Cartgena de Indias: Noch mehr Missverständnisse in Kolumbien

Wir sind nun eine Woche in Cartagena, sehr viel haben wir von der Stadt aber eigentlich nicht gesehen, zumindest nicht bei Tageslicht. Bei Nacht sind wir ein paar Mal durch die Altstadt spaziert, da sind die Temperaturen viel angenehmer bzw. aushaltbar.

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Nächtlicher Spaziergang in Cartagena.


Dass die Internetcafes alle klimatisiert sind, ist natürlich schön wenn man, wie wir, Stunden-, ja fast Tage darin verbringt. Da wir mit dem Velo fast 10 Minuten bis zum nächsten Strand brauchen, sind wir bisher nur einmal baden gegangen. Die Strände hier sind aber bedeutend sauberer als in Santa Marta und eigentlich durchaus einladend. Tagsüber ist es uns aber zu heiss, so bleibt noch der frühe Morgen und der Abend. Da wir aber nicht bei Dunkelheit durch die Stadt kurven wollen, kommt eben doch nur der Morgen in Frage.

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Stadtmauer bei Nacht.


Die etwas längere Anwesenheit hier hat auch wieder die eine oder andere Joggingrunde möglich gemacht, hier haben sich (verregnete) frühe Morgenstunden als sehr angenehm erwiesen. Da ist es kühler und da man ohnehin nass wird, merkt man nicht, wieviel Schweiss dabei fliesst.
Vor zwei Tagen konnten wir nun zwei Schiffe besichtigen, das eine von der Casa Viena vermittelt, das andere von Elke, der Eigentümerin des Cafés Gato Negro, zwei Türen von der Casa Viena entfernt (blaues Haus). Die Gypsy Moth haben wir als erstes besucht und Amy und Symian sowie ihre neun Monate alte Tochter waren uns sofort extrem sympatisch. Wir sagten, dass wir sehr interessiert seien, aber vor der Entscheidung noch ein anderes Boot anschauen möchten. Sym meinte, wir könnten uns tags darauf melden, das sei kein Problem. Für uns war die Sache eigentlich klar, wir wollten die Santana von Kapitän Gisbert mehr aus Prinzip noch sehen. Dieser Katamaran ist bedeutend grösser als die kleine Gypsy Moth und hat uns auch gut gefallen. Trotzdem sagten wir Amy und Sym noch am selben Abend per Mail zu und liessen uns von der Liste der Santa Ana streichen. Am nächsten Morgen gingen wir bei Elke den Vorschuss bezahlen und organisierten anschliessend Plastik um die Velos zu verpacken.

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Siesta?


Als ich dann am Nachmittag meine Mails anschaute, war ich fies überrascht, als ich von der Gypsy Moth eine Absage im Briefkasten fand. Am Abend zuvor hätten zwei andere Personen das Schiff besucht und gleich eine Anzahlung geleistet. Für uns habe es jetzt keinen Platz mehr. Wir waren einigermassen empört, da wir davon ausgegangen waren, dass wir bei der Gypsy Moth, wie bei der Santana, auf einer Liste standen und bis zu unserer Entscheidung gesicherte Plätze hatten. Hätten wir gewusst, dass diese beiden letzten Betten noch offen "auf dem Markt" waren, hätten wir gleich vor Ort zugesagt. Wir schrieben auch Sym ein entsprechendes Mail, worauf er antwortete, er habe nie gesagt, dass wir einen sicheren Platz auf seinem Schiff haben und dass er erwähnt habe, dass er ohne Anzahlung keine Plätze offen halte. Dass er uns einen Platz bis zu unserer Entscheidung offenhalte, hat er wirklich nicht gesagt, wir waren davo ausgegangen, dass dem so sei, weil dies bei der Casa Viena so gehandhabt wurde. Elke hatte uns dort angesprochen und wir hatten nie in Frage gestellt, dass die Dinge bei ihr gleich laufen. Und sie hatte am Morgen, als wir bezahlt hatten, offensichtlich noch gar nicht gewusst, dass das Boot voll ist.
Klar, alles in allem war hier ganz gewiss kein so richtig falsches Verhalten von irgendwem involviert, die Kommunikation hat aber auch nicht geklappt. Sym hatte uns nämlich ganz sicher nicht gesagt, dass uns die Plätze auf seinem Schiff flöte gehen könnten, wenn wir nicht sofort zusagen. Und dass seine "Agentin" nicht wusste, dass auf der Gypsy Moth kein Platz mehr vorhanden war, und sogar noch Vorschüsse kassierte, wirkt auf uns auch nicht sonderlich professionell.
Zum Glück hatten wir unsere provisorische Reservation auf der Stahlratte noch nicht gecancellt und sie war auch sonst nicht irgendwo in den Tiefen des Universums verschwunden. Leider fährt dieses grosse Schiff erst am 11. Juni, so dass wir noch weitere vier Tage in Cartagena rumhängen müssen. Die Stadt gefällt uns zwar gut, ist aber sehr teuer und wir würden eigentlich lieber weiterfahren. Natürlich gibt es hier auch viel zu tun oder anzuschauen, aber das kostet alles Geld, welches wir jetzt eigentlich lieber in die Weiterfahrt in Panamá investieren würden. Nach vielen kleinen und wenig grösseren Missverständnissen in Kolumbien war dies ganz klar der frustrierendste Fall. Und es waren nicht einmal undeutlich sprechende Einheimische, sondern nur Gringos daran beteiligt. In Zukunft werden wir wohl einfach immer doppelt und dreifach nachfragen um sicher zu gehen, dass wir nicht nur vom selben reden und sondern auch wirklich das gleiche meinen.


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Hier gibt's viele hübsche Häuser.


Inzwischen war ich auch beim Dermatologen um einen alten, aber wachsenden hellen Hautfleck anschauen zu lassen. Für ein etwa 10 - 15-minütiges Gespräch mit dem Arzt bezahlt man hier COP 80'000, was in etwa CHF 40 entspricht. Ein zweiter Termin war nötig, da der Dermatologe meinte, das Ding sei "precanceroso" und müsse entfernt werden. Precanceroso heisst wohl, dass daraus theoretisch in ferner (oder mit etwas Pech naher) Zukunft ein Krebslein rauskriechen könnte. Also habe ich nochmals 80'000 bezahlt und ewig lang gewartet. Hier gibt es eben kein Termin auf eine bestimmte Zeit. Abends um 17 Uhr geht die Praxis auf und man erhält eine Nummer, in der Reihenfolge, in der man erscheint. Das erste Mal ging das recht zackig, das zweite Mal eben nicht. Und nun hat es der schlaue Arzt nicht einmal geschafft, den ganzen Flecken zu entfernen. Werde am Montag wohl nochmals vorbeigehen und nachfragen. .... .... ....

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Papageien mitten in der Stadt.


.... .... .... Inzwischen haben wir die Stahlratte besichtigt. Klar, sie ist nicht so elegant und familiär wie die Gypsy Moth, aber Kapitän Ludwig ist sympatisch, das Schiff ist cool und bietet natürlich weit mehr Platz als so ein kleines Segelböötli. Da gibt es auch einen Raum im Innern des Schiffes, wo die Velos vor Salzwasser sicher verstaut werden können. Da wir nun aber noch einige Tage zum vertrödeln hatten, habe ich mir wieder einmal ein Buch gekauft und zur Abwechslung Museen besucht. Schon in Bogatá hätte ich gerne das Museo de Esmeraldas gesehen, nach dem Museo de Oro war dafür aber keine Energie mehr übrig. Hier haben wir nun eine riesige Smaragdsammlung bewundert und gelernt, dass es nicht nur grüne sondern auch bläuliche, knallpinke und braune Smaragde gibt. Hat sich echt gelohn, viele der Steine waren wirklich sehr edel.
Im Museo Naval have ich nicht nur viel über verschiedene Schiffe gelesen, sondern auch über Cartagenas bewegte Vergangenheit. Als reiche Stadt an der karibischen Küste war sie ein äusserst beliebtes Ziel englischer und französischer Piraten, die die Stadt widerholt (mit offizieller Genehmigung ihrer Könige) überfallen und ausgeraubt hatten. Als Konsequenz wurde schliesslich eine Mauer um die ganze Stadt gebaut, die mehrheitlich so dick ist, dass eine zweispurige Strasse darauf Platz hätte. In jenem Museum habe ich auch erfahren, warum das Wasser in den Lagunen in Cartagena so schmutzig braun-grün ist, und eher an Flusswasser erinnert. Im Jahr 1571 bauten die Spanier den Canal del Dique, einen Kanal, der Cartagena mit dem Río Magdalena verbindet um die Kommunikation mit dem Landesinneren zu erleichtern. Leider hat das örtliche Ökosystem an diesem neuen Wasser nicht so Freude gehabt.

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Cartagenas Vergangenheit ist wirklich
voller Piraten.


Um uns die Zeit zu vertreiben, haben wir auch ein paar Spaziergänge durch die Stadt unternommen, da einige Dinge bei Tageslicht eben doch besser erkennbar sind als bei Nacht. Zum Glück war es einige Tage bewölkt, sonst hätten wir das vermutlich nicht überlebt.

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Martina nimmt's genau.


Während dieser urbanen Wanderungen haben wir interessante Dinge gefunden, wie z.B. komische Figuren aus Eisen aber auch, wie so oft, Situationen, die, oberflächlich betrachtet, nicht zu dem herausgeputzten Viertel passten. Tatsache ist aber, dass hier in vielen Hauseingängen und auch anderswo Obdachlose schlafen, meist auf dünnen Karton "gebettet".

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Auch in Cartagena gibt es viele Obdachlose.


Natürlich hat Cartagena auch einige Pärke und wie es sich gehört, ist einer davon der Parque Bolívar mit der obligatorischen eleganten Statue des "Padre de la Patria". Könnte sein, dass dies das letzte Mal ist, dass wir dem Libertador begenen (vielleicht noch in Panamá), Mittelamerika hat aber bestimmt seine eigenen Helden, die den Spaniern einen Tritt in den Ar..... gegeben haben.

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Simón Bolívar, zum letzten Mal?


Um uns, wenn auch nun minim, beschäftigt zu halten, haben wir gestern die Fortaleza San Felipe besucht. Dort war schon der Eintritt recht teuer und um zu verstehen, was wir da sehen, haben wir uns einer geführten Tour angeschlossen und nochmals einen Haufen Geld ausgegeben für etwas, dass ich schlussendlich absolut nicht gelohnt hat, da der gute Mann mit seinem Costeño-Dialekt für uns schlicht nicht zu verstehen war. Schade, diese Festung, die gut erhalten bzw. zum Teil wieder aufgebaut ist, wäre äusserst interessant. gewesen Sie weist diverse bauliche Finessen auf, die ein Eindringen sehr schwer gemacht hatten. Angeblich gibt es in und um diese Burg auch 4'000 Meter unterirdische Gänge, um die 600 Meter davon sich Besuchern (und Mücken!) zugänglich. Das Beste am anschliessenden Filmli, das wir problemlos verstanden und noch ganz amüsant war, war für mich der klimatisierte Raum.

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Fortaleza San Felipe.


Am Nachmittag im Carrefour fand ich die krasse Unterkühlung dann nicht mehr so witzig. Tatsache ist, dass, wenn man von drausse einen so kalten Laden betritt, einem beinahe der Schweiss, der einem den Rücken runterfliesst, gefriert. Das ist nicht lustig und man riskiert effektiv, sich hier zu erkälten, was Martina auch prompt passiert ist (es wurde ihr im Internet Café aber auf ganz fies ins Gesicht gehustet, vielleicht war auch das die Ursache).
Heute stand ein Türli zum Monasterio Santa Cruz de la Popa auf dem Programm. Das steht auf einem 185 m hohen "Berg", dem höchsten Punkt von Cartagena. Die Aussicht von dort oben auf die gesamte Stadt ist  ziemlich cool. Wir leisteten uns wieder einen Führer, den wir diesmal ohne Weiteres verstanden. Ich hatte schon irgendwo gehört oder gelesen, dass es in Cartagena keine Brunnen gäbe/gegeben habe da das Wasser, auf das man stöst, faulig und nicht trinkbar sei. Flüsse oder Bäche gibt es hier auch keine. Was denn nun die Lösung zu diesem Problem gewesen war, hatte ich aber irgendwie nicht mitgekriegt. Sie sieht folgendermassen aus: Unterhalb des nach oben offenen Hofs gibt es ein grosses Wasserreservoir. Das Regenwasser wird vom Dach in den Hof geleitet, dessen Boden wasserdurchlässig ist. So wurde während der Regenzeit offenbar genug Wasser gesammelt, und auch gleich noch gereinigt. Anscheinend haben die Spanier diese Wassersammel-Methode den Arabern abgeschaut. ....

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Im Monasterio Santa Cruz de la Popa.


.... Heute war ich ein letztes Mal joggen. Zum ersten Mal waren da noch viele andere Jogger und Geher unterwegs, die meisten Gringo/as. Die scheinen aber etwas seltsam drauf zu sein, alle starren vor sich in den Boden, kaum einer grüsst. Die einzigen, von denen ein "Buenos Días" zurückkommt, sind die schwarzen Frauen, die am Strand Früchte verkaufen. Auch nicht logisch fand ich, dass bei Regen hier kaum wer joggen geht, wo es dann doch soooooooo viel angenehmer ist. Und nässer wird man bei Regen auch nicht, ob Schweiss oder Wasser ist nicht so relevant.
Dies ist nun der letzte Text aus Südamerika und der Abschied von einem mega schönen, interessanten und vielfältigen Kontinent. Oft werden wir gefragt, welches Land oder welcher Ort uns bis jetzt am besten gefallen hat. Auf diese Frage gibt es keine Antwort, die Landschaften waren zu unterschiedlich. Auch die Leute, und ebenfalls die Sprache. In einigen Ländern waren die Einheimischen recht europäisch (Argentinien, Chile), in anderen Touristen gegenüber eher gleichgültig (Bolivien), anderswo war es regional sehr verschieden (Peru). In Ecuador waren wir positiv überrascht, dass es wieder Frauen gibt, die Autofahren und in Kolumbien sind die Leute so überschwänglich, dass es uns manchmal fast zuviel war. Die Sprachschwierigkeiten hielten in Argentinien nicht so lange an, da die Aussprache gewissen erkennbaren Regeln folgte, in Chile war das nicht so einfach gewesen und in Bolivien und den peruanischen Bergen ist das Spansich so klar, dass wir überhaupt keine Probleme hatten. In Ecuador hatte ich sehr viel Kontakt mit Einheimischen, die oft Umgangssprache benutzten, was nach einmal Nachfragen aber meist geklärt war. Bacán! Kolumbianisches Spanisch ist auch nicht überall gleich, für uns war es aber of fast gar nicht verständlich.

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Cartagena, in der Mitte der Frachthafen.


Nun, auf der Stahlratte können wir mit dem Kapitän Deutsch reden, die Umgangssprache unter den Passagieren wird vermutlich Englisch sein. Wir sind mal gespannt, wie Mittelamerika diesbezüglich sein wird und auch generell, was anders und was gleich ist.
@ Flo: Dass die Sonneneinstrahlung am Äquator am stärksten ist, ist schon klar. Viel mehr Auswirkung als Äquatornähe hat aber die Höhe über Meer und da wir uns nicht mehr so bald in hohe Lagen verirren werden, wird sich diesbezüglich auch nicht so bald etwas ändern. Wenn Du aber Lust hast, uns eine Tube Daylong zu schicken, würden wir das bestimmt nicht ablehnen.
Kilometerstand von Ushuaia bis Cartagena: 11'849 km.
Tschüss Südamerika, hasta luego.

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