Buchvorstellung: „Sehr gerne, Mama, du Arschbombe“ von Patricia Cammarata

„DA IST DAS DING!“ Nichts fasst die Freude in der Blogosphäre, im Internet und in ganz Deutschland über das Erscheinen des ersten Buchs von Patricia Cammarata, treffender zusammen als dieses Zitat des letzten deutschen Fernseh-Philosophens – nein, nicht Richard David Precht, sondern Oliver Kahn. Seit dem 13. August ist endlich „Sehr gerne, Mama, du Arschbombe“ käuflich zu erwerben.

Sehr gerne, Mama, du Arschbombe.

Nun verstehe ich zugegebenermaßen vom Bücherrezensieren ungefähr so viel wie von angewandter Kernphysik. Spätestens nach dem Lesen des Beitrags werden Sie mir diesbezüglich nicht widersprechen. Dennoch möchte ich es mir aber nicht nehmen lassen, dieses Must-Read für alle Eltern beziehungsweise alle lesefähigen Menschen vorzustellen. Ich hoffe, ich richte keinen Schaden damit an.

Disclaimer

Der Verlag hat mir ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich kann Ihnen aber versichern, dass mein Urteil dennoch unbestechlich ist und ich mich für 8,99 Euro, die das Buch kostet, nicht korrumpieren lasse. Für einen Käsekuchen vielleicht schon. Aber ich habe keinen von der Autorin erhalten. Eigentlich schade.

Darüber hinaus möchte ich offenlegen, dass ich Patricia Cammarata persönlich kenne und auf einigen Blogger-Events getroffen habe. Ich finde sie außerordentlich sympathisch, klug, gutaussehend, eloquent und bewundere ihren Blog schon lange. Als Vorsitzender des 1. Inoffiziellen Patricia-Cammarata-Groupie-Clubs würde ich mich am liebsten bei jedem Treffen als Zeichen meiner Wertschätzung und Ehrerbietung vor ihre Füße schmeißen. Soziale Konventionen und die Angst vor einem richterlichen Kontaktverbot hindern mich allerdings daran.

Die Autorin

Patricia Cammarata ist eine Legende in der Blogosphäre und sie vorzustellen ist die sprichwörtlichen Eulen nach Athen tragen, Tulpen nach Amsterdam exportieren oder Löcher in Schweizer Käse bohren.

Patricia Cammarata - Copyright: Eva-Stolz

Copyright: Eva-Stolz

Auf ihrem Blog ‚Das Nuf‘ schreibt Patricia Cammarata unter anderem über das Leben mit ihren – laut Lohnsteuerkarte – zweieinhalb Kindern (ein Kind aus der ersten Beziehung ihres Mannes sowie zwei eigene Kinder). Und das schon seit mehr als zehn Jahren, also bereits zu einer Zeit, als das Schreiben im Internet eigentlich noch pickligen Nerds mit fettigem Haar vorbehalten war (Anm. der Red.: Patricia Cammarata ist weder picklig noch nerdig und hat auch kein fettiges Haar.).

Die Hardware

Als führendes Mitglied der technischen Avantgarde habe ich das Buch auf einem Gutenberg 1.0 gelesen. Mit einer Größe von 12,6 x 18,5 cm liegt es sehr gut in der Hand und lässt sich abends hervorragend im Bett lesen. Fällt es einem vor Müdigkeit ins Gesicht, verhindert das Gewicht von lediglich 358 Gramm, dass klaffende Wunden entstehen und entstellende Narben zurückbleiben.

Die Schrift ist gestochen scharf gesetzt, wie man sie nicht einmal von den Retina-Displays aus dem Hause Apple kennt. Darüber hinaus sucht die Umblätter-Animation des Gutenberg 1.0 ihresgleichen und lässt die neuesten Tablets und eBook-Reader diesbezüglich alt aussehen. Man spürt beim Umblättern förmlich das Papier in den Händen, was insbesondere Freundinnen und Freunden des haptischen Leseerlebnisses überzeugen wird.

Als umsichtige Mutter hat Patricia Cammarata dafür gesorgt, dass Buchdeckel und –rücken abwaschbar sind. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil in Haushalten mit Kindern oder motorisch minderbegabten Erwachsenen.

Der Inhalt

„Sehr gerne, Mama, du Arschbombe“ beinhaltet mehr als 70 Beiträge, die in den letzten Jahren auf ‚Das Nuf‘ erschienen sind. Kritische Zeitgenossen mögen nun einwenden, dass man dann gar nichts Neues zu lesen bekommt. Dieser kleinbürgerlichen Bedenkenträgerei möchte ich entgegnen, dass zum einen noch nicht alle alles von Patricia Cammarata gelesen haben und zum anderen sind die Geschichten so gut, dass man sie auch häufiger und auf verschiedenen Medien lesen kann. Außerdem eignet sich das Buch viel besser als Geschenk und lässt sich wesentlich einfacher in Geschenkpapier einwickeln als ein Blog. Probieren Sie es mal aus!

Thematisch beschäftigt sich das Buch mit dem Leben mit Kindern, dem unausweichlichen Zusammentreffen mit anderen Eltern, gescheiterten Erziehungsversuchen und der Gewissheit, dass immer alles anders kommt, als man denkt (Und ohnehin ganz anders als man hofft.). Als Eltern findet man sich in jeder einzelnen Geschichte wieder und es ist beruhigend zu lesen, dass sich andere Familien ebenfalls am Rande des Wahnsinns bewegen.

Genremäßig ist das Buch schwer einzuordnen, vereint es doch Ratgeberelemente („Trotz-Yoga, S. 54) mit psychologischen Beobachtungen („Arschbombe“, S. 81), sozialkritischen Anmerkungen („Der rote Ballon“, S. 68) und alltagssatirischen Erzählungen („Ich habe fertig“, S. 218) und macht sogar Anleihen bei paranoider Verschwörungsliteratur („Mama Leaks“, S. 87). Mit dieser universalgelehrten Ausrichtung ist es Patricia Cammarata gelungen, den Leonardo da Vinci unter den Elternbüchern zu schreiben.

Die Texte sind mit so viel Wortwitz und scharfem Blick für die Absurditäten des Alltags geschrieben, als sei Patricia Cammarata einer außerehelichen Liaison Vicco von Bülows mit Ephraim Kishon entsprungen. Ein biologisch-genetisch fragwürdiger und auch ansonsten unangemessen despektierlicher Vergleich, der aber sehr treffend die Eloquenz, die scharfsinnige Beobachtungsgabe und das Talent zur satirischen Übertreibung von Patricia Cammarata zum Ausdruck bringt.

Die Geschichten sind so komisch geschrieben, dass allerdings davor gewarnt werden muss, das Buch in der Öffentlichkeit zu lesen, beispielsweise in der U-Bahn oder in einem Café. Garantiert kichert man dabei des Öfteren grenzdebil vor sich hin und die Mitmenschen halten einen für einen sozial derangierten Pariah, bei dem anscheinend der jahrelange Missbrauch von Betäubungsmitteln seine Spuren hinterlassen hat. Und so etwas wird ja schnell zur sich selbsterfüllenden Prophezeiung.

Als Familienvater, der um die Wahrung einer bildungsbürgerlichen Fassade bemüht ist, kann ich selbstverständlich die Verwendung eines reißerischen und der Gossensprache entlehnten Worts wie ‚Arschbombe‘ nicht goutieren. Meinen Kindern gefällt das aber sehr gut und sie sehen es als Möglichkeit, dass familiäre Kraftausdruck-Verbot zu umgehen („Hast du schon das Arschbomben-Buch gelesen?“, „Wie weit bist du mit dem Arschbomben-Buch?“, „Wie gefällt dir das Arschbomben-Buch?“).

Aus Sicht eines Familienbloggers betrübt es mich außerdem, dass Patricia Cammarata mit ihrem Buch alle denkbaren Themen, über die man als Eltern schreiben kann, abgedeckt hat. Nun befürchte ich, dass ich unter jedem meiner zukünftigen Posts lesen werde: „Netter Versuch. Habe ich schon bei Patricia Cammarata gelesen. Aber besser und origineller!“

Die Bezugsmöglichkeiten

Selbstverständlich haben alle bekannten Online-Plattformen „Sehr gerne, Mama, du Arschbombe“ als Print- oder elektronisches Buch im Angebot. Wenn Sie Ihr Geld aber nicht im Amazonas versenken wollen, können Sie auch Ihre lokale Kiez-Buchhandlung aufsuchen und das Buch dort erwerben. Dann kommen Sie mal an die frische Luft, das faule Fleisch wird ein bisschen bewegt und ein wenig soziale Interaktion im echten Leben schadet auch nicht.

Der Preis von 8,99 Euro (als eBook sogar nur 7,49 Euro) ist absolut fair. Da die Lesedauer bei ungefähr 240 Minuten liegt, kostet das Buch pro Stunde lediglich 2,15 Euro, was ungefähr einer zehnminütigem Sitzung in einem Massagesessel oder zwei Kugeln Eis mit Sahne entspricht.

Zusätzlich zum Lesespaß dient das Buch auch als hervorragende Kapitalanlage. Schon vor dem Veröffentlichungstermin lag im Internet der Preis für gebrauchte Ausgaben bei 47,42 Euro.

Das Buch als Spekulationsobjekt

Eine Wertsteigerung von mehr als 500 Prozent! Wenn sie 10.000 Exemplare kaufen, können Sie auf dem Antiquariatsmarkt einen Gewinn von mehr als 380.000 Euro erzielen. Mehr als 380.000 Euro!!! Mit einem Buch!!! Denken sie mal drüber nach.

Das Fazit

Für „Sehr gerne, Mama, du Arschbombe“ kann ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen: Kaufen, kaufen, kaufen! (Vielleicht bekomme ich jetzt doch noch einen Käsekuchen von Patricia?). Es garantiert größtes Lesevergnügen und kurzweilige Unterhaltung. Außerdem ist es als Prestigeobjekt nicht zu unterschätzen. Schließlich macht es einen guten Eindruck, das Erstlingswerk von Patricia Cammarata im Regal stehen zu haben, denn das zeugt von gutem Geschmack und Sinn für feinen Humor. Was will man mehr!

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Patricia Cammarata: Sehr gerne, Mama, du Arschbombe. Tiefenentspannt durch die Kinderjahre. Bastei Lübbe 2015, 238 Seiten für 8,99 €. ISBN 978-3-404-60840-9


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