Das Keyboard zu Babel

Englisch ist überall, vor allem im Internet. Manchmal auch unerwünscht, wenn statt dem Z plötzlich ein Y kommt. Ein kleiner Exkurs in die Welt verschiedener Sprachen und Alphabete von Computern und Tastaturen.

Als ich noch klein war und erstmals Gefallen an Englisch fand, erzählten mir meine Eltern, dass aber Spanisch die Weltsprache sei. Das konnte bzw. musst ich zwar so akzeptieren, konnte es aber nicht wirklich glauben, denn während immer öfter englische Begriffe in meinem Umfeld auftauchten (vor allem am Computer) hatte ich noch keinen einzigen Spanier gesehen. Zumindest nicht bewusst.
Heute sieht die Lage in mehrfacher Hinsicht anders aus. Spanisch mag eine verbreitete Sprache sein, aber Englisch ist überall. Geht man nach der Anzahl Sprecher wäre Chinesisch noch relevanter, aber egal, wohin der Urlaub führt, mit Englisch kommt man immer weiter. Vor allem aber auf dem HTTP-Kanal, dem Internet, führt kaum ein Weg daran vorbei. Während man durch TV-Werbung und Zeitschriften zwar immer brav auf deutsche Angebote gelotst wird, warten zwei Klicks und ein Google weiter längst die besseren Portale mit doppelt so vielen Informationen, dafür aber eben in Englisch. Macht nichts, denkt sich der Benutzer von heute, zur Not gibts schliesslich den Google Übersetzer und den Rest kann man sich schon irgendwie zusammenreimen. Ist ein Artikel in der deutschen Wikipedia nicht vorhanden (weil er „nicht enzyklopädisch relevant" ist); die englische Schwesterseite hat ihn mit Sicherheit im Angebot.

Englisch ist also in Ordnung, und zugegeben, das Gros der Webseiten und die aktuellsten Informationen findet man am nunmal auf amerikanischen Servern. Gelegentlich listet Google natürlich auch anderssprachige Links auf, aber normalerweise ist das Angebot so gross, dass man diese einfach überlesen kann. Auf Seite 7 kommt bestimmt noch was, vielleicht sogar deutsch. Dabei gibt es schon lange die Möglichkeit, mittels Unicode-Zeichensatz auch Webseiten auf kyrillisch, arabisch oder mit Kanji darzustellen - und das wird durchaus gemacht! Während man ein CAPTCHA mit englischen Begriffen noch problemlos lösen (sprich: abtippen) kann, stösst man bei einem russischen Ortsschild schnell an die Grenzen der Tastatur. Zwar lassen sich die kyrillischen Zeichen durchaus „irgendwie" eingeben, zur Not mittels Kopieren-Einfügen aus einem Alphabet, aber die künstliche Sprachbarriere ist schon gewaltig hoch. Dabei lässt sich die Webseite hinter dem CAPTCHA prinzipiell bedienen; Links anklicken funktioniert in jeder Sprache, und da viele Webdesigner ihre Dateien englisch beschriften, kann man anhand eines Link-Ziels wie „/stargate/actors.html" bereits ablesen, wohin die Reise geht. Zur Not lässt sich die gesuchte Seite aber auch mittels Durchprobieren aufstöbern - oder man bemüht wieder den Google Translator, der auch gerne die ganze Webseite „live" übersetzt.

Das Keyboard zu Babel


Aber halt mal, irgendwie müssen die Russen ihre Zeichen doch auch eingeben können? Haben die andere Tastaturen als wir? Die Antwortet lautet: Jein. Als unbedarfter PC-Nutzer mag man den Eindruck haben, die Tastatur sei für die Zeichen verantwortlich, die der Computer darstellt. Drückt man also auf die Taste „Z", schickt sie ein Z durchs Kabel. Das ist nicht ganz abwegig, schaut man sich alte Schreibmaschinen an, dank der digitalen Revolution gibt es hier aber längst keine physikalische Verbindung mehr. Jeder, der unter Windows schon versehentlich das Sprachschema geändert hat (durch Drücken von Shift+Alt), weiss, dass dabei durchaus auch ein Y herauskommen kann und umgekehrt. Warum? Weil auf der englischen Tastatur zwar die normalen Buchstaben gleich angeordnet, Z und Y aber vertauscht sind (ausserdem sind die Sonderzeichen ganz woanders, das merkt man aber erst im zweiten Moment). Offenbar kann man also auch auf einer deutschen Tastatur richtig amerikanisch schreiben, und das, obwohl diese zum Teil doch etwas anders aussehen. Immerhin haben wir auch noch die Umlaute und Akzente, also 3 zusätzliche Tasten. Tatsächlich gibt es ziemlich verschiedene Tasten-Layouts, insbesondere bei Notebooks wird oft Platz eingespart, so dass man am Ende Special+Shift+F12 drücken muss, um einen PrintScreen (Bildschirmfoto) auszulösen. Nichts anderes geschieht bei deutschsprachigen Tastaturen; da müssen einfach ein paar mehr Symbole über Shift, Alt und AltGr geholt werden, die auf einer englischen Tastatur „einfach so" erreichbar sind, wie etwa die eckigen Klammern. Andersherum kann man auch zusätzliche Tasten hinzufügen, was besonders Japanern das Leben leichter macht.

Am Ende bleibt das Fazit: Welcher Buchstabe bei welcher Taste erscheint, wird nicht von der Tastatur sondern vom Betriebssystem bestimmt. Tatsächlich kann man dies auch den eigenen Wünschen anpassen; so habe ich beispielsweise die Windows-Taste durch etwas Sinnvolleres ersetzt, denn mal ernsthaft: wer braucht die schon, und dann auch noch doppelt?
Letztendlich spielt es also überhaupt keine Rolle, welche Beschriftungen auf den Tasten liegen - zumindest, solange man nicht darauf angewiesen ist. Wer hingegen mit der Adlertechnik schreibt, darf sich glücklich schätzen, dass die Tastatur normalerweise mit dem eingestellten Schema übereinstimmt.

Falls es aber mit der Sprache mal gar nicht klappt, kann man immer noch in Symbolen sprechen, nicht war? ;-)

Yhoko

PS: Es wäre absolut kindisch, als kleiner Bürostreich die Tasten R und L zu vertauschen. Das gehölt sich gal nicht.


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