[Comic] Kinderland

Erstellt am 11. April 2020 von Vincisblog @Vincisblog

Vielleicht wissen es nicht viele, aber ich bin in der DDR geboren. Komplett selbst reflektiert versuche ich die Zeit – die ich kaum mitbekommen habe – von Ostalgie und Schwarzmalerei fernzuhalten. Soll heißen: es war nicht alles schlecht, aber sicherlich nicht alles gut. Selten wird dies genau so dargestellt. Entweder ist es der überlegene Ostdeutsche, oder der dumme Ostdeutsche. Deswegen fiel mein Blick auf Kinderland.

Der Plot

Wir befinden uns in Ost-Berlin im Jahr 1989 (ein gutes Jahr ). Mirco wird von seiner Schwester und seiner Mama geweckt, nicht das er zu spät in die Schule kommt. Deswegen achtet er nicht auf den Bus und kommt irgendwo anders raus. Dort trifft er auf Torsten, der ihn in die Schule bringt.

Wir erleben sein Leben, sportlich ist er nicht wirklich und auch wenn die Kinder sich um die Tischtennisplatte streiten, ist ihm das alles herzlich egal. In der Schule ist eine Klassenkameradin schon seit dem Ferien nicht mehr gesehen wurden, der Verdacht das ihre Familie geflohen ist, liegt nahe.

Im Landheim entdeckt Mirco die Liebe und Leidenschaft zum Tischtennis. Eine Kelle zu bekommen ist aber gar nicht so einfach und so plant die Klasse ein Tischtennisturnier, was von ihrer Klassenlehrerin gar nicht gerne gesehen wird – schließlich kann man keine Medaille fürs Vaterland holen, die Chinesen sind einfach zu stark. Bevor das Turnier startet, passiert aber was ganz anderes.

Mein Comic Senf

Die Begeisterung über diesen Comic konnte ich in vielen Rezensionen vorher erleben und habe so auch meine kleine Erwartungshaltung aufgebaut. Vorab: diese Erwartungshaltungen waren überzogen, der Comic überzeugt an anderen Ecken.

Die erste Erwartungshaltung: es gibt keine Ostalgie oder West-Verklärtheit – sprich nicht alles war gut, aber definitiv nicht alles war schlecht. Auch wenn der Comic genau das rüberbringt, muss man die „Unterschiede“ suchen. Wenn man nicht so genau liest, könnte der Comic überall spielen. Aber vielleicht ist auch das Ziel: so viel anders war es gar nicht.

Nicht falsch verstehen, viele kleine Elemente sind vorhanden und überzeugen. So gibt es Strippen, Tote Oma und die Heia. Wer mit den Begriffen nichts anfangen kann, wird nicht wirklich drüber stolpern, aber vielleicht aufhorchen. Auch die FDJ, FKK und das Sandmännchen kommen vor. Dabei wird mit Berliner Dialekt gesprochen. Dialekt in geschriebener Form ist nicht mein Ding, funktioniert hier aber besonders gut.

Der Zeichenstil ist ein Zweischneidiges Schwert. Er sieht süß, cartoonig und vielleicht ein bisschen albern aus. Wenn man ein paar Seiten gelesen hat, ist er aber sehr gut und passend. Einen anderen Stil könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen.

Den Comic gibt es in deutscher Sprache in 3 Varianten, wobei die Hardcover Variante bereits vergriffen ist. Wer es günstiger will, kann auch zum Taschenbuch greifen, dann „spart“ man immerhin fast 20 €. Insgesamt ein interessanter Comic der auch von Menschen gelesen werden kann, die wenig bis gar keinen Kontakt zu Ostdeutschland hatten.

Meine letzten Worte:

Eiserner Vorhang mit Kellen

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