Cro: Noch kein Denkmal

Cro: Noch kein DenkmalCro
„Melodie“
(Chimperator)
Keine Ahnung, ob der Junge schon, wie er nicht müde wird zu behaupten, in einer eigenen Liga spielt, ein paar Vergleiche wird er sich dennoch gefallen lassen müssen. Cro, der selbsternannte King of Ra(o)p, arbeitet also, wie das Cover vermuten lässt, seit einiger Zeit am eigenen Denkmal und hat nun sein zweites Album veröffentlicht. Und dieses ist, entgegen allen Weissagungen und vollmundigen Versprechen, weder Erscheinung noch Gral, sondern ein handelsüblicher Tonträger mit einem Dutzend mal mehr, mal weniger guter Lieder geworden. Erster Eindruck: Ein richtig Harter, Giftiger wird aus ihm in diesem Leben nicht mehr werden, wo andere die Cops zum Infight bitten, steigt er lieber für einen feuchten Traum mit einer von ihnen in die Kiste. Wirklich „bad“ ist bei ihm nur das Chick, da kann er noch so viel über Battles, Gangs und Homies reimen, die Rollen ‚böser Böser‘ (Bushido) und ‚guter Böser‘ (Casper) sind hierzulande schon besetzt, da wo letzterer Blut spuckt und die Wortkanone nachlädt, holt sich Cro die nächste Ladung Wasser für die Spritzpistole. Aber was nicht muss, das muss nicht. Er ist klug genug, das zu wissen und er singt davon.
Den Bezug zu Marteria stellt er dann selbst her, indem er sich dessen Hooks aus „Kids“ für sein „Jetzt“ klaut – so frech muss man erst mal sein. An diesen Vergleich mit dem Rostocker Ex-Hool läßt sich vielleicht der einzige Vorwurf hängen, den man dem Jungen aus der Nähe von Stuttgart machen kann. Denn es geht hier keineswegs um fehlende Credibility, nicht darum, wer am meisten oder besten dissen kann oder womöglich tausend Einheiten seines Album mehr absetzt – wo Marteria rausgeht, bleibt Cro einfach in der Stube hocken. Anders: Bei diesem Album dreht sich alles um ihn selbst, seine Vergangenheit, seine Träume, seine Befindlichkeit, also quasi seinen – ähh, Crosmos. Dass er den Blickwinkel nicht wenigstens ein Stück weit über den Tellerrand hinaushebt, macht die Sache am Ende ein bisschen langweilig, diese Selbstgenügsamkeit, diese Verteidigungspose erscheinen ein wenig dünne für eine ganze Platte.
So richtig gut und an dem Punkt, der vieles wieder aufwiegt, ist der Junge dann, wenn er seine Rhymes, die manchmal richtig witzig und warmherzig gelingen, zu lässig wippenden Tanznummern verbaut – also „Melodie“, „Traum“ oder auch „Hey Girl“, wenn er in der Rückschau bedauert, sich nicht mehr um seinen Vater gekümmert zu haben oder sich selbst zu einem Besuch bei der Oma ermahnt. Wenn er zu dem großen Kind steht, das er wohl noch ist („Never Cro Up“), wirkt er ebenso bei sich wie bei dem Versuch, eine verfahrene Beziehung wiederzubeleben („Vielleicht“). In diesen Momenten, in der gerapten Familiengeschichte („Erinnerung“) oder dem altklugen „2006“ steckt dann bei aller Ich-Bezogenheit mehr Ehrlichkeit und Authentizität als in dem ganzen Bang-Bang zwischendrin. Denn ob nun mit oder ohne Maske, der Junge hat mit vierundzwanzig schon mehr geschafft als mancher andere in diesem Business, diese Platte sollte ihm trotz mancher Schwachstelle das Überleben im Haifischteich für eine Weile sichern.
07.11.  Winterthur, Eulachhallen
08.11.  Mannheim, Maimarktclub
09.11.  Frankfurt, Festhalle
13.11.  Berlin, Max-Schmeling-Halle
14.11.  München, Olympiahalle
15.11.  Nürnberg, Arena
17.11.  Wien, Gasometer
18.11.  Dresden, Messe
19.11.  Bremen, Halle 7
21.11.  Hamburg, O2-World
22.11.  Dortmund, Westfalenhalle
26.11.  Hannover, Swiss Life Hall
27.11.  Köln, Lanxess Arena
06.12.  Stuttgart, Schleyerhalle

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