Call of Juarez: Gunslinger

Ein alter Kopfgeldjäger erzählt seine Geschichte, ob es eine tolle Lagerfeuergeschichte ist oder doch nur ödes Schnarchen, das habe ich für euch untersucht.
Die Story beginnt damit, dass der alte Kopfgeldjäger Silas Greeves einen Saloon betritt. Dort wird er erkannt und ein junger Mann und Bewunderer lädt den Revolverhelden auf ein Bier ein. Dieser erzählt allen Anwesenden dafür seine Geschichte.

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Geht ein Cowboy in eine Bar und erzählt eine Story vom Pferd…
DIe Geschichte wird in schönen Zeichnungen erzählt.

“Es war vor 20 Jahren, ich ritt mit Billy the Kid und kam zurück zu unserem Versteck.” “Sie sind mit Billy the Kid geritten?” “Ja.” “Waren sie mit Billy the Kid befreundet?” “So in der Art. Ich bin mit ihm geritten um den Mann den ich jagte aufzuspüren.”. So etwas läuft diese Erzählung ab. Immer wieder gibt es Zwischenfragen, die der Gunman beantworten muss. Dabei sind aber alle Dialoge in passendem Englisch. Untertitel kann man zwar anschalten, aber wer kein Englisch kann oder es nur schlecht versteht, der könnte Probleme bekommen der Story zu folgen, wenn der Kopfgeldjäger im Kampfgetümmel von seinen Abenteuern erzählt.

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Auch Wild West Legenden wie Billy the Kid oder Jesse James dürfen nicht fehlen. Videosequenzen lassen sich übrigens mit der Leertaste überspringen.

Das Ganze beginnt mit dem schon angesprochenen Billy the Kid, dem unser Held zur Seite steht. Billy the Kid ist dabei von den Schergen des Sheriffs umzingelt und belagert. Nun ist es eure Aufgabe Billy herauszuhauen und mit ihm zu fliehen. Dabei werden verschiedene Funktionen auf dem Weg vorgestellt. Eine Slow-Motion-Funktion mit der ihr die Zeit verlangsamt und die Gegner nach und nach ins Visier nehmen könnt. Doch trotzdem lebt ein Revolverheld gefährlich. Damit ihr nicht ständig sterbt, ist eure Todesahnungsanzeige wichtig. Ist diese gefüllt, so könnt ihr in Zeitlupe einer Kugel ausweichen und dadurch euer Leben auch wieder aufladen. Hört sich bisher nach einem normalen Shooter an? Ein Talentsystem ändert da natürlich auch nichts, obwohl dieses einige nützliche Skills, wie das einfachere Zielen dank Zoomfunktion oder größere Magazine.

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Jeder Abschuss gibt euch Punkte die ihr hinterher in Talente investiert werden können.

Was aber etwas daran ändert sind eure Zuhörer und die Erzählweise. Da sitzen am Tisch der aufgeregte “…”, der jedes Wort von euch aufsaugt. Dann gibt es Jack, der euch kein Wort glauben will, der alte Ben, der immer wieder Hintergrundinfos einwirft und Bettsy, die Bardame, stellt immer wieder Fragen und beruhigt Jack wieder. Dabei gibt es immer wieder tolle Kniffe im Storytelling, denn ihr seht was gerade erzählt wird. Das lässt sich durch folgendes Beispiel recht leicht darstellen:

“Ich war eingekesselt. In meiner Unerfahrenheit hatte ich meine Munition verschossen.” Wer bis jetzt noch meinte genug Munition zu haben, der wird staunen, denn nun nimmt eure Munition ab und löst sich in Luft auf. “Ich suchte nach einem Ausweg, aber weitere Gegner kamen. Da entdeckte ich einen Durchgang, den ich zuvor nicht gesehen hatte.” Wer sich nun geschickt umschaut, der kann entdecken, wie sich ein großer Stein hinter euch in Luft auflöst. Alle Erzählungen werden immer direkt ausgeführt und passt sich an Kommentare und Erzählungen von Silas und seinen Zuhöhrern an. Dabei haben sich die Entwickler viele verschiedene Arten der Erzählung und Berichtigung einfallen lassen.

So meint Silas beispielsweise, dass er sich mit Jessy James duelliert hätte. Nachdem der Spieler dann auf Jessy James geschossen hat, kommt der Einwurf, dass Jessy James doch von jemand ganz anderem getötet wurde. Darauf antwortet Silas einfach nur: “Ich habe ihn ja auch nicht getötet. Nur schwer verwundet…” So redet sich Silas immer wieder heraus, doch der Spieler und Silas Zuhörerschaft bezweifeln immer mehr was der alte Haudegen erzählt. So springt er auf einen Zug auf und kämpft dort gegen “eine Armee und einen Gegner mit Gatlinggun.”, worauf Jack nur müde fragt: “Sie laufen irgendwie ständig in solche Situationen?”, was Silas aber mit einem kurzen “Scheint so…” kommentiert.

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Wer auf Western steht, der sollte sich das Spiel auf alle Fälle ansehen. Es kostet ca. 15 € im Steamshop und ist dementsprechend kurz (15€). Es besitzt keinen Mehrspielermodus, dafür einen “Arcademodus”, in dem ihr auf Punktejagd geht und eure Highscore mit euren Freunden vergleichen könnt. Ein solcher Modus wurde in Call of Duty: Modern Warfare noch weggeschnitten. Generell ist das Spiel nicht gerade unblutig, aber da klar wird, dass Silas sowieso übertreibt scheint dies die Begründung hierfür zu sein. Die Spielzeit erstreckt sich auf etwa 6-7 Stunden, je nachdem wie gründlich ihr durchgeht. Es besitzt sogar 2 verschiedene Enden, die ihr selbst anwählen könnt. Das letzte Level jedoch solltet ihr mit etwas dunkleren Gamma-Einstellungen spielen, denn ansonsten kann das ganze echt frustrierend werden. Das Spiel als Experiment funktioniert wirklich gut bei so einem kleinen Ableger, die Frage wäre, ob es sich bei einem Vollpreisspiel nicht erschöpfen würde. Darum auch eine etwas freundlichere Bewertung. Dieses Spiel lässt einen jedoch das furchtbare Call of Juarez – The Cartel vergessen. Über den misslungenen Teil der Serie möchte ich auch kein Wort mehr verlieren, sonder euch lieber die Wertung präsentieren:

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Duelle werden durch Präzision und Ziehgeschwindigkeit entschieden. Diese Faktoren werden durch ein kleines Minispiel bestimmt.

Spielspaß: 83
Grafik: 76
Sound: 90 (englische Sprecher und Silas Stimme passt wie die Faust aufs Auge)
Spielwelt: 89 (nach wie vor ist der Wilde Westen in Spielen noch nicht abgearbeitet. Außerdem trefft ihr bekannte Figuren aus dieser Zeit.)
Kreativität: 78 (tolle Erzählweise, 1-2 nette Funktionen, ansonsten das übliche, aber eben auch nicht schlecht.)

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