Das Ende im Ostrock

Es gab sie schon immer, die brutalen Schläger, marodierenden Messerstecher, die Autodiebe und Komatrinker. Doch erst der von PPQ-Lesern nach Monaten wirklich sträflicher DDR-Musikstille hier im Zentralboard für fortgesetzte Nischenkultur lautstark geäußerte Wunsch nach mehr oder überhaupt wieder Beschäftigung mit dem Ostrock als Wurzel und Quell östlicher Identität hat das Thema der Prognosesicherheit von DDR-Lyrikdichtern in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit zurückgerückt.
Das Ergebnis einer Ad-hoc-Analyse ist erstaunlich: Die schlimme Kindheit hatten alle, eingesperrt zwischen Stacheldraht und Mauerbeton, den Sonett-Kassettenrekorder ebenso, dazu das Rema-Andante und die Rockhaus-Platte mit dem nach einer verbotenen liberalen Partei klingenden Titel "I.L.D.". Darauf die mürbe Miniatur aus dem Leben der oberen Zehntausend, der Sohn ein gefallener Engel, die Eltern verzweifelte Besserverdienende. Zwei Welten, die sich bis heute erhalten haben, eine Generationskonflikt, der nur oberflächlich betrachtet einer kultureller Natur ist.
Mike Kilian, der Mann rechts im Video (oben), der auch den Text geschrieben hat, verzichtete in weiser Voraussicht schon vor 23 Jahren auf eine zeitliche Zuschreibung der Geschehnisse. Wir wissen nur: Der namenlose Junge, der heute Mehmet heißen würde, fängt mit zwölf an, ins Milieu abzurutschen. Vielleicht wurde er Hooligan, bestimmt aber verachtet er seine ihn inniglich liebenden Eltern. Nimmt er Drogen? Hört er laute Musik? Bewirbt er sich bei Big Brother.
Der Abstieg ist programmiert, das Ende absehbar. Ein Jahr Knast, offenbar ohne Bewährung, das ist hart, aber verständlich, denn zurückgerechnet aus der Strafmündigkeit muss es sich hier um eine Art Mehmet handeln. Wenigstens sind die Eltern damals noch zum Prozess gekommen, das wäre heute nicht in allen Familien so.
Soweit man hört, hat es geholfen. Der Junge aus dem Lied ist inzwischen 41, er hatte nie wieder mit der Polizei zu tun, hat aber auch keine Frau gefunden, abgesehen von einer Ehe, die er 1996 in Hildesheim schloß, die aber vier Jahre später wieder geschieden wurde.
Mit 12 hab ich im Stadtpark
Bänke angesägt,
ich hab Autos aufgebrochen
und mich mit Bullen angelegt.
Meine Alten buckelten für die Kohle
damit ich's mal besser hab.
Sie gaben mir alles,
nur eins haben sie verpasst.
Mich zu lieben,
mir Wärme zu geben,
mich zu lieben,
einfach mal mit mir reden.
{Oh yeh, ouha...}
Jetzt sitz ich für ein Jahr
mit meinem Arsch im Knast.
wollte allein die Kurve kriegen
doch hab sie immer verpasst.
Meine Alten bangen um ihren hohen Job,
was für ein Skandal.
Wir gaben ihm alles, haben sie dem Richter erzählt.
Nur eins haben sie vergessen
Mich zu lieben,
mir Wärme zu geben,
mich zu lieben,
einfach mal mit mir reden.
Mich zu nehmen, wie ich bin.
{Ohu yehe...}


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