Das Gesicht der Reaktion

n der letzten Ausgabe von "Hart aber fair" ging es um das Thema der Homo-Ehe. Es findet sich derzeit vermehrt in den Schlagzeilen, weil beim aktuellen CDU-Parteitag ein Antrag zur rechtlichen Gleichstellung gestellt wurde, dem zumindest Merkel sich offiziell verweigert. Unter anderem war einer der Antragsteller, der CDU-Politiker Stefan Kaufmann, in der Sendung als Diskutant vertreten. Die Reaktion vertraten die beiden CDU-Mitglieder Birgit Kelle und Martin Lohmann (letzterer ist Chef des offiziellen Kirchenfernsehsenders K-TV), die beide strikt gegen die Gleichstellung der Homo-Ehe eintraten. Als farbige Gesichter der Schwulenbewegung wurden No-Angels-Sängerin Lucy Diakovska und Entertainer Ralph Morgenstern eingeladen. Was sich vor den Augen des Zuschauers in der Sendung abspielte, ist eigentlich nur noch grotesk zu nennen. Kaufmann war wahrlich nicht zu beneiden, denn einerseits musste er ständig die CDU verteidigen, andererseits wurde er aber stets unterschwellig von seinen Parteifreunden angegriffen, die sinnigerweise rechts von ihm saßen. Die Sendung war ein Musterbeispiel dafür was passiert, wenn man Leute mit einer klaren Agenda gegen Amateure schickt. 
Es schien nicht so, als ob Diakovska oder Morgenstern die Strategie Lohmanns und Kelles verstanden hätten. Was die beiden trieben, war geschickt, das muss man ihnen lassen. Mit einer eigentlich unhaltbaren Position - Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung die Grundrechte abzusprechen und sie zu Menschen zweiter Klasse zu degradieren - halbwegs unbeschadet durch die Sendung zu kommen ist sicherlich nicht ganz leicht. Die Strategie war eigentlich simpel: man deklariere sich selbst flugs zur verfolgten Minderheit und fordere die "gleichen Rechte". Tatsächlich gelang es Lohmann unwidersprochen, die Behauptung aufzustellen, Homosexuelle müssten "auch" Widerspruch ertragen. Das ist hanebüchener Quatsch. Was er und seinesgleichen Reaktionäre tun ist es, menschenrechtswidrig, Homosexuellen das Recht auf ihren eigenen Lebensstil abzuerkennen. Kein Homosexueller hat je erklärt, dass bitte Heterosexuelle aufhören sollten, ihre Sexualität so offen auszuleben. Diese Gleichsetzung ist eine Frechheit. Sie müssten "Widerspruch ertragen"? Widerspruch gegen ihre eigene Existenz "müssen sie ertragen"? Das soll ja wohl ein Witz sein. 
Leider gelang es keinem der Mitdiskutanten, diese erzkatholische Menschenverachtung klar als das zu benennen, was sie ist. Stattdessen landete das Hit-and-miss-Geschütz der Sendung, Ralph Morgenstern, einen deutlichen Treffer, als gleich zu Beginn der Sendung Lohmann und Keller emphatisch erklärten, ein homosexueller Weihnachtsmarkt gehe gar nicht, weil man das ja nicht "brauche", was Morgenstern zu der Gegenfrage bewegte, wer denn eigentlich Kirchenfernsehen bräuchte. Was für eine Kategorie ist denn bitte "brauchen"? Auch das 2%-Argument, das Keller und Lohmann penetrant wiederholten (nur 2% der Bevölkerung sind homosexuell) ist keines. Es ist völlig irrelevant, wie viele Homosexuelle es gibt. Grundrechte gelten für alle gleich, und sie werden bestimmt nicht von einem diffusen "Brauchen" der Mehrheit definiert. Mit Lohmanns Argument könnte ich auch alle Synagogen verbieten. "Brauchen" die das denn? Sind doch eh so wenige. Und die Dinger sehen immer so fremd aus in der Straße. Was in dieser Sendung sichtbar wurde ist das Gesicht der Reaktion, der blanken Menschenverachtung, die als solche jedoch nicht benannt werden konnte. Stattdessen ritt sie auf der Welle des dumpfen Ressentiments mit, das zu allem Überfluss am Ende der Sendung humoristisch noch einmal aufgegriffen wurde. Vermutlich hatte Plasberg selbst nicht mit solchen Gästen gerechnet.
NACHTRAG: Das allerschlimmste aber, das wird mir jetzt erst beim Nachdenken klar, ist die objektive Art der Sendung mit ihrer 50:50-Aufteilung. Die Gäste 50:50, die Zuschauerreaktionen 50:50, der Moderator 50:50. Die ganze Sendung ist aufgebaut, als ob hier zwei völlig valide Seiten einer Debatte beleuchtet werden würden - das aber ist absurd. Es gibt in dieser Debatte keine zwei gleichrangigen Seiten. Wir diskutieren auch nicht Pro und Contra Frauenemanzipation. Die Position Lohmanns und Kellers ist nicht, ich wiederhole, nicht, gleichrangig oder auch nur valide. Sie ist menschenverachtend. Durch den Aufbau der Sendung, besonders die 50:50-Aufteilung der wie ein Schlusswort wirkenden Zuschauermeinungen (und das bewusste Aussparen der Beleidigungen!), erhält die reaktionäre Soße aber geradezu den Ritterschlag. Das ist ein klares Versagen Plasbergs. 


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