Dann doch lieber "Tatort": das ZDF am Muttertag


Am Sonntagabend teilt sich die bundesdeutsche Fernsehnation. Menschen, die das Böse ertragen, schauen ARD- „Tatort“, und die, welche an das Gute glauben, vergnügen sich beim ZDF- Herzkino. Dass das Herz ein Hohlmuskel ist, hätten die beim ZDF nicht so wörtlich nehmen müssen. Auch bei der Reihe „Liebe, Babys und…“  funktioniert die Sauerstoffversorgung im Gehirn nicht. „Liebe, Babys und gestohlenes Glück“ ist der Titel der neunten Folge der Serie um die „Klinik am See“, dort wo die Hebamme Antonia und ihr Mann, Dr. Thomas Hellmann segensreich wirken und neuem Leben zu seinem Recht verhelfen. Um die Sache ein wenig spannend zu machen, wird  das Neugeborene der reichen Eltern Memminger aus der Klinik entführt. Es treten auf: ein ziemlich goschrter Kommissar,  eine verdruckste Lehrerin, eine Rotzgöre aus Berlin, die den aus dem bayerischen Volkstheater entliehenen, deftigen Wirtsleuten Vroni und Karl viel Geduld abverlangt, und ein lästiger Reporter. Alle wirken wie Karikaturen, die Männer sind steif, die Frauen überanstrengt in der Veräusserlichung ihrer Gefühle. Mehr als ihre Hausaufgaben im Textaufsagen haben die Darsteller nicht erledigen können.  Da trösten auch die viel zu seltenen Ansichtskarten-Bilder vom Tegernsee nicht: Drehbuch und Regie, beides in Frauenhänden, versagen uns Plausibilität und Natürlichkeit, drücken aber umso hartnäckiger auf die Tränendrüse. Nein, das haben unsere Mütter an ihrem Ehrentag wirklich nicht verdient!

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