Braucht man wirkllich eine Visitenkarte?

„Es ist heute schon wieder passiert“

Heute habe ich wieder einmal ein gutes und anregendes Gespräch mit einem interessanten neuen Gesprächspartner geführt und am Ende ist es mir schon wieder passiert: Dankbar nehme ich die Visitenkarte des anderen, aber ich selbst habe keine Karte zum weitergeben. „Ich habe noch keine, ich sende ihnen ein Mail mit meine Kontaktdaten“, murmle ich leicht beschämt und erinnere mich ein wenig wehmütig an die Zeiten vor meinem Ruhestand, in denen ich meine Karte selbstverständlich und begeistert am Anfang jedes Gesprächs mit Stolz weitergegeben habe. Warum habe ich mir schon mehr als ein Jahr Zeit gelassen um neue Karten zu bestellen?

Die kosten ja fast nichts. Fast vierzig Jahre meines Lebens habe ich diese kleinen Dinger in jeder Handtasche, in jeder Geldbörse aufbewahrt und freizügig verteilt. Der Grund ist ganz simpel; ich weiß einfach nicht was ich nun drauf schreiben soll. Wer braucht im digitalen Zeitalter noch eine Visitenkarte? Alles was ich während meiner Berufstätigkeit an Funktionen hatte: wie Prokurist, Direktor, Bereichsleiter Aufsichtsrat ist nun Schall und Rauch, nur der hart erarbeitete akademische Grad ist mir geblieben. Wer bin ich jetzt im Unruhestand wirklich?


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