Das erste Date… der Anderen

Von Carrie W. @CarrieWi

Erste Dates sind ja immer wahnsinnig spannend. Wir treffen uns mit einem Menschen, den wir irgendwie gut finden, und haben auch auf die ein oder andere Art und Weise ein paar Hintergedanken dabei. Klar, sonst wäre es ja nur so ein Treffen, und kein Date. Wir sind nervös (also ich), und wissen weder was wir anziehen, noch was wir eigentlich sagen sollen. Sind wir wir selbst, oder lieber doch erst mal eine abgeschwächte Version? Haare auf oder zu? Lippenstift? Kleid oder Hose? Was während des Dates passieren wird, steht in den Sternen. Ob es nun schön und prickeln wird, oder langweilig und unangenehm, bleibt offen, bis es so weit ist. Selber Dates zu haben ist ja super, allerdings hat es den Nachteil, dass man auch immer live dabei ist, wenn es mal nicht so spannend ist. Viel toller ist es manchmal, andere Menschen bei ihrem ersten Date zu beobachten.

Wie die Motte zum Licht…

…so scheinen sich “erste-Dates-Haber” zu mir zu verhalten. Es ist mir schon so oft passiert, dass ich irgendwo sitze und beim verstohlenen Blick an den Nachbartisch feststelle, dass sie zwei, die da sitzen, sich noch nicht so wahnsinnig gut kennen. Dann hole ich mein Buch raus, blättere alle drei bis fünf Minuten um, um den Schein der versunkenen Leserin zu wahren, und lausche gespannt den Gesprächen der Nachbarn. Ja ich weiß, die feine englische Art ist es nicht, aber habt ihr eine Ahnung, wie spannend das ist? So forschungstechnisch? Es ist überaus spannend kann ich euch sagen. Mittlerweile schaffe ich es sogar, mich beim Zuhören vollkommen zu tarnen und schweife nicht mehr nebenher von meinem Buch ab und beginne die Menschen am Nachbartisch fassungslos anzuglotzen. Das mache ich nicht mehr, ich bin jetzt Profi. Warum setzen die sich aber auch immer genau neben mich? Die Steigerung dieser Situation ist jedoch noch, wenn ich nicht alleine da sitze, sondern eines meiner Hühner dabei habe. Leider klappt die unauffällige Beobachtung da dann meist nicht mehr so wunderbar.

Das Paar in der Bar

Di und ich sitzen in einer Bar und essen Steak-Sandwiches. Wir trinken Sekt und ratschen, als uns auf einmal auffällt, dass das Pärchen am Nachbartisch noch gar kein Pärchen ist. Unauffällig wie es unauffälliger nicht sein könnte, forme ich wortlos mit meinem Mund das Wort “Date” und strecke einen Finger hoch. Di weiß sofort was ich meine und grinst breit. Da Frauen hingegen jeder Behauptung ganz und gar nicht multitaskingfähig sind, unterbrechen wir unser Gespräch und lauschen angestrengt. Unauffällig, versteht sich. Die Frau erzählt und erzählt und erzählt…und erzählt. Von allem. Ihren Hobbies, ihren Großeltern, ihrem Hamster Freddy, der letztes Jahr an einer Lungenentzündung gestorben ist. Di und ich sehen uns an und schütteln die Köpfe. So wird das nix. Der Mann sitzt brav schweigend da und sagt… nichts. Mit großen Gesten, die vermuten lassen, dass die Frau wohl bald über den Tisch fallen würde wenn sie so weiter macht, erzählt sie immer mehr und immer mehr. Immer wieder tatscht sie den Mann an. Ich kann mir ein kleines Kichern nicht verkneifen. Um unsere Tarnung nicht auffallen zu lassen unterhalten wir uns über lapidares, wie das Wetter und die neueste Staffel Germanys Next Topmodel. Irgendwann geht die Frau aufs Klo. Als sie wiederkommt bittet ihr Begleiter sie um ihr Handy. Hossa, denken wir, da scheint aber einer Geschichtenerzählerinnen zu mögen. Pustekuchen. Das Handy benötigt er, um ihr aufzuschreiben, dass die zwei Weiber am Nebentisch sich brennend für ihre Unterhaltungen zu interessieren scheinen. “WER?!” fragt sie laut und er deutet mit einer (nicht unauffälligen) Kopfbewegung zu unserem Tisch. Mist. Natürlich sind wir professionelle Detektive, ignorieren, dass unsere Tarnung aufgeflogen ist, und unterhalten uns sofort über etwas anderes. Die beiden gehen. Wahrscheinloch wird trotzdem nichts aus ihnen.

Die Sushi-Jungfrau

Mit einer Freundin sitze ich eines Abends im Sushi Restaurant unseres Vertrauens. Die Tische stehen hier eng an eng, so dass man quasi gar nicht anders kann, als mitzuhören, über was sich die Tischnachbarn so unterhalten. Hier also lauschen ohne Vorsatz! Neben uns nehmen Platz: Eddi und Lotte. Ich nenne sie so, weil sie aussehen wie Eddi und Lotte. Herkunft: Schwaben (ganz weit drin). Die beiden Wohlbeleibten kennen sich wohl auch noch nicht so lange. Beim Sushi essen war von den beiden bisher nur sie. Ihr Begleiter tut mit lauter Stimme kund (so dass man ihn auch nicht überhören kann), dass er ja noch nie gehört hätte, dass Japaner Bier machen. Oder sind das Schinesen? Nachdem er eine Stunde lang die Karte gründlich studiert hat, entschließt sich der Herr, die Bestellung für sich und sein Täubchen zu übernehmen. Einmal Sushi-Turm für 4 Personen bitte. Meine Freundin und ich sitzen da, sagen nichts und schämen uns fremd. Hier ist es der Mann, der redet und redet und redet. Sehr laut und bäurisch angehaucht. Themenwahl: Seine Scheidung, sein zerrüttetes Verhältnis zu seinem Sohn Schorschi und wie super es ist, mietfrei bei Mutti zu wohnen. Als der Sushi Turm ankommt bestellt der Herr zunächst einmal eine Gabel, weil… Entschuldigung… wer soll den bitten mit diesen Stöcken essen können? Der Frau sehe ich an, dass sie gerne unserem Fremdschämclub beitreten würde. Sie versucht krampfhaft, ihn und seine lauten Äußerungen über jeden seiner Essensschritte zu bremsen. Ohne Erfolg. Dann sagt der Mann etwas, das weder seine Begleitung, noch meine Freundin zu hören scheint. “Das riecht ja volle Kanone nach Fisch ey” raunzt er “mach mal deinen Hosenstall zu!”. Der Spruch wird gefolgt von einem beglückwünschenden Lacher seinerseits. Mein Mund steht offen. Hat er….? HAT ER? Sollte seine Begleiterin diesen Spruch gehört haben, ist sie wohl recht hart im Nehmen. Ich bin froh als wir zahlen und gehen. Das war zu viel.

Bei meinen eigenen Dates bin ich viel zu beschäftigt damit, bei meinem eigenen Date zu sein. Mit reflektieren ist da nix. Wenn allerdings die ersten Dates der Anderen so direkt neben mir stattfinden, finde ich das hervorragend. Hier wird mir deutlich vor Augen geführt, was geht und was so gar nicht. Ich hasse es selbst, wenn ich das Gefühl habe, die Menschen am Nachbartisch würden sich mehr für mein als für ihr eigenes Gespräch interessieren. Der Trick lautet also: Unauffällig lauschen! Das will geübt sein, denn unauffällig ist es auch nicht, wenn man zwar mit der Nase im Buch steckt, dieses aber falsch herum hält und einem zusätzlich der Mund offen steht.

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