Das ESELSKIND-Blog wird 1 Jahr alt - Was hat mich am meisten berührt?

Das ESELSKIND-Blog wird 1 Jahr alt - Was hat mich am meisten berührt?
Ihr Lieben,
heute am 15.August 2011 ist das ESELSKIND-Blog 1 Jahr alt geworden.
Und aus diesem Anlass habe ich mir heute in meinem Lieblingscafé in Bremen, dem Café Knigge zwei herrliche Stücke Torte gegönnt!

Angemeldet habe ich den Blog schon im Mai 2010, aber bis ich mich da hineingefunden hatte, wie so ein Blog funktioniert, ist es August 2010 geworden.
Seit dem 15. August 2010 erzähle ich nun hier Geschichten und hoffe, dadurch Menschen Mut zu machen, Menschen Hoffnung zu schenken, Menschen zur Freude, zur Liebe, zur Selbstachtung anzustiften.
Dabei sehe ich mich als Brunnen - nichts stammt von mir selbst, ich gebe nur weiter, was ich empfangen habe.
Das ESELSKIND-Blog wird 1 Jahr alt - Was hat mich am meisten berührt?
Was hat mich am meisten in diesem einen Jahr berührt?

Das waren drei Dinge:
Zum einen Eure liebevollen, nachdenklichen, offenen, ehrlichen Kommentare zu meinen Geschichten.

Zum anderen die vielen E-Mails und Nachrichten, die ich von Euch bekommen habe, die mich in meinem Tun und Erzählen bestärkten.
Denn wenn man regelmäßig Geschichten erzählt, wird man auch manchmal müde und dann ist es wunderschön, wenn man wie ich so viele mutmachende E-Mails und Nachrichten bekommt, die mich zum Weitermachen motivierten.

Dafür sei Euch allen von ganzem Herzen
und ganzer Seele gedankt!

Wenn Ihr mich nun fragt, welche der vielen Geschichten, die ich erzählt habe, und welches der Ereignisse, über die ich auf dem ESELSKIND-Blog berichtet habe, mich am meisten berührt hat, dann war es der offene Brief der Eltern des missbrauchten und ermordeten Mircos.
Diese Kraft der Versöhnung brauchen wir in dieser Welt, wenn wir wirklich etwas verändern wollen.
Deshalb möchte ich meinen Eintrag auf dem Blog vom 6. Februar 2011 hier noch einmal wiederholen:
Das ESELSKIND-Blog wird 1 Jahr alt - Was hat mich am meisten berührt?
Der ermordete Mirco:
Der Brief der Eltern –
Ein berührendes Dokument

Grefrath (RPO) Am Donnerstagabend fand die Trauerfeier für den getöteten Mirco aus Grefrath statt. Die Eltern des Jungen, der nur zehn Jahre alt wurde, verabschiedeten sich in einem Brief von ihrem Sohn, den Präses Siewert vorlas.

Der Brief der Eltern von Mirco im Wortlaut:

„Liebe Grefrather Bürger, liebe Klasse 6 a der Gemeinschaftshauptschule Grefrath, liebe Mitarbeiter der Soko Mirco,

Unser Mirco!Freundlich, lebenslustig, immer ein Lächeln auf den Lippen, freiheitsliebend, eigensinnig, Rhythmus im Blut, es blieb kein Besteck still liegen, sondern wurde zum Schlagzeug umfunktioniert.
Kleiner Schelm und guter Versteckkünstler, Klettern fand er super. Er war unser Clown und unsere Sportskanone. Egal, welchen Sport, ob Fußball, Reiten, Eisschnelllauf, er war einfach Top.
Mit seinem Fahrrad und Freunden Touren unternehmen, war sein Ding. Am liebsten wurde die Freizeit auf verschiedenen Bauernhöfen verbracht. Er war gerne an der frischen Luft und wenn er groß ist, wollte er Bauer werden.
So manch einen hat er auch auf die Palme bringen können mit seinem stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Mirco war etwas Besonderes, manchmal haben wir ihn selbst nicht verstanden.
In der Schule haben wir manche Höhen und Tiefen durchlebt, manche Lehrerin kann ein Lied davon singen. Trotz allem, wir haben ihn total lieb und ganz, ganz viele von Euch und Ihnen haben Ihre eigene Geschichte mit Mirco geschrieben.
Das Verschwinden von Mirco vor fünf Monaten hat uns alle erschrocken, viele Fragen, Gedanken und Gerüchte kamen auf. Grefrath war nicht mehr das Grefrath, das wir aus Kindertagen kannten. Angst machte sich breit, die Kinder wurden nur noch in Begleitung zur Schule und ihren Freizeitaktivitäten gebracht.
Viele wussten nicht, wie sie sich verhalten sollen – wir ja auch nicht. Unsere Kinder wollten so schnell wie möglich wieder ein normales Leben und einen geregelten Alltag. Der Bruder fehlt, es ist so still im Haus, Tränen fließen und es soll endlich ein Ende her.
Suchtrupps der „Soko-Mirco“ rollten durch unseren Ort, Helikopter kreisten über Grefrath, eine intensive Suche begann – für uns Hoffnung, für manch anderen von Euch / Ihnen ein beklemmendes Gefühl. 
Dann die vielen Fernsehsender, die immer wieder dranblieben, um jedes Detail von der „Soko Mirco“ zu berichten.
Es war eine angespannte, bedrückende Zeit. Wir als Familie haben uns aber vom ersten Tag an nicht alleingelassen gefühlt, da wir ganz genau wussten:Alles, was Gott tut, ist vollkommen und was der Herr sagt, ist unzweifelhaft wahr. Wer in Gefahr ist und zu ihm flieht, findet bei ihm immer sicheren Schutz. 2. Samuel 22, 31Dieser Bibelvers hat uns vom 1. Tag des Verschwindens von Mirco begleitet. 
Wir als Familie haben in der Zeit Trost gefunden durch gemeinsames Gebet, Lobpreis und Bibellese. Außerdem sind wir dankbar für die großartige Unterstützung von überall, sei es aus Grefrath oder sogar Gebete und Grüße aus Deutschland und aller Welt.

Es sind manche neue Kontakte entstanden, gemeinsame Gedenk- und Hoffnungsgottesdienste haben stattgefunden. Manch einer hat sein Leben neu durchdacht.
Mirco war immer einer, der nicht gerne fotografiert werden wollte und jetzt... Sein Fahndungsbild ging durch Deutschland und in die ganze Welt.
Viele haben ihn in ihr Herz geschlossen, mit uns gefühlt.

Jetzt, der 26. Januar 2011 wurde ein ganz harter Tag für uns. Ein Verdächtiger ist festgenommen und Mirco gefunden. Entsetzlich und grausam, unser Sonnenschein Mirco kommt nicht wieder.
Er hat sein Leben gelassen für einen erwachsenen Menschen, der seinem beruflichen Stress und Druck Luft machen wollte.
Wir als Familie glauben, dass für diesen Druck und Stress und alle unsere Sorgen und Sünden schon vor vielen Jahren ein anderer junger Mann gestorben ist. Er heißt: Jesus!
Er hat die Last der Welt, eines jeden Einzelnen von uns auf sich genommen. Und da Mirco, so wie wir an diesen Jesus geglaubt hat, ihn liebgewonnen hat als Freund und Vater, dürfen wir uns freuen, Mirco im Himmel wiederzusehen.“
Quelle: RP-Online 03.02.2011
Ihr Lieben,
dieser Brief hat mich tief berührt und tief erschüttert.   
Bei allem Schrecklichen, was diese Eltern gerade durchgemacht haben, ist ihr Handeln nicht von Hass und Wut geprägt, sondern von Liebe zu ihrem ermordeten Kind und von ihrem tiefen Glauben.

Nachdem in der Presse immer nur Ausschnitte aus diesem Brief zu lesen waren, fand ich es wichtig, hier auf dem Blog einmal den ganzen Brief zu veröffentlichen, damit sich jeder von Euch ein eigenes Bild machen kann.

In einem Interview in einer Zeitung hat die Mutter des Mirco noch eine weiteren, bemerkenswerten Satz gesagt: „Der Verbrecher wusste nicht wohin mit seiner Last“.
Ihr Lieben, dieser Satz hat mich durchfahren wie ein Blitzschlag und ich habe mir heute Morgen noch einmal klar gemacht, wie wichtig es ist, dass wir zwei Wege beschreiten:
Zum einen, dass wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen, gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zu kämpfen
und
zum anderen, dass wir uns weiter dafür einsetzen, dass diese Welt heller, wärmer und menschlicher wird, damit es bei Tätern wie Mircos Mörder gar nicht erst zu solch schrecklichen Taten kommt.

Das ist die Botschaft von Mircos Mutter und die sollten wir hineintragen in unsere Welt, dann ist Mirco wenigstens nicht umsonst gestorben!!!!

Euer sehr trauriger Werner

Beschließen möchte ich diesen Geburtstagseintrag mit meinem Lieblingslied, mit Gabriellas Song, und ich umarme alle in Gedanken, denen das angenehm ist, und grüße Euch ganz herzlich aus Bremen

Euer Werner vom Weserstrand





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