Corcontento a Corciano

Von Cangrande

Nein, das ist nicht die Toskana. Sondern ein Stück Land im Tal unterhalb der Altstadt des Örtchens Corciano in der Nähe von Perugia, also in Umbrien.
Diesen Ausblick hatten wir von der Straße vor dem Hotel El Patio (auch auf Facebook), in welchem wir für 4 Nächte untergebracht waren. Veranstaltet wurde die 5-tägige Busreise "Umbrien - Kultur, Küche & Weinkeller" (pdf-Prospekt) von der Fa. Komm mit Reisen an verschiedenen Terminen; wir waren vom Mittwoch, 11.10. bis Sonntag, 15.10.2017 dort.
"Sonnenkind", "Frohnatur" oder "zufriedenes Gemüt" bieten mir meine verschiedenen Wörterbücher als Übersetzung für "Corcontento" (wörtlich: zufriedenes Herz) an. (Wohingegen die Internet-Lexika "dict.cc" und "Leo" dieses Wort überhaupt nicht kennen.)
Und tatsächlich waren wir, was das Wetter anging, "Sonnenkinder" - wenn man vom Nebel absieht, der uns bei den beiden Tagesfahrten in der Ebene weitgehend die Sicht nahm. Aber jedenfalls war das Wetter durchgängig warm und trocken.
"Zufriedene Gemüter" waren wir, was Unterkunft und Service (des Hotels wie des Reiseveranstalters) angeht, ebenfalls.
Diesen Blick auf die Altstadt von Corciano hat man vom Platz vor unserem Hotel:

Nachfolgend ein herangezoomter Ausschnitt (in der Mitte der Stadtturm, rechts der Turm der Kirche Santa Maria Assunta, die wir später bei unserem Rundgang durch den Ort auch besichtigt haben):

Auf diesem noch stärker herangezoomten Bild ist außer dem Stadtturm links und dem Kirchturm rechts auch das "Antiquarium", also das vor-, frühgeschichtliche und Antikenmuseum, im Vordergrund gut sichtbar.

Was unseren Reiseverlauf angeht, mache ich jetzt einen chronologischen Sprung. Am Tag nach unserer Ankunft haben wir Perugia besichtigt und abends eine Weinprobe gemacht.
Corciano besichtigten wir am übernächsten Nachmittag (13.10.), nachdem wir vormittags eine Rundfahrt um den Lago Trasimeno (Trasimenischen See) gemacht hatten.
Eine große Überraschung war für uns das "Antiquarium" (der Text auf dieser offiziellen Touristik-Webseite der Region Umbrien lässt sich rechts oben auf Deutsch umstellen), das Altertümermuseum des Ortes. Unsere (lokale) Reiseleiterin hatte das heruntergespielt als eine eigentlich für Schulkinder gedachte didaktische Ausstellung und so hatte ich eine Art Heimatmuseum erwartet:

Doch bereits dieses Modell der Stadt, in der Eingangszone aufgestellt, war beeindruckend:


 
Und dann erst, im Untergeschoss (das Museum ist in Hanglage gebaut), die (hauptsächlich) etruskischen Urnen. Vor längerer Zeit hatte ich bereits einige Bildbände über die Etrusker angeschaut und durchgelesen, aber diese Vielfalt in den Reliefdarstellungen und diese Farbigkeit haben mich doch erstaunt:










"..... und neues Leben blüht aus den Ruinen". Nicht aus den etruskischen (die haben, außer Gräbern und hier und da ein paar Stadtmauerstücke und Tore, nicht einmal Ruinen hinterlassen); diese Sentenz kam mir in den Sinn, weil die Kinder sich unbefangen auf einem Gefallenendenkmal der Gemeinde vergnügen:

Ein doppelter Mauerring umgab einst die Stadt; dieser dicke Turm schützte einst die Porta Santa Maria:

Was genau es mit diesen Terrakotta-Relieftafeln auf sich hat (ob die in dem Gebäude produziert und verkauft werden, oder ob das lediglich eine Liebhaberei ist), konnte ich im Vorbeigehen nicht herausfinden. Aber irgendwie haben mir die Dinger gefallen:



Sauber wie ein holländisches Dorf war der Ort - oder wie ein schwäbischer.
Unsere lokale Reiseführerin für zwei der drei Ausflugstage war übrigens eine Stuttgarterin, Christine, die es "der Liebe wegen" in diese schöne Gegend verschlagen hatte, wo sie nun schon über 30 Jahre lebt. Trotzdem sprach sie noch perfekt und akzentfrei Deutsch. Das heißt: Ohne ITALIENISCHEN Akzent; ihren schwäbischen hatte sie behalten.


Die Altstadt von Corciano ist ein Auf und Ab enger Gassen .....

..... bei denen nur selten Platz für einen Platz bleibt. Wie das obige Denkmal, ist auch diese "Piazza dei caduti" den Gefallenen gewidmet.

Bevor wir zu unserem Abendvergnügen in die "Taverna del Duca" blieb noch Zeit, um an dieser Piazza einen (guten) café (also Espresso) zu trinken sowie (nicht wirklich überzeugendes) Eis zu essen.
Und ein wenig mit der Makro-Funktion meiner Reiseknipse zu spielen:


Richtig, in der Kirche Santa Maria Assunta waren wir ja auch gewesen. (Nähere Beschreibung ebenfalls auf der Webseite Umbriatourism) Dort hängt ein großes Altargemälde von Pietro Vannucci, bekannter unter seinem Künstlernamen Perugino. Das habe ich zwar auch fotografiert, doch sind diese Aufnahmen unscharf geworden.
Aber so etwas wie diesen "Gonfalone" (hier wohl mit "Prozessionsfahne" zu übersetzen), von Benedetto Bonfigli im 15. Jh. gemalt, sieht man bei uns in Deutschland wohl kaum (eine Schutzmantelmadonna natürlich schon; nur eben nicht auf eine jahrhundertealte Prozessionsfahne gemalt), drum hier ein Foto davon:


Die Reise war mit Halbpension, aber nur am ersten und am letzten Abend aßen wir (sehr gut) im Hotel. Am zweiten Abend speisten wir auf dem Weingut Pucciarella; an diesem dritten Abend hier in Corciano im Gewölbekeller der "Taverna del Duca" Anlage.
Das ist wohl kein dauerhaftes Restaurant, sondern wird anscheinend nur für Festlichkeiten und spezielle Anlässe (z. B. Reisegruppen) genutzt.
Die Italiener scheinen Feste genauso gerne und häufig zu feiern wie wir Deutschen; hier im Hof sind noch die Dekorationen für das Weinfest "Corciano castello di vino" aufgestellt, das vom 6. - 8.10.2017 stattgefunden hatte:

Der hier verbrachte Abend wird uns, wie überhaupt die ganze Reise, immer eine schöne Erinnerung sein.

ceterum censeoWer alle Immiggressoren der Welt in sein Land lässt, der ist nicht "weltoffen":Der hat den A.... offen!

Textstand vom 20.10.2017