Brandenburger Wirtschaftspolitik live

Von Balticproducts
Der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Herr Matthias Platzek (SPD) rügte Ende August 2010 die Deindustriealisierung im Osten Deutschlands.
Dabei vergaß er zwei Dinge:
  • Erstens trägt er dafür als damaliger Brandenburger Minister selbst ein gehörig Stück Verantwortung und
  • Zweitens ist es 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung mehr als müßig, darüber zu jammern. Denn seit 1990 flossen unendlich viele Millionen Euro für den Aufbau Ost in die neuen Bundesländer. Es gab also mehr als eine Gelegenheit, ehemals planwirtschaftlich agierende DDR Betriebe erfolgreich in die Marktwirtschaft zu überführen.
Heute haben wir nun selbst erlebt, welche Auswirkungen falsche Wirtschaftspolitik haben kann. Eine Kunde aus Nordeuropa bat uns, in seinem Auftrag bei einer bekannten Glashütte in Süddeutschland Glas einzukaufen und die Organisation der Lieferung gen Norden zu übernehmen. Gleiches hätte man natürlich auch mit einer ehemals in der Brandenburger Lausitz vorhandenen Glashütte tun können. Und wir hätten dies als Brandenburger Unternehmen natürlich auch sehr gern getan. Denn nur durch Aufträge entstehen sichere Arbeitsplätze.
Aber das Land Brandenburg hat heute keine Glashütten mehr. Und wo nichts hergestellt wird, da kann man nun einmal auch nichts liefern. Die einstmals in der Lausitz tätigen Glashütten, die auch in der Lage sind, größere Stückzahlen zu liefern, gibt es schon lange nicht mehr. Dafür ist die Lausitz der Abbaggerung für die Braunkohle preis gegeben und alle Welt wundert sich plötzlich, warum ringsum der steigende Grundwasserspiegel zu Wasser im Keller führt. Woran ds wohl liegen mag?
Besonders interessant wird das Faktum der verschwundenen Brandenburger Glashütten, wenn man dies alles im historischen Kontext betrachtet. Schon vor über dreihundert Jahren wurde in Brandenburger Landen Glas verarbeitet. Der später nach Schweden ausgewanderte Deutsche Johannes Kunkel betrieb erst in Potsdm Drewitz eine Glashütte und später auf der Berliner Pfaueninsel.
D.h. nach 1990 wurden über 300 Jahre Glasbläsertradition einfach so mir nichts dir nichts grundlos abgeschnitten. Und so klingt es halt leider eher wie ein Hohn, wenn man dann 2010 die Deindustrialisierung ganzer Landstriche beklagt.