Dark Queen - Kimberly Derting

Rezi: Dark Queen

AutorIn: Kimberly Derting
Titel: Dark Queen - Schwarze Seele, schneeweißes Herz
Band: Erster Teil einer Trilogie
Verlag: Egmont INK
Genre: Fantasy, Dystopie
ISBN: 978-3-86396-017-9
Erscheinungsjahr: März 2012
Seitenanzahl: 363Altersempehlung: ab 14 Jahren
Kaufpreis: 17,99€
Krümelanzahl: 3
Erster Satz:
Sobald das Mädchen das Zimmer betrat, begann die Luft zu knistern wie vor einem drohenden Gewitter.
Inhalt:
Ludania wird seit ewigen Zeiten von Revolutionen gepeinigt, die über die Jahrhunderte hinweg bewirkten, dass jede Klasse eine eigene Sprache spricht und andere Dialekte nicht mehr verstehen kann. Nun ist eine alte Königin an der Macht, die ein brutales Regime führt. Sie kann ihr Amt nur an eine weibliche Nachfolgerin abgeben,  doch es scheint keinen außer ihren Enkelsohn zu geben, durch dessen Adern königliches Blut fließt. Währenddessen schlägt sich Charlaina mit ganz anderen Problemen herum. Sie gehört der Händlerklasse an .. und hütet ein gefährliches Geheimnis. Sie hat die besondere Gabe ausnahmslos jede Sprache zu verstehen, die der Untertanen, so wie die Ratsangehörigen. Oft schon hat sie das in Schwierigkeiten gebracht. Denn eigentlich ist jeder in Ludania dazu verpflichtet, den jeweils höheren Klassen Respekt zu zeigen, indem man bei Unterhaltungen in der fremden Sprache die Augen niederschlägt. Kein Wunder, dass das Charly schwer fällt. Und doch trifft sie auf einen attraktiven jungen Mann, der eine Sprache benutzt, die sie zwar versteht, ihr bislang aber noch nie zu Ohren gekommen ist. Wer ist dieser Mann? Und wieso scheint er sie zu verfolgen?
Meine Meinung:
Hier haben wir meiner Meinung nach mal wieder ein sehr schick daher kommendes Buch. Der Schutzumschlag ist schlicht matt gestaltet. Es zeigt das Gesicht einer jungen Frau, die von der Dunkelheit regelrecht verschluckt wird. Die Fotoaufnahme wird zusätzlich von den Schriftzügen 'queen' überlagert. In ihrer Danksagung erwähnt Kimberly Derting, dass sie ihre Ausgangsidee von einer Erzählung über einen Fluchtversuch zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges entnommen hat. Vielleicht können daher meine Augen eine eindeutig zweideutige Farbkombination auf dem Cover ausmachen - vielleicht ist das aber auch ein Hirngespinnst meinerseits. Überrascht stellte ich fest, dass die Schrift hier sehr groß gedruckt wurde und somit der Umfang der doch beachtlichen etwa 350 Seiten dadurch sicher geschmälert wird. So kam ich besonders anfänlich schnell voran. Das lag jedoch auch am düsteren Prolog, der gleich eine unheimliche Grundstimmung erzeugt. Der Auftakt passt auch hervorragend zum magischen Setting, das das Land Ludania zu bieten hat. Insgesamt tritt besonders durch die mystischen Fähigkeiten der bösen Königin ein sehr märchenhafter Effekt auf. Doch neben diesen Fantasyelementen wird das Buch klar als Dystopie deklariert. Davon lassen sich bereits auf den ersten Blick eindeutige Fragmente bezüglich des totalitären Regimes entdecken. Leider bediente sich Derting hier nur der bereits bekannten Mittel und brachte keine neuen Ideen mit ein. Auch den Aufbau und die Funktionalität des politischen Systems versucht sie zwar annähernd zu erklären, schafft es aber wie ich finde nicht zufriedenstellend. Mir blieben am Ende zu viele Fragen offen, von denen ich mir wünschen würde, dass vielleicht im zweiten Teil näher darauf eingegangen wird. Wieso dürfen nur Mädchen die königliche Nachfolge antreten? Weshalb war es für das Königshaus so wichtig, die Bevölkerung durch verschiedene Sprachzugehörigkeiten zu trennen? -

Hierbei möchte ich jedoch erwähnen, dass ich diesen frischen Einfall, eine sprachliche Trennung der Klassen in den Vordergrund zu stellen, wirklich interessant und gelungen finde. Leider bekommt man keinen Einblick in die Sprache, so wie bei "Herr der Ringe", wo eigens eine Sprache für den Roman erfunden worden ist, oder einzelne Bruchstücke und Worte wie be "Eragon". Das wäre sicher noch ein spannender Aspekt gewesen. Auf der anderen Seite können zu viele fremdklingende Worte bei der Lektüre auch zu verwirrend werden und den Lesefluss hemmen. Der lässt ohnehin schon im ersten Teil des Buches nach. Fast genau in der Mitte sehe ich einen großen Einschnitt. Hier geht die Geschichte nicht nur in Teil II über, sondern nimmt auch ungeheuer an Fahrt auf. Während sich Charlaine bislang mit Alltagsproblemen beschäftigt hatte und dem ein oder anderen wichtigen Charakter begegnet ist, so scheint nun mit den schellenden Sirenen und alarmierten Wachposten auf den überfüllten Straßen das totale Chaos ausgebrochen worden zu sein. Endlich bekommt man ein wenig Schnelligkeit und Spannung in die Geschichte. Plötzlich muss auf jedes kleine Detail geachtet werden und es löst sich auch noch das große Geheimnis um die Identität des so gutaussehenden jungen Mannes! Ich muss sagen, ich war wirklich überrascht!
Hier hat Derting eine Glanzlandung hingelegt, indem sie den größtmöglichen Überraschungseffekt für sich verbuchen konnte.

Häufig habe Wendungen hervorsehen können und ahnte, was nun kommen würde. Das liegt aber an den vielen anderen Geschichten und Handlungssträngen, die ich bereits gelesen und verinnerlicht habe, und nicht an Fehlern von Kimberly Derting. Ich glaube, dass für Teenies zwischen dreizehn und 16 durchaus viele Überraschungen in dem Buch lauern. Bedauerlicherweise gab es hingegen auch Szenen, bei denen ich mir nur an den Kopf fassen konnte. Bei dem folgenden Beispiel war es wirklich wichtig für die Charaktere und den weiteren Verlauf, dass ein sogenanntes Schlüssel-Objekt vorhanden ist. Bei weniger gut durchdachten Geschichten, bekommt man beim Lesen oft das Gefühl, dass hier ganz zufällig genau der Schlüssel mitten auf der Straße lag, dem man zum Öffnen der wichtigsten Schatztruhe schlecht hin braucht. Genau so einen Schlüssel bietet uns auch Derting auf Seite 185:
>> Glücklicherweise hatte Max eine Taschenlampe dabei. <<

In solchem Momenten verdrehe ich gerne mal die Augen - inzwischen ohne dass ich es überhaupt noch besonders wahrnehme, das passiert so beiläufig. Wusste Max, dass sie diesen dunklen Pfad bestreiten würden und hatte vorsichtshalber eine dabei? Oder war er in seiner frühen Kindheit mal Mitglied einer Pfadfinder-Gruppe und trug seitdem stets eine Taschenlampe bei sich? Vielleicht hatte er ja auch hellseherische Fähigkeiten? Oder - ganz verrückt - hatte Max sie spontan mitten auf der Straße gefunden? Die Handlung wirkt an solchen Stellen schnell zu sehr gekünstelt und unwirklich. Damit verliert der Autor seine Glaubwürdigkeit, die er sich beim Leser erst mühsam wieder aufbauen muss. ... Zum Glück begegnen einem solche Szenerien hier nicht am laufenden Band. Noch eine Kleinigkeit möchte ich gerne äußern. Und zwar fiel mir unangenehm auf, dass die Schriftstellerin oder die Übersetzerin noch nicht viel Übung mit Synonymen aller Art hat. Besonders wenn bei deutlicheren Beschreibungen eines Gegenstandes oder eines Geschehens wurden in kurzen Abständen immer wieder die gleichen Begriffe benutzt. Das erzeugt kein eindrückliches, geschweige denn interessantes Bild, wenn man drei Mal lesen darf, dass es sich nun um ein 'schäbiges' Stofftier handelt, nur um zu verdeutlichen, dass die Besitzer wohl nicht so wohlhabend sind.Das war es aber auch schon mit den Ungereimtheiten denn zum Ende hin schafft der Roman es wiederum mich zu überzeugen, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, dieses Buch zu lesen. Dies ist sicher keine Juwel unter den dystopisch, phantastischen Jugendromanen, aber sicher den einen oder anderen Blick wert. Ich werde an der Reihe dran bleiben und mir auch den zweiten Teil zulegen.

Mein Fazit:
Meine sprachlichen Anforderungen kann der Roman leider nicht erreichen, aber für jüngere Leser ist die Geschichte sicher schön einfach geschrieben. Daher vergebe ich sehr gerne und sehr gute ~ 3 Krümel ~
Vielen Dank an den Egmont INKfür die freundliche Bereitstellungdieses Rezensionsexemplars.
Jimmy


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