Blutiger Boden — die Tatorte des NSU

 Enver Şimşek (38), 09.09.2000 Nürnberg © Regina Schmeken, 2015Terroristen des National­sozialistischen Unter­grunds haben über mehrere Jahre hin­weg in ver­schiedenen deutschen Städten Morde begangen und Menschen schwer ver­letzt. Regina Schmeken hat alle Tat­orte auf­gesucht und foto­grafisch doku­men­tiert. Die groß­formatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen die ver­störende Nor­mali­tät der Schau­plätze von Hass und Gewalt. Die Aus­stellung wird am 29. Juli im Berliner Martin-Gropius-Bau eröffnet.

Ausstellungsbeschreibung

Das Beklemmendste an diesen Fotografien ist, dass auf ihnen weder die Mörder noch die Mordopfer zu sehen sind. An Schmekens Aufnahmen wirkt gerade das Unauffällige, Banale und Gewöhnliche unheimlich.
Hans Magnus Enzensberger

Zehn von Rechtsradikalen getötete Menschen zwischen 2000 und 2007 – in Dortmund, Hamburg, Heilbronn, Kassel, Köln, München, Nürnberg, Rostock. Das erste Opfer, der Blumenhändler Enver Şimşek, wurde am 9. September 2000 in Nürnberg ermordet, das letzte Opfer, die Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 in Heilbronn. Bei einem Nagelbomben-Attentat in Köln wurden 22 Menschen verletzt, vier davon schwer. Der Prozess am Oberlandesgericht in München gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben sowie weitere fünf mutmaßlich Beteiligte begann 2013, das Urteil steht noch aus, ebenso die restlose Aufklärung der Taten.

Regina Schmeken zählt zu den international vielbeachteten Fotografinnen Deutschlands. In ihrer Arbeit geht es ihr um die Wahrnehmung der Wirklichkeit, ihren verschiedenen Bedeutungsebenen und deren Verdichtung.

Regina Schmeken begann im Frühjahr 2013 damit, die Tatorte des NSU zu fotografieren. In ihrem Ausstellungsprojekt „Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU“ geht es ihr auch um das Gedenken an die Ermordeten sowie eine Auseinandersetzung mit jenen Orten, die auf den ersten Blick keinerlei Spuren einer Gewalttat aufweisen. Zwischen 2013 und 2016 besuchte sie mehrmals die Tatorte. Es entstand ein Zyklus großformatiger Schwarzweiß-Fotografien, die verstörend wirken.

Die Ermordeten, acht türkischer, einer griechischer Herkunft und eine deutscher Herkunft wurden auf dem Boden liegend gefunden, brutal hingerichtet von rechtsradikalen Terroristen.

Feridun Zaimoglu nennt die Geschichte des NSU im Katalog zur Ausstellung „die Geschichte der großen Beschädigung“. Annette Ramelsberger schreibt „Die Reise an die Tatorte war eine Reise in ein Land von Schmerz und Tränen, von Gleichgültigkeit und klamm–heimlicher Freude über das, was geschehen ist. Als der NSU nach zehn Morden, zwei Sprengstoffattentaten und 15 Raubüberfällen aufflog, waren sich alle gewiss: So eine Terrorserie könne sich in Deutschland nicht wiederholen. Wer den NSU-Prozess verfolgt, der weiß: Dafür gibt es keine Garantie.“

Die Ausstellung richtet sich gegen das Vergessen. Sie gedenkt derer, die ermordet wurden und sie fordert auf zum Nachdenken über das Geschehene und das künftige Zusammenleben.

Wann und wo

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin

29. Juli bis 29. Oktober 2017


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