Das können Eltern von Kindern in puncto Kreativität lernen

Von Ditabarakova @ErziehKreativ

Vier Tipps, wie Eltern kreativ bleiben

 
Gerne setze ich mich nach dem Essen hin und beobachte für einige Augenblicke meine Kinder, während sie spielen, malen, bauen. Diese Momente zählen zu den ruhigsten bei uns zu Hause. Schon vor langer Zeit habe ich gelernt, dass es am besten ist, die Ruhe (vor dem Sturm) zu genießen, anstatt schnell noch etwas scheinbar Sinnvolleres zu erledigen.
Für eine halbe Stunde sehe ich meinen Kindern zu, wie sie die Tiere im Halbkreis aufstellen und passende Tiergeräusche nachmachen, wie sie Farben vermischen und auf den Boden klecksen (stimmt, da tue ich mir schwer, ruhig sitzen zu bleiben), oder wie sie für das Wohnzimmer akzeptable Ballspiele erfinden. So vertieft in ihrem Element, scheinen sie in ihrer Rolle aufzugehen. Manchmal frage ich mich, ob sie wirklich noch bei mir sitzen und Zugführer spielen, oder tatsächlich gerade am Bahnhof Lokomotiven rangieren und Wagons beladen.
Dann und wann überkommt mich das Gefühl, dass ich bereits einiges, was zum kreativen Prozess dazu gehört, verlernt habe.
"Meine Inspirationsquelle sind Kinder, wenn sie staunen", sagte einst Emanuel Bidaud in ihrem Gespräch mit mir.

Interview: Kinder dursten nach Selbertun

 
Was könnte ich also von meinen Kindern bezüglich Kreativität dazu lernen?
 

1. Bei der Sache bleiben - vertieft, gelassen, kreativ

 
Bauen Kinder gerade einen Turm aus Bausteinen oder eine Höhle aus Polstern und Decken, so folgen sie ihrer Idee aufmerksam. Sie bleiben bei der Sache. So quirlig sie sonst auch sein können, lassen sie sich nun von ihrem Vorhaben nicht abbringen und stapeln ausdauernd einen Polster auf den anderen.
 
Dies ist eine Fähigkeit, die ich sehr bewundere, denn mir fällt es im Alltag oft sehr schwer, mich auf meine Vorhaben zu konzentrieren. Dinge, die mir im Moment notwendiger erscheinen - schmutzige Fensterscheiben, piepsender Wäschetrockner, stinkende Windeln - unterbrechen mein kreatives Tun andauernd. Das ständige Aufstehen und Weggehen führt dazu, dass ich am Abend feststelle, nie länger als 10 Minuten für mein Projekt gefunden zu haben. Mein Geist berührt die Dinge nur oberflächlich, da ich mir nie ausreichend Zeit nehme.
 
Kinder können das, was ihnen in dem Moment ein Anliegen ist, gut fokussieren. Dies soll uns ein Vorbild sein. Möglicherweise müssen auch unsere Mitmenschen lernen, uns die Zeit zu gönnen, die wir für unsere kreativen Projekte brauchen. Aber vor allem sollten wir dies tun.
 

2. Einer guten Idee sollte man folgen

 
Während Kinder spielen, kommen sie häufig auf Ideen, was man sonst noch ausprobieren könnte.
Bestimmt habt Ihr schon Kleinkinder gesehen, die mit einem Stock auf andere Gegenstände schlagen, und so oft (für uns Erwachsene) höchst verstörende Geräusche erzeugen. Irgendwann kommt dieses kleine Kind darauf, mit seinem Holzstück auch auf Plastik zu klopfen, doch das Geräusch hört sich nun ganz anders an. Ab sofort läuft der kleine Junge (Mädchen tun's übrigens auch) durch den Spielplatz und haut sprichwörtlich auf alles, was ihm in den Weg kommt.
 

Diese kleine Szene zeigt uns:

  1. Beschäftigen wir uns mit einer Sache führt es dazu, dass wir neue Ideen entwickeln und weiter verfolgen möchten
  2. Ausprobieren und Experimentieren bedeutet Erfahrungen zu sammeln und Neues zu lernen.
  3. Nicht immer stößt das, was wir tun, auf Wohlwollen. Manchmal überschreiten wir Grenzen.
  4. Wir müssen Möglichkeiten finden, unser Tun im sozial akzeptablen Rahmen auszuüben.
Es ist auch uns Erwachsenen nicht immer möglich einer Idee unkontrolliert zu folgen. Und dennoch – etwas Ausdauer gehört zum kreativen Tun dazu. Sofort aufzugeben, wenn es gerade nicht so läuft, wie wir möchten, wäre schade. Schaut ruhig mal Euren Kleinen zu, wieviel Energie und Mühe sie aufwänden, um ihren Vorstellungen zu verwirklichen.

3. Detailverliebt arbeiten – man bestimmt selber, wann etwas fertig ist

 
Auch wenn die feinmotorische Entwicklung in den jungen Jahren oft noch zu wünschen übrig lässt, so widmen sich Kinder doch mit Vorliebe den Details. Ich kann mich noch erinnern, wie meine Große stundenlang ihren Kuchen aus selbstgemachter Knetmasse mit Blütenblättern, Zahnstochern, Steinchen und Körnern dekorierte. Sie gab erst auf, wenn der Kuchen in ihren Augen perfekt war. Dann war er fertig, und nichts konnte sie verunsichern.
Ich bewunderte sie in diesem Augenblick um Ihr Selbstbewusstsein, mit dem sie für ihr Produkt einstehen konnte.
Mit Hinblick auf unsere Kreativität und ästhetisches Empfinden können wir es uns aber durchaus leisten, detailverliebt zu arbeiten und erst dann zufrieden zu sein, wenn uns persönlich die Dinge fertig erscheinen.
 

4. Regelmäßig Gelegenheit für kreatives Tun finden

Der Tag der Kinder verläuft meistens strukturiert und organisiert. Pädagogen kritisieren zwar zunehmend, dass die Gelegenheit für freies Spielen schwindet. Doch zumindest in den ersten Lebensjahren garantiert ein halbwegs strukturierter Alltag auch regelmäßige Spieleinheiten für ein Kind.
So wie ein Kind regelmäßig Türme bauen und träumen darf, sollten auch wir unserer Kreativität stets bestimmte Zeiten zur Verfügung stellen, anstatt auf die große Idee und mehr Freizeit zu hoffen. Tun anstatt nur zu warten, so lautet die Devise.
 
 

Fazit

Nicht immer müssen wir Eltern die an uns lastende Vorbildfunktion mit Würde tragen. Manchmal schadet es nicht, die Rollen zu vertauschen und uns von unseren Kindern inspirieren lassen.
 

Was können wir also von Kindern in Bezug auf Kreativität lernen?

  • Ablenkung vermeiden und sich auf das eigene Tun konzentrieren
  • Ideen nicht bereits im Vorfeld verwerfen, sondern ihnen folgen
  • Wenn nötig mehrere Versuche wagen und nicht sofort aufgeben
  • So lange am Projekt arbeiten, bis man ihn selber für fertig erachtet
  • Für eigene Ideen einstehen
  • Regelmäßig in kleineren Portionen kreativ zu sein, bringt einen manchmal weiter, als wenn man auf eine überragende Idee wartet
 
Abschließend noch ein Zitat von Keri Smith, die mit ihren Büchern weltweit für mehr Kreativität im Alltag sorgt.
"Lass zu, dass das Geheimnis dich findet - etwas, das dein Interesse weckt und eine wahnsinnige Neugierde in dir entfacht."