Dämmer Marathon Mannheim

Auf Grund der Tatsache, dass ich im Mai auf Grund des allgemein üblichen Gräserpollenfluges immer ein paar gesundheitliche Probleme habe, gab es in der Vergangenheit nie einen offiziellen Lauf. Dieses Jahr wollte ich es aber mal wissen. Und wenn´s sowieso schon nicht einfach ist, dann nehmen wir doch noch ein paar verschärfende Rahmenbedingungen hinzu.
Wie zum Beispiel das Laufen am Abend. Ich bin die letzten 5 Jahre habe ich bestimmt keine 10 Läufe am Abend absolviert. Dazu die ungeliebte Hitze!

Mal wieder was für den Kopf! ;-)

Ich hatte uns ja ein Hotelzimmer in Mannheim gebucht damit wir nicht noch mitten in der Nacht zurück nach Hause fahren mussten. Also fuhren wir am Samstag um die Mittagszeit nach Mannheim. Zu meiner Schande absolutes Neuland für mich. Obwohl es gerade mal eine Stunde von uns weg ist.

Gegen 14:00Uhr konnten wir im Mercure Hotel Mannheim am Rathaus einchecken. Sauberes, empfehlenswertes Hotel im Standzentrum.

Danach ging´s in die City. Startunterlagen abholen und danach noch ein bisschen Sightseeing und Shoppen. Zeit war bis zum Start um 18:30Uhr ja noch genügend.

Meine Startnummer

Meine Startnummer

Überhaupt hatte ich mit der späten Startzeit überhaupt keine Erfahrungen. Zwar bin ich schon mal einen MH um die Ecke gelaufen, aber eben nur einen Halben!
Wie verhält es sich mit dem Essen?
Was esse ich am besten?
Wann esse ich am besten?

Keine Ahnung. Ich habe auf jeden Fall morgens gefrühstückt und gegen 14:00Uhr noch mal ein kleines Müsli zu mir genommen. Würde sich zeigen wie es ankommt!

Die Temperaturen waren knackig. In der Stadt stand die Luft und die Menschen suchten den Schatten und das Wasser.

Noch ein bisschen entspannen

Noch ein bisschen entspannen

Hübsch hier

Hübsch hier

So ein paar Bedenken über die Auswahl des Marathons kamen mir schon. Aber es macht ja auch den Reiz aus was Neues auszuprobieren. Jedenfalls lud das Wetter eher dazu ein sich zu erfrischen, als einen Marathon zu laufen.
Am Rosengarten

Wasserturm
Wasserturm
Friedrichsplatz
Friedrichsplatz
Friedrichsplatz
Friedrichsplatz

Start/Ziel Friedrichsplatz
Start/Ziel Friedrichsplatz


Nach einem Bummel durch die Stadt ging´s zurück zum Hotel. Kurz relaxen und dann umziehen für meinen ersten Marathon in Mannheim! Was kommt in der Nacht?

Was kommt in der Nacht?

Bereit für ein neues Abenteuer!

Bereit für ein neues Abenteuer!

18:30 Start
Ein bisschen eng war´s schon in der Startaufstellung. Auch die angekündigte Security zum überprüfen ob jeder in seinem Startblock steht wurde nicht gesichtet. Dafür was das hineinkommen in den Startblock schon ein Abenteuer. Menschen über Menschen. (Ich liebe meine einsamen Läufe durch die Wälder)
Garmin gestartet und trotz des ganzen Tohuwabohu lag mein Puls bei entspannten 44% der Hfmax. Irgendwie kann ich mich vor einem Start prima entspannen. ;-)

Der Start selbst lief wie immer ab. Anlaufen, stehen bleiben. Anlaufen, stehen bleiben!
Doch schon nach ca. 3 Minuten war ich über die Startlinie und es lief flüssig. Und zwar genauso wie der Schweiß, der mir schon jetzt in Strömen über das Gesicht lief. Ich freute mich bereits jetzt auf die erste Verpflegungsstelle und hoffte auf ausreichend Getränke.

Ein bisschen chaotisch war die Startphase dahingehend, dass zu den ganzen Teamläufer/innen und Staffel-Läufern/innen auch noch die Halbmarathonläufer mit im Pulk waren. Entsprechend war es unheimlich unruhig. Ständiges überholen von hinten und kreuzen vor den Füßen. Dazu wieder eine Menge falsch eingeordneter langsamer Läufer.
Also das übliche Chaos!

Ich versuchte von Anfang an ein gleichmäßiges Tempo zu laufen. So um die 6:30min/km lief es sich ganz ordentlich. Und ein bisschen Vorsicht am Anfang war auf Grund der Verhältnisse angebracht. Ein Grundsatz den viele wieder mal nicht beherzigten. Aber ich war mir sicher, dass ich sehr, sehr viele spätestens ab Kilometer 30 wieder zu Gesicht bekommen würde!

Das ist ja auch das faszinierende am Marathon. Man muss nicht gleich alles am Anfang erledigen. ;-)
Mein Puls hatte sich schon nach wenigen Metern auf einen Wert zwischen 85 – 90% der Hfmax eingependelt. Die äußeren Bedingungen sind wohl absolut nichts für mich. Entsprechend vorsichtig und gleichmäßig spulte ich meine Kilometer herunter. Nur nicht überziehen!

Zweiter wichtiger Punkt war die regelmäßige und ausreichend Zufuhr von Getränken. Hier nochmals ein ganz dickes Lob an den Veranstalter. Perfekt!
Es gab ab Kilometer 5 alle 2,5 Kilometer eine Stadion mit Getränken, alle 5 Kilometer kam noch Verpflegung hinzu. In dieser Form war das vorbildlich!

Die Stimmung am Streckenrand und im Feld war prima. Die Strecke war angenehm flach und gut zu laufen. Die wenigen Engstellen wurden flüssig gemeistert.
Die Strecke führte durch die Oststadt in die Stadtteile Neuostheim und Seckenheim und in einer Schlaufe kurz vor Friedrichsfeld wieder zurück. Mein Tempo bewegte sich sehr gleichmäßig in einem Bereich zwischen 6:20 – 6:40min/Kilometer.
Lediglich meine innere Klimaanlage lief auf Hochtouren und verlangte nach jeder Art von Flüssigkeit. Aber da war ich nicht der einzige. Immer mehr Teilnehmer sah man gehend oder noch schlimmer, stehend.
Bei mir stand bereits bei Kilometer 10 fest.
Abgebrochen wird nicht. Stehen bleiben nur kurz im Bereich der Verpflegung.
Das Ding wird von Anfang bis Ende durchgelaufen. Wollen wir doch mal sehen wie der Körper auf solch eine außergewöhnliche Belastung reagiert.
Außerdem würde bei der Hälfte der Strecke die Sonne untergehen und ein wenig die Temperaturen nach unten drücken.
So gesehen, ging´s mir bis auf den hohen Puls eigentlich noch ganz gut.

Auf dem Rückweg zwischen Neckar und Luisenpark gab es die ersten Ausfälle im Feld. Krämpfe und Kreislaufbeschwerden häuften sich. Mich störte lediglich die tief stehende Sonne gegen die wir anlaufen mussten. Schön war die aufmunternde Stimmung an der Strecke. Man fühlte schon, dass die Zuschauer merkten das es heute besonders schwer war zu Laufen.
Und ein aufmunterndes Klatschen oder ein kurzer Zuruf zaubert meistens ein Lächeln auf das sonst verkrampfte Gesicht.

Kilometer 20 – 20:44 Uhr
Die Halbmarathonläufer verabschiedeten sich vom Feld. Es wurde wesentlich übersichtlicher und die Truppe machte sich auf den Weg durch die Innenstadt auf in Richtung Ludwigshafen.
Kurz vor der Halbmarathonmarke kam ich bei unserem Hotel vorbei und informierte meine Frau kurz über die aktuellen Umstände:
Es wurde ein bisschen kühler und entsprechend sank mein Puls um ein paar Schläge. Der Gesamtzustand war den Umständen entsprechend gut. Es war ausgesprochen hart, aber machbar. Aufgeben war zu keinem Zeitpunkt eine Option!

Dann kam die Kurt-Schumacher-Brücke!
Wow. Brücke ist gut. Was ich an Brücken kenne ist im Gegensatz zu dieser Brücke ein Steg. Zum Glück bin ich ja Steigungen einigermaßen gewohnt. Viele andere anscheinend nicht. Jeder Dritte war am Gehen. Und der Anstieg war lang.
Ich gehe mal davon aus, das an dieser Brücke der Hauptausstiegspunkt für viele Läufer war. Jedenfalls fing ab hier das erste Einsammeln von Läufern an, welche sehr optimistisch in diesen Lauf gegangen waren.

Mir persönlich ging es rein auf Grund der etwas fallenden Temperaturen ein bisschen besser. Jedoch tauchte nun ein Folgeproblem der hohen Flüssigkeitsaufnahme auf.
Magenprobleme!
Langsam fing es mit Seitenstechen an. Nach und nach zog das Seitenstechen in die Magengegend und verursachte Krämpfe. Das sind dann wieder diese Punkte an denen der Kopf die Leitung des Rennens übernimmt. Locker weiterlaufen und versuchen über die Atmung ein wenig Linderung zu bekommen.
Bei Kilometer 32 musste zum ersten Mal ein Dixie aufgesucht werden. Die Krämpfe waren einfach zu stark. Und ein paar Minuten „Entspannung“ würden vielleicht helfen.

Leider fehlte am besuchten Häuschen das Papier!
Entsprechend gab es nur die Möglichkeit bis zur nächsten Station durchzuhalten. Hart, schmerzhaft und weit weg von einem lockeren Laufstil!
Aber mit Hilfe der Zuschauer und eines eisernen Willens habe ich es tatsächlich unfallfrei bis zur nächsten Station geschafft.

Nun kam eine weitere Besonderheit eines „Dämmermarathons“ erschwerend hinzu. Wenn es Dunkel ist, ist es in einem Dixihäuschen an einem Park äußerst finster. Auch wenn jeder weiß wo an einem was ist, es war eine koordinatorische Meisterleistung das hinter sich zu bringen.

Aber hilfreich!
Bis auf ein bisschen Seitenstechen fühlte ich mich wesentlich besser. Und das Kilometerschild mit der 35 darauf zeigte mir das es langsam zum Ende zu ging.
Zwischen tollen Streckenabschnitten mit Superstimmung und Gänsehautfeeling kamen jetzt auch dunkle, einsame Abschnitte dazu, die der Psyche schon ganz schön zusetzen. Aber da kam mir nun mein gleichmäßiges und vor allem besonnenes Anfangstempo entgegen. Die Kraft war ausreichend vorhanden und durch das weiterhin gleichmäßige Tempo wurde ein Läufer nach dem anderen überholt. Unterstützt durch die Tatsache, dass viele wirklich nur noch am Gehen oder Stehen waren. Dem Einen oder Anderen habe ich versucht wieder auf die Beine zu helfen. Ich hoffe es hat wenigsten ein paar geholfen.

Bei Kilometer 38 kam wieder die geliebte Kurt-Schumacher-Brücke. Steil, lang und in der Dunkelheit nicht gerade ein freundlicher und abwechslungsreicher Streckenabschnitt.
Da half auch der DJ nicht, der einsam in der Mitte der Brücke für Stimmung sorgte. Er war gut, hatte für jeden der Läufer einen netten Spruch und Aufmunterung übrig, aber er war bis auf die Läufer an einem einsamen Ort. Ich überlegte ob es ihm vielleicht schlechter ging als manchem Läufer. Ein undankbarer Ort um für Stimmung zu Sorgen. Ein bisschen Mitleid hatte ich schon mit Ihm.
Er musste in der Dunkelheit zurückbleiben. Ich durfte Weiterlaufen!

Das Ende der Brücke genoss ich in zweifacher Hinsicht. Erstens überquerte ich Kilometer 40, und zweitens ging`s jetzt ein Stückchen bergab. Jetzt noch einen Schlenker durch die Stadt und mein bisher anstrengendster Marathon war auch Geschichte.

Die Zuschauer an den Straßen wurden wieder mehr und feuerten auch weiterhin die Läufer an. Das setzt noch mal richtig Kräfte frei.
So langsam konnte ich mich auf den Zieleinlauf vorbereiten und das Tempo noch mal ein bisschen anziehen. Vergessen die unerträgliche Hitze, die Magenkrämpfe und das Seitenstechen. Vielleicht war es ein bisschen früh den Endspurt anzuziehen. Aber das Anfeuern der Zuschauer und die Gewissheit dass es bald vorüber sein wird, entlockten dem Körper die letzten Reserven. Am Ende lief ich die letzten 1,5 Kilometer in einem Schnitt von 5:02min/km.

Die Zuschauer flogen nur so an mir vorbei.
Adrenalin pur!
Freude!
Erschöpfung!
Stolz!

Zieleinlauf

Zieleinlauf

Zwei Meter hinter der Ziellinie war Feierabend. Anschlag. Die Beine wackelten.
Ich sah meine Frau im Zielbereich und fühlte ich wohl. In den Arm genommen und alles was war ist vergessen. Zufriedenheit!
Innerhalb weniger Minuten war die Erschöpfung vorbei.

Es war mein mit Abstand bisher schwerster Marathon. Selbst der 50er im Rodgau war leicht dagegen. Schwül warmes Wetter und die ungewohnte Zeit sind nicht für mich gemacht. Entsprechend wird der Dämmermarathon in Mannheim ein einmaliges Erlebnis bleiben. Aber er hat wieder ein Stück zum Mosaiks beigetragen. Er hat gezeigt dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Das Demut und der Respekt vor jeder Strecke ein wichtiger Bestandteil ist um erfolgreich zu finishen.
Er hat gezeigt, dass der Wille Berge versetzt.
Der Lauf an sich war das Ziel. Alle auftretenden Schwierigkeiten kontern zu können war die Belohnung.

Danke Mannheim, dass ich diese Erfahrung machen durfte! :good:


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