Chao Thi der Erdgeist - Geisterhäuschen in Thailand

Erstellt am 29. März 2013 von Greentarade

Vor den meisten Häusern in Thailand stehen kleine Miniatur Tempel. In diesen Geisterhäuschen wohnt der Phra Phum, der Schutzgeist des Hauses. Phra Phum bedeutet Lord des Landes oder Platzes. Ein weiter Name für den Geist ist Chao Thi. Der Begriff Phra Phum stammt von den kambodschanischen Wort mit Herkunft aus dem Sanskrit. Chao Thi ist der thailändische Begriff für den gleichen Geist und könnte auf den chinesischen Gott der Erde und Beschützer der Dörfer T´o Ti zurückzuführen sein. In der asiatischen Kunst finden sich häufig Motive der Mythologie und Geisterwelt.

Sobald ein Grundstück gerodet ist und das Haus erbaut wurde, wird es Zeit ein Geisterhäuschen für den obdachlosen Phra Phum bereit zu stellen. Für den Umzug des Chao Thi wird ein Moh Phi (Geisterheiler) zu Rate gezogen. Der Tag des Umzugs wird nach astrologischen Berechnungen festgelegt. Das Geisterhäuschen wird mit der Vorderseite nach Norden oder, wenn nicht möglich, nach Süden ausgerichtet und steht auf Augenhöhe. Es wird ein Platz von ca. zwei Metern im Radius benötigt. Das Umzugsritual sollte vor der Mittagszeit durchgeführt werden, damit der Chao Thi seine erste Mahlzeit im neuen Heim verspeisen kann. An der inneren Rückwand des Geisterhäuschen wird ein Bild des Geistes befestigt oder eine Figur, die den Phra Phum darstellt, aufgestellt. In ursprünglichen Bildern (Chavet) wird der Phra Phum als stehende Gottheit mit einem leuchtenden Heiligenschein um den Kopf dargestellt. In der rechten Hand hält er entweder ein zweischneidiges Schwert, das Phrakhan, oder einen Fliegenwedel und mitunter hält er in der linken Hand ein Buch.
In heutiger Zeit werden kleine bunte Figuren verwendet, wobei der Phra Phum auch einen Sack Geld in der Hand hält, der für Reichtum steht.

Die Opfergaben werden auf einen kleinen Tisch oder direkt vor dem Geisterhäuschen aufgestellt. Bevorzugt werden Früchte, Süßigkeiten, sonstige Speisen, ein Glas Wasser oder eine rote oder pinke Limonade mit Strohhalm geopfert. Weiterhin werden Kerzen, einige Räucherstäbchen (ca. 4-9 Stück) und Blumen geopfert. Wenn die Opfergaben aufgestellt sind werden die Räucherstäbchen angezündet, die brennenden Stäbchen werden ausgewedelt und nicht ausgeblasen. Während die Räucherstäbchen abbrennen verspeisen die Geister die Opfergaben, danach können die Opfergaben abgeräumt werden und an bedürftige weitergegeben werden. Vollmond- und Neumondtage und die Halbmondtage sind Buddha geweiht. An diesen Tagen sind die Opfergaben am Geisterhaus besonders reichlich. Als Gegenleistung schützt der Chao Thi die Bewohner des Hauses oder des Dorfes. Fremde, die im Haus übernachten, fragen den Phra Phum um Erlaubnis, da sonst Alpträume drohen und sie keinen Schutz vor Geistern haben, die sich Nachts auf die Brust setzen und eine schwere Atmung verursachen. Zum Abschied bedankt sich der Besucher und bittet um eine gute Weiterreise.

Die Phra Phum bestehen aus neun Brüdern:
Phra Phum des Hauses oder Platzes
Phra Phum der Tür und Türschwelle
Phra Phum des Hochzeithauses
Phra Phum der Ställe für Büffel, Kühe und Ochsen
Phra Phum der Scheune
Phra Phum des Reisfeldes
Phra Phum des Obstgartens
Phra Phum des offenen Platzes zum Reis dreschen
Phra Phum des Klosters

Von diesen neun Phra Phum hat nur der Geist des Hauses ein permanentes Geisterhäuschen. Mitunter findet sich für den Phra Phum des Obstgartens noch ein separates Geisterhaus. Für den Geist des Reisfeldes wird zum Anfang der Pflanzzeit ein Schrein errichtet, an dem um Schutz gegen Schädlinge und eine gute Ernte gebeten wird. Der Phra Phum der Tür hat sich in dem Brauch erhalten, beim betreten eines Hauses nicht auf die Türschwelle zu treten. Die meisten anderen Phra Phum sind mittlerweile gar nicht mehr bekannt oder wurden durch andere Gottheiten ersetzt. So wurde der Phra Phum der Scheune durch die Reis Gottheit Mae Phosop ersetzt.

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