung läuft bis 9. Juni 2014
Öffnungszeiten: Dienstag-Sonntag 10-18 Uhr
Eintritt: Erwachsene: 4€ / Ermäßigt: 2€

Der Katalog zur Ausstellung
herausgegeben von Emily D. Bilski und Bernhard Purin im Auftrag des Jüdischen Museums München
Kehrer Verlag, München 2014
ISBN 978-3-86828-486-7
208 Seiten, 36 Euro