Cima SAT: Klettersteig im Italo-Style

Von Berghasen

Über den „Weg der Freundschaft“ auf einen der schönsten Aussichtsberge am Gardasee.

Die „Via dell‘ Amicizia“ gehört zu den ältesten Klettersteigen rund um den Gardasee. Obwohl die Tour klettertechnisch keine wirklichen Schmankerl bietet, ist der Steig doch auf eine besondere Art sympathisch. Ein Klettersteig, der italienischer nicht sein könnte und neben der fantastischen Aussicht einige Überraschungen bereit hält.

Trubel in Riva

In Riva del Garda schlängeln sich die Gardasee-Touristen durch die typisch italienischen Gassen. Mountainbiker rattern über die Kopfsteinpflaster. Palmwedel schwanken im Wind. Bei diesem mediterranen Flair wirkt die Aussicht auf eine Bergtour fast surreal. Sie ist aber die perfekte Möglichkeit, dem Trubel der Stadt zu entgehen.

Die „Via dell‘ Amicizia“ – der Weg der Freundschaft – führt über mehrere Felsstufen und Gehpassagen auf den Gipfel des Cima SAT. Der Zustieg zum Klettersteig zweigt direkt an der Hauptstraße in Riva kurz vor Ortsende Richtung Limone rechts in den Wald ab. Zu Beginn wandert man auf einem schön gepflasterten Weg (404) zur Bastione, einer kleinen Festung, die oberhalb von Riva thront.

Noch verdecken dichtes Buschwerk und Laubwald die Sicht auf den See. Dafür weicht der Tumult der Stadt mit jedem Schritt der Stille des Berges. Bald gelangt man zu einer Hütte, an der man den Wegweisern zur Kapelle S. Barbara folgt. Kurz vor dem Kirchlein biegt der Weg zum Einstieg rechts ab.

Klettersteig lässt warten

Der Bergwald gibt hier endlich die ersten Blickfenster auf den Gardasee frei. In seinem unverwechselbarem Blau schimmert der See durch die Baumwipfel. Motiviert, endlich mehr zu sehen, steht man bald vor der ersten, mit Drahtseilen versicherten, Felsstufe. Obwohl das Gelände hier noch nicht wirklich schwer ist, legt man sein Klettersteigset am besten gleich an.

Nach dem Einstieg überwindet man drei leichte Quergänge (A/B), die einander mit kurzen Gehpassagen über einen schottrigen Steig abwechseln. Anspruchsvolle Abschnitte lassen auf sich warten. Ebenso ein Klettersteig, wie man ihn sich in unseren Breiten vorstellt. Dafür wird die Aussicht über den Gardasee immer gewaltiger. Nunmehr still liegt das Städtchen Riva am Ufer des Sees. Von dessen Hafen lassen sich Segelboote mit dem Wind davontragen.

Und dann steht man plötzlich vor der längsten Leiter, die die Autorin dieser Zeilen je in einem Klettersteig gesehen hat.

Leiterparade

Etwa 50 Meter ragt der erste markante Felsabbruch des Berges in die Höhe. Durchschnitten von zwei lange Leitern, die dem Kletterer den kürzesten Weg durch die Wand weisen. In direkter Linie hangelt man sich Sprosse für Sprosse höher. Die wackelige und rostige Konstruktion lässt ein ungutes Gefühl aufkommen.

Die Hälfte der ersten Leiterpassage markiert eine kleine Plattform. Der perfekte Foto-Spot, bevor die Leiterwanderung weitergeht.

Hat man die erste Felsstufe überwunden, betritt man eine breite, plattige Rampe. Der vielleicht schönste Teil der Tour. Zum Klettern ist es aber auch hier nicht. Über schrägen Fels erreicht man, Überraschung, die nächste Leiter!

Drei Leitern warten in diesem Abschnitt. Dazwischen befinden sich immer wieder leichtere A/B-Stellen, die zumindest ein wenig Klettersteig-Gefühl aufkommen lassen. Nach der fünften Leiter werden die Oberarme langsam müde. Trotz der fehlenden technischen Herausforderung verlangt die Tour konditionell einiges ab.

Bald hat man Zeit, die Arme auszulockern. Oberhalb der zweiten Felsstufe klinkt man das Klettersteigset aus und wandert durch einen Wald auf das letzte Steilstück zu. Über eine kurze Rampe gelangt man auf eine Felsnase. Ein Aussichtsplatz wie aus dem Bilderbuch.

Aber da war doch noch etwas? Genau, Leitern! Drei warten noch, bis einen die wirklich letzte direkt unterhalb der Gipfelfahne ausspuckt.

Am Gipfel trocknet der Gardaseewind die Schweißtropfen, die sich auf den vergangenen 1.000 Höhenmetern angesammelt haben. Ganz du Ende ist der Klettersteig hier aber noch nicht. Bevor man sich seiner Ausrüstung entledigt, klettert man den Gipfel kurz ab (B). Daraufhin wandert man gemütlich und in vielen Serpentinen durch das Val Mara zurück nach Riva del Garda.

Typisch italienisch

Die rustikale und einfache Bauweise des Klettersteigs lässt dich an mehreren Stellen schmunzeln und auch die gefühlte zehnte Leiter nimmst du bald mit Humor. Typisch italienisch würde man gerne sagen.

Das fehlende Klettersteig-Feeling ersetzt die grandiose Aussicht während der Tour. Die Aus- und vor allem Tiefblicke auf die Gassen der Altstadt von Riva del Garda und den See sind fantastisch.

Tourdaten

  • Höhenmeter: 1.000 inkl. Zustieg
  • Dauer: 4 bis 5 Stunden inkl. Abstieg
  • Kilometer: 9
  • Für sportliche Anfänger geeignet