Das Gerangel um die Arktis

Das Gerangel um die Arktis  

Das Ewige Eis wird die Arktis auch genannt. Doch der Spitzname könnte bald seine Gültigkeit verlieren. In diesem Sommer ist das Eis im Nordpolarmeer auf einen neues Rekordminimum von 4,24 Millionen Quadratkilometer zusammengeschmolzen. Seit 1972 ist das sommerliche Eis damit um die Hälfte zurückgegangen.

Wenn das Eis verschwindet, wirft es nicht nur drängende Umweltfragen nach Lebensräumen und Klimawandel auf. Der Rückgang der meterdicken weißen Massen ermöglicht auch die Erschließung der Arktis – und die beflügelt die Fantasie der umliegenden Staaten. Nach Schätzung von US-Geologen lagern hier etwa 30 Prozent des weltweit bislang unentdeckten Erdgases sowie 13 Prozent der unentdeckten Ölvorräte. Auch Gold, Silber, Eisen, Kohle und Zink sollen versteckt im hohen Norden liegen.

Weil die Rohstoffe auf der Welt immer knapper werden, wächst das Interesse an den verborgenen Schätzen der Polarregion. Unter den Anrainerstaaten ist ein Gerangel um die Vorkommen im Eis entbrannt. Schon ist die Rede vom Kampf um die Arktis, von einem neuen Kalten Krieg. «Es geht um Macht», sagt Karl Hinz, Professor für Marine Geophysik, auf Welt Online. «Es geht in erster Linie darum: Das gehört jetzt uns, hier legen wir unsere Hand drauf».

Reizthemen Rohstoffe und Sicherheit

Tatsächlich klingen die Schlagzeilen beunruhigend. Im August probten kanadische Truppen in arktischen Gewässern zusammen mit dänischen und amerikanischen Einheiten drei Wochen den Ernstfall. Das Manöver Nanook sollte die kanadischen Ansprüche auf die Arktis untermauern. Entsprechend skeptisch beäugte Moskau die Aktion. Russland kündigte sogleich auf einer Arktiskonferenz Ende September an, die Grenztruppen in der Polarregion verstärken zu wollen. Die Staatsgrenze – früher gesichert durch das Eis – sei nun über tausende Kilometer unbewacht.

Rohstoffe und Sicherheitsbedürfnisse, das sind die Reizthemen im Ewigen Eis. «Die meisten Staaten sind davon getrieben, neue Rohstoffquellen zu erschließen», sagt Christoph Humrich von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung im Gespräch mit news.de. Bei Arktisanrainern wie Norwegen und Alaska würden sich zum Beispiel die bisherigen Förderquellen langsam dem Maximum nähern oder es bereits überschritten haben.

Zudem sei das Eis eine sicherheitsrelevante Frage, weil damit eine natürliche Barriere wegschmelze. «Bei Russland ist das Sicherheitsbedürfnis nicht immer eindeutig zu trennen von Großmachtambitionen», sagt Arktisexperte Humrich. So sorgte das Land 2007 für Aufregung, als es eine russische Flagge auf dem Meeresgrund pflanzte. Laut Humrich spielt bei den Russen eine militärische Komponente mit, weswegen «die Kanadier und Norweger ein bisschen nervös sind.» Droht also tatsächlich ein Kampf um die Arktis?

Kooperation bringt mehr als Konflikt

Zwar gibt es in dem Polargebiet widerstreitende Interessen. Aber Konfliktforscher Humrich ist sich sicher: «Es gibt keine bedrohlichen Konflikte in der Arktis, denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese militärisch eskalieren.» Um die Rohstoffe optimal ausbeuten zu können, brauche man geregelte Verhältnisse. Darum hätten die Staaten Interesse daran, sich über das Gebiet zu einigen oder es gemeinsam zu verwalten. Erst Ende August schlossen der amerikanische Energiekonzern Exxon und der russische Ölriese Rosneft beispielsweise ein milliardenschweres Abkommen zur Erschließung von Öl- und Erdgasvorkommen in der Arktis.

Darüber hinaus ist die Polarregion kein ungeregeltes Niemandsland. Nach internationalem Recht dürfen die Anrainerstaaten bereits jetzt innerhalb der 200-Meilen-Zone vor ihren Küsten wirtschaftlich tätig werden. Diesen Streifen können sie ausweiten, wenn sie die Existenz eines darüber hinausgehenden Festlandsockels beweisen. Hier konkurrieren die Länder zwar gegeneinander – jedoch ganz brav durch formale Anträge bei der zuständigen UN-Kommission für Kontinentalschelfgrenzen (CLCS).

Diese gibt Empfehlungen für Grenzziehungen ab. Die bedeuten jedoch nicht, dass das Gebiet in den Besitz des Staates übergeht. Er bekommt nur Nutzungsrechte für die Bodenressourcen. Schifffahrt oder Fischfang beispielsweise dürfen nicht eingeschränkt werden. Russland war 2001 das erste Land, das einen Antrag eingereicht hat. Kanada und Dänemark wollen 2013 und 2014 nachziehen.

Bis die Kommission eine Entscheidung fällt, können allerdings Jahre ins Land ziehen. «Sie ist hoffnungslos überlastet», sagt Arktisexperte Humrich. Viel Zeit also für die betroffenen Staaten weiter ihre Muskeln spielen zu lassen.

Quelle:
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Grenzkonflikte – Das Gerangel um die Arktis  

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Tags: Arktis, Karl Hinz, Marine Geophysik, Nanook

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