Chroniken der Unterwelt – City of Bones

Von Pressplay Magazin @pressplayAT

Kino

Veröffentlicht am 29. August 2013 | von Martina Zerovnik

Die Zeit für (romantische) Abenteuer mit übernatürlichen Wesen ist noch lange nicht vorbei. Die Fans halten sie am Leben, spinnen sie weiter, erfinden endlos Fortsetzungen. Eine von ihnen war Cassandra Clare, die dann mit ihren erfolgreichen Chroniken der Unterwelt die Seiten wechselte und nun selbst Heerscharen von Fans vorzuweisen hat. Und wo so viele Fans sind, ist auch der Film nicht weit …

Unter der Regie von Harald Zwart (Karate Kid, 2010) wurde der erste Teil der Buchreihe, City of Bones, verfilmt. Im Mittelpunkt des mittlerweile zu fünf Titeln angewachsenen Folgeromans steht Clarissa (Clary) Fray Morgenstern (Lily Collins, Spieglein, Spieglein). Die filmische Erzählung beginnt beinahe unmittelbar damit, dass die Welt der Jugendlichen aus den Fugen gerät und das Übernatürliche geradezu in Clarys Leben hereinbricht. Sie sieht Menschen, die andere nicht sehen – Dämonen und ihre Jäger, wie sich bald herausstellt. Clary ist wie ihre Mutter (Lena Headey), die nach einer Attacke verschwunden ist, Abkömmling des alten Geschlechts der Nephilim. Halb Mensch, halb Engel sind sie Schattenjäger und auch Jace Wayland (Jamie Campbell Bower), der Clary beisteht, sowie Alec (Kevin Zegers) und Isabelle (Jemima West) gehören ihnen an. Sie sind die Guten und haben die Aufgabe, Menschen vor dem Bösen zu schützen, bis auf jene, wie Valentine Morgenstern (Jonathan Rhys Meyers), der mit Hilfe des Kelchs der Engel Allmacht erlangen will. Die Konfrontation mit ihm ist Clarys Einstand als Schattenjägerin. Begleitet wird sie von ihrem Freund Simon (Robert Sheehan), der (un)heimlich in sie verliebt ist und nun mit Jace einen übermächtigen Konkurrenten erhält.

Zwarts Inszenierung ist auf die Zielgruppe der Fans der Romane und des Fantasy-Genres ausgelegt. Er bewegt sich im Geiste von Harry Potter, Twilight (mit deutlicher Nähe zu ersterem) und sogar Buffy, verfolgt dabei kein wirklich originelles Konzept, das aber mit großer Geschwindigkeit und Action aufwartet. Die Kampfszenen zeigen überraschenderweise Brutalität, ohne dass jedoch viel Blut fließen würde. Interessant ist, dass auf die Faszination von Gothic (Stichworte: schwarzes Leder, Kapuze, Tätowierungen) gesetzt wird, ohne damit Gut und Böse auszudifferenzieren. Auch die Figur des Jace, die schon in der Aufmachung mit dem Gegensatz von Hell und Dunkel aufwartet, folgt diesem Setting.

Die Liebesgeschichte lässt hingegen ruhigere Momente zu. Dialoge und Szenerie geben sich hier gefühlvoll und romantisch-kitschig, was der Welt jugendlicher Sehnsucht und Vorstellungen (und Twilight) vielleicht etwas einfach gerecht zu werden versucht. Die Anziehungskraft zwischen Clary und Jace (die gut besetzt und dargestellt sind) ist spürbar, sodass im Grunde auf den Tand verzichtet hätte werden können. Andererseits erscheint sie mitunter mehr sexueller Natur, als dass sie etwas mit „wahrer Liebe“ zu tun hätte, was die Beziehung auf gewisse Weise erwachsener und realistischer macht. Dieser spannende, aber wahrscheinlich unfreiwillige Aspekt ist dem Drehbuch von Jessica Postigo zu verdanken, das den Figuren aufgrund seiner Dichte und Geschwindigkeit zu wenig Handlungsraum lässt. Darüber hinaus ist es in den Dialogen und einigen auflockernden Szenen offensichtlich um Unterhaltung und darum bemüht, das Publikum bei Laune zu halten. Einen rechten Stil findet es aber nicht.

Mit der Verfilmung werden Fans von Buch und Genre zufriedengestellt. Zwart begibt sich also auf sicheres Terrain und bietet ihnen actionreiche Unterhaltung mit der obligaten Portion Liebe, die sich am Ende wieder in Sehnsucht verwandelt und ausreichend Emotionen für die nächsten Teile bereithält. Chroniken der Unterwelt - City of Bones ist in Ansätzen dunkler und brutaler als seine Vorgänger und bietet darin vielleicht eine Möglichkeit, sich von diesen zu emanzipieren. Noch ist das nicht gelungen, aber für die Fans ist es ein Auftakt. Der nächste Teil, City of Ashes befindet sich bereits in Produktion.

Regie: Harald Zwart, Drehbuch: Jessica Postigo, Darsteller: Lily Collins, Jamie Campbell Bower, Jonathan Rhys Meyers, Elyas M’Barek, Robert Sheehan, Jemima West, Lena Headey
Laufzeit: 130 Minuten, Kinostart: 29.8.2013, www.chronikenderunterwelt.de

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Über den Autor

Martina Zerovnik Aufgabenbereich selbst definiert als: Filmleserin. Lächelt über “Oh diese Technik [Film] ist sehr entwicklungsfähig, fast reif zur Kunst” (Döblin).