Catchy execution

Catchy execution
The Roots „undun“ (Def Jam)
In letzter Zeit liest man ja öfters das Wort „auserzählt“, gern in Verbindung mit Menschen, deren Gesicht und Geschichte man meint der Öffentlichkeit nicht mehr zumuten zu wollen, ohne sie über Gebühr zu langweilen. Die Geschichte der Roots ist nun keineswegs auserzählt, dafür sind die Jungs einfach noch viel zu gut, es ist nur leider so, dass dem Rezensenten bei der Frequenz, mit der die glorreichen Sieben aus Philadelphia Platten von ausgezeichneter Qualität veröffentlichen, so langsam die Worte auszugehen drohen. Ausgeschrieben also? Das ist natürlich kein wirkliches Problem, schon erst recht keines, mit dem sich die Roots herumschlagen müssen, aber es ist dennoch unheimlich, mit welcher Konstanz diese Band, die ja im Nebenberuf auch noch, quasi als geschmackvolle Variante der „Los Zerlettos“, allabendlich für Jimmy Fallon auf der Bühne schwitzt, erstklassiges Material abliefert.
Allein der Anfang von „undun“, welches als Konzeptalbum die Geschichte des fiktiven Charakters Redford Stevens nacherzählt, der Song „Sleep“ ist von so meisterhafter Güte, dass einem der Rest des Albums fast schon egal sein kann – butterweiche Beats, dazu das soulige Timbre von Aaron Livingston, hier beweisen die Roots Mut und unerschütterliches Selbstbewußtsein gleichermaßen. Denn so wie dieser Song ist auch der Rest der Platte von einer warmen, abgedimmten und dunklen Grundstimmung getragen und setzt somit den denkbar stärksten Kontrast zur erwartungsgemäß ziemlich düsteren Story. Auch die monochrom angelegten Videoteaser zu den einzelnen Stücken möchten kaum zu dieser entspannten, souligen Untermalung passen, exemplarisch zu sehen beim Visual zu „Make My“ – catchyness meets execution. Das ganze Konzept ist von einer fesselnden Eigenwilligkeit, die ihresgleichen sucht.
Die Songs ansonsten reduziert und sparsam instrumentiert - Piano, ein paar gezupfte Saiten, lässiger Beat und eine bestechende Gästeliste sorgen für den perfekten Flow: Bilal Oliver croont „The Other Side“ in traumhafte Höhen („We’re all on a journey, down the hall of memories, don’t worry ’bout what you ain’t got, leave with a little bit of dignity...“), für „Stomp“ wird mal etwas derber musiziert und gereimt – das bleibt aber die berühmte Ausnahme. Schon erstaunlich, wie angstfrei The Roots die knarzig rauchigen Monologe von Black Thought Song auf Song („Lighthouse“/“I Remember“/“Tip The Scale“, etc.) in anmutige Melodien verpacken, wie selbstverständlich ihnen mittlerweile der Spagat zwischen dem erwarteten und dem überraschenden Moment gelingt. Die Krönung des Ganzen natürlich zum Schluß: Die letzten vier Stücken mit einer Gesamtspiellänge von gut fünf Minuten belassen sie als kurze Instrumentals mit klassischer, manchmal recht wilder Anmutung, wobei „Redford“ ursprünglich von Sufjan Stevens‘ Album „Michigan“ stammt und für „undun“ vom Schöpfer selbst in Bandbegleitung noch einmal neu eingespielt wurde.
Sollte irgendwer in nächster Zeit noch einmal behaupten, Hip Hop wäre so tot wie der Rock’n’Roll (und selbst der ist ja nur mit dem Rollator unterwegs), dann kann man dem Unbelehrbaren zu den diesjährigen Glanztaten des Wung Tang Clan, von Tyler The Creator, Drake, Kanye, Jay-Z und Spank Rock getrost diese makellose Platte auf die „Must Hear“-Liste setzen, danach möge er für immer die Klappe halten.

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