Blondie „Panic Of Girls“ (Five Seven Music)Da muss sich d...

Blondie „Panic Of Girls“ (Five Seven Music)Da muss sich d...

Blondie „Panic Of Girls“ (Five Seven Music)
Da muss sich der deutsche Rolling Stone aber schon sehr sicher gewesen sein, dass Debbie Harry mit Band acht Jahre nach dem letzten regulären Album „The Curse Of Blondie“ eine passable Scheibe abliefert. Nicht umsonst haben Springers flinke Schreiber um ihr Titelthema zuzüglich Gratis-CD ein abermaliges Punkrevival herumgehäkelt plus unvermeidlichem, wiedergekäutem Listenallerlei, obschon Blondie mit Punk soviel zu tun hatten wie der Dalai Lama mit Counter-Strike.
Dabei ließ einen der branchenübliche Aufschlag mit Vorauskopplung und Preview-Teaser nichts wirklich Gutes ahnen – zu sehr erinnerte die erste Single „Mother“ an das letzte Highlight „Maria“ aus dem Jahr 1999. Und auch das Video machte es nicht besser – Blondie haben offensichtlich eine rätselhafte Affinität zu albernen Kostümierungen: Verkleidete sich Debbie Harry für „Good Boys" 2003 noch als taktstockschwingendes Erika-Berger-Lookalike, gibt sie im aktuellen Streifen eine zombieumtanzte Dolly-Parton-Kopie. Das muss man mögen.
Das Album selbst, und das ist die entscheidende Nachricht und der eigentliche Trost, ist dann wirklich kein schlechtes geworden. Auch wenn nichts wirklich Neues dabei ist und Provokatives ohnehin nicht zu erwarten war, kann es als handwerklich ordentliche Rockplatte den Erwartungen durchaus gerecht werden. Die beiden ersten Stücke „D-Day“ und „What I Heard“ geben, elektronisch aufgepimpt und durch den Garbage-/Metric-Filter gepresst, eine ordentliche Schlagzahl vor. Mit „The End The End“, „Sunday Smile“ von Beirut und dem gelungenen Sophia-George-Cover „Girlie Girlie“ sind gleich drei sonnig entspannte Reggae-Stücke dabei, wahlweise ausgerüstet mit Mariachi-Bläsern, straffen Gitarren und jeder Menge Ohrwurmcharakter. So großartig dann die beiden ruhigeren Herzstücke „Love Doesn’t Frighten Me“ und „Words In My Mouth“ geraten sind, so gewöhnungsbedürftig erscheinen die Ausflüge in fremdsprachige Gefilde – „Wipe Off My Sweat“ bleibt auf „Panic Of Girls“ ebenso ein Fremdkörper wie der frankophile Schunkler „Le Bleu“.
Trotzdem ist am Ende der Gesamteindruck ein positiver – hier will sich niemand neu erfinden, sondern versucht mit einigem Geschick einen wiederholten Neuanfang. Es gibt bestimmt weniger schweißtreibende Möglichkeiten, das Seniorenalter zu genießen. Harry hat sich für die Herausforderung entschieden und für ihr treues Publikum ist diese Alternative mehr als unterhaltsam. Und wer Kim Wilde im knallengen Leder-Suit und Madonna in pinkfarbenen Leggins noch erinnert, der weiß, dass das auch peinlicher geht.http://www.blondie.net/

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