CD-REVIEW: Morrissey – Low In High School

CD-REVIEW: Morrissey – Low In High School Künstlerische Ambivalenz

Hass auf Trump, aber Sympathie für Nigel Farage und Wettern gegen die „Mainstream-Medien". Eine großartige Biografie, aber ein sehr seltsamer Roman. Bei Morrissey weiß man in letzter Zeit so gar nicht, woran man ist. Spoiler: Daran ändert auch das neue Album „Low In High School" wenig.

Eins vorweg: Morrissey hat seine alten Feindbilder, die er auch schon zu Smiths-Zeiten hatte, natürlich beibehalten. Auf „I Wish You Lonely", einer der Vorab-Singles, bekommen Monarchie und Walfänger gleichermaßen ihr Fett weg. Der Song steht ohnehin sinnbildlich für größte Teile des Albums. Denn er ist musikalisch kraftvoll und mit ausdrucksstarkem Text, bei dem sich Morrissey als der Einsame und Unverstandene inszeniert.

Inszenierung ist genau das Stichwort. Vor einigen Monaten stattete der „Mozzer" seine Band auf US-Tour mit „Fuck Trump"-Shirts aus, inzwischen klingt er in seinen seltenen Interviews oder Bühnenansagen gerne mal selbst wie einer dieser zu heiß gebadeten Wutbürger, die sich in Facebook-Kommentarspalten tummeln.

Und auch auf „Low In High School" macht er sich zumindest kurzzeitig deren Deppenvokabular zu eigen, wenn er im Auftakttrack „My Love, I'd Do Anything For You" über die „Mainstream-Medien" schimpft. In der kreativen, wenn auch im ungewöhnlichen Nintendo-Sound gekleideten ersten Single „Spent The Day In Bed" rät Morrissey davon ab, die Nachrichten zu schauen, was man hier aber eher als körperliches wie geistiges Prokrastinieren verstehen sollte.

Ein roter Faden fehlt dem neuen Album fast völlig - wenn man mal davon absieht, dass Morrissey in drei seiner zwölf Songs Bezug auf Israel nimmt. Und trotzdem hat es viele starke Moment, musikalisch und textlich.

Da wäre die Band, in der der 58-Jährige zwar gerne mal Musiker austauscht, aber die nun erstaunlicherweise in dieser Besetzung schon einige Jahre zusammenspielt. Das tut dem Album hörbar gut, es gibt kraftvolle und schräge Sounds, die die Songs vom Normalen zum Besonderen erheben.

Textlich ist Morrissey einmal mehr der leidende Poet („Home Is A Question Mark", „In Your Lap") und bissige Beobachter („Jacky's Only Happy When She's Up On The Stage", „The Girl From Tel-Aviv Who Wouldn't Kneel"), der gerne Sätze wie „The american way [...] is to show lots of teeth and talk loudly" raushaut.

„I Bury The Living" sticht dabei noch heraus, schon alleine wegen seiner Länge von über sieben Minuten. Morrissey singt es aus Sicht eines Soldaten, der den Obrigkeiten komplett ergeben ist. „Give me an order and I blow up your daughter", heißt es darin, zumeist eindrucksvoll instrumentiert. Kurz vor Schluss wechselt dann das Tempo und der Song endet mit höhnischem Lachen. Wow.

Die letzten drei Songs machen „Low In High School" leider wieder etwas kaputt. Besonders auf das zu plakativ geratene „Who Will Protect Us From The Police?" und die vor Schmalz triefende Ballade „Israel" hätte man gut verzichten können.

Von der Genialität der Smiths ist Morrissey in seinen Solowerken inzwischen doch ein gutes Stück entfernt. Man kennt das aus seinen Literatur-Versuchen: Während seine Biografie richtig stark war, konnte der Roman „List Of The Lost" nicht überzeugen. Diese Ambivalenz trägt Morrissey auch auf „Low In High School" mit sich herum - und inzwischen leider auch in seinen politischen Statements.

Albuminfos Morrissey - Low In High School

CD-REVIEW: Morrissey – Low In High SchoolKünstler: Morrissey
Albumname: Low In High School
VÖ: 17.11.2017
Label: BMG
facebook.com/morrissey

Fotos: Anne-Kathrin Weber und Promo

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