{ BUNT IST DIE WELT } Niklas und der Pavillon

Von Frauke Döring

Gefreut habe ich mich überhaupt nicht. Nicht die Bohne. Nachdem Niklas fertig war mit stürmen, gewittern, hageln, schneien und regnen, hatte er auch einen Teil meines Pavillondachs abgedeckt. Als ich letztes Jahr den Pavillon hab' aufbauen lassen, dachte ich, es wäre für immer. Und es gäbe keine Arbeit mehr am Pavillon, für lange Zeit. Aber denkste! 

Die Spanplatten für das Dach hatte ich nur von einer Seite gestrichen, es liegt ja schließlich Dachpappe als Schutz darauf. So hatte der Regen ein leichtes Spiel und die Platten sind aufgequollen. Zwar sind sie inzwischen wieder trocken, aber nicht mehr gleichmäßig glatt. Ich habe bei der Reparatur versucht, die Platten an die Trägerbalken zu schrauben, damit sie wieder einigermaßen glatt werden, aber das hat leider nicht geklappt. So sind sie und die Dachpappe jetzt nicht mehr plan. Wenn jemand eine Idee hat, wie ich das doch noch beheben kann, ohne die Platten auszutauschen, gern her damit!

Ich hätte einen Film von der Reparatur drehen sollen ... Letztes Jahr, als mein Nachbar da oben auf dem Dach saß und die Dachpappe festgenagelt hat, sah das sehr lustig aus. Dieses Jahr, als ich auf dem Dach lag und versuchte, wieder runterzukommen, sah das bestimmt auch lustig aus ... Menschenskinder, hatte ich einen Klecks in der Buchse! Raufkommen war gar kein Problem. Leiter hochgekrabbelt, drübergestiegen und auf's Dach ... naja, mehr gelegt als gesetzt. Rutschig ist Dachpappe, je feiner die Körnung ist - fies rutschig! Es ist ja nur zwei Meter hoch, aber ich hatte so dermaßen Schiss, da runterzufallen ...

Immer, wirklich immer, ist irgendwer aus der Nachbarschaft zuhause. Ich hätte auch jemanden zu mir gerufen, der nur über die Straße geht, aber: NIEMAND, wirklich absolut niemand war an diesem wunderbar sonnigen Nachmittag zuhause. Ich wußte nicht mehr so genau, was ich wo auf den Rasen gelegt und gestellt hatte. Die Leiter, die Säge, die Rolle mit der Dachpappe, den ganzen Kladderadatsch eben. Und die Höhe fühlte sich locker wie zehn statt zwei Meter an. Da lag ich also, krampfhaft bemüht, nicht runterzufallen und traute mich nicht, wieder auf die Leiter zu steigen. Weil die ja nach hinten kippen könnte. Ein Bild für die Götter muss das gewesen sein ...

Ich hab' bestimmt fünfzehn, zwanzig Minuten gebraucht, bis ich mich endlich doch getraut habe, die Leiter anzupeilen und wieder runterzusteigen. War gar nicht so schlimm, wie ich mir das da oben ausgemalt hatte! Aber ich hatte erstmal die Faxen dicke, das kann ich euch sagen. Als die Mutter endlich nach Hause kam, hab' ich sie gleich zum Leiterhalten verdonnert, weil ich noch nicht ganz fertig damit war, die Dachpappe festzunageln. Die hatte einen Spaß, kann ich euch sagen! Ich hab' mir auch beim zweiten Mal fast 'nen Klecks in die Buchse gemacht, aber mich schon ein bisschen pfiffiger angestellt. Und die Mutter hat schön die Leiter festgehalten, als ich endlich, endlich fertig war. Und Muskelkater hatte ich die nächsten Tage! Dachdecker wird sowas von gar nicht mein nächster Job ...

Aber: ich bin stolz wie Oskar, dass ich das ganz alleine geschafft habe. Und ich habe die Nägel in so engen Abständen eingehämmert, dass Niklas noch x-mal vorbeikommen kann und da wird nix mehr passieren. Hoffe ich zumindest. (Ich will da echt nicht nochmal drauf rumkraxeln, echt nicht!)

Und darüber freue ich mich jetzt jedes Mal, wenn ich den Pavillon sehe. Das alles wieder schick und wetterfest ist. Jetzt muss ich nur die Bank nochmal streichen, weil die Dachpappe da im Sturm immer und immer wieder drübergeschubbert ist und alles verkratzt hat. Aber das mache ich auf dem Boden ;-) Wer sich nochmal die Story von der Bank und dem Fremdschämen angucken möchte: bitte sehr!


Ich gehe jetzt wieder in den Garten, die Sonne hat sich doch noch durch die Wolken gekämpft, und verbringe den Rest des Sonntags mit Faulsein ...
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