Blog: Films about chatty people

Die Andrew Bujalski Filmreihe im Arsenal begann mit dem Film Mutual Appreciation. Bujalskis Filme wurden vielfach als Prototypen des jungen Genres Mumblecore bezeichnet.

Der Film dreht sich um den Musiker Allen, der gerade frisch nach New York gezogen ist. Seine Band The Bumblebees hat sich gerade aufgelöst. Er hat bereits einen Gig zugesagt bekommen, hat aber noch keine neue Band. So ist Allen auf der Suche nach einer neuen Band, trifft viele Leute, führt lange Gespäche über banale Themen wie z.B. Muttermale am Hintern, geht auf Partys, telefoniert mit seinem Vater und nebenbei entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte mit der Freundin seines besten Freundes. Es ergeben sich immer wieder sehr intensive Szenen, in denen nicht viel passiert, aber durch die Langsamkeit und das Schweigen (oder oft auch Stammeln) der Protagonisten entsteht eine eigenartige, starke Spannung zwischen den Menschen. Es ist das Auslassen des Eigentlichen, dass die Spannung erzeugt. Blicke, die ausgetauscht werden, verkrampfte Annäherungsversuche, ein Streichen durch das Haar. Die Art, wie die Menschen in Bujalskis Filmen nonverbal kommunizieren, wirkt so authentisch, dass der Zuschauer den Film körperlich nachempfinden kann. Hier wird die große schauspielerische Leistung spürbar.

Der Film hat keine klassische Dramaturgie. Die Technik der sprunghaft und aprupt endenden Szenen, des offenen Endes und der Protagonisten, die zwar eingeführt werden und dann aber plötzlich keine Rolle mehr spielen, erinnert an Buñuels Film Das Gespenst der Freiheit. Diese Techniken wurden bewusst eingesetzt um das Korsett der klassischen Dramaturgie, welches die meisten Filme einschließt, zu durchbrechen und eröffnet die Möglichkeiten des Mediums neu zu entdecken. So beantwortet Bujalski in der Diskussion auch die Frage, warum er gänzlich auf Filmmusik verzichtet hat. Der Zuschauer soll seinen eigenen Weg durch die Geschichte finden. Er wolle keine Musik einsetzen, die dem Zuschauer vorgibt, was er zu denken oder fühlen habe. Interessant an Bujalskis Protagonisten ist, dass keine Figuren sind, die als Prototyp eine Funktion im Film haben. Es sind Charaktere, die es erst zu entdecken gilt und die nicht so schnell einzuordnen sind.

Bujalski sagt, dass seine Filme keine ethnographische Studie oder Portrait einer Generation seien. Vielleicht ist das aber einfach zwangsläufig “passiert”, als er 2002 begann in einer Guerilla Produktion mit seinen New Yorker Freunden, alle zwischen 20 und 30, in Wohnungen, in Clubs und auf der Straße Filme zu drehen.
Auch wenn die Szenen oft improvisiert wirken, arbeitet er immer mit Drehbuch. Über sich selber sagt Bujalski, er sei getrieben von einem natürlichen Voyeurismus und einer Faszination für Konversationen. Er erzählt auch wie es zu dem Begriff Mumblecore gekommen sei. Er hatte Justin Rice, der den Allen spielt, einmal gefragt, was für Filme er eigentlich mache. Justin meinte: Films about chatty people. Und das Genre? Mumblecore. Nachdem Bujalski den Begriff in einem Interview erwähnte, begann sich die Bezeichnung zu verbreiten. Passt!

Weitere Vorführungen:

FUNNY HA HA (USA 2002, 26.1., in Anwesenheit von Andrew Bujalski & 28.1.) Der Film folgt Marnie, einer frischgebackenen College-Absolventin, bei ihren Bemühungen, nach dem Studium in ein post-universitäres Leben einzusteigen. Sie versucht, weniger Bier zu trinken sowie einen (temporären) Job und einen (permanenten) Freund zu finden. Sie verliebt sich in einen Mann, der sie nicht liebt und springt hin und her zwischen peinlichen romantischen Alternativen und noch weniger passenden Jobs. Ein 16 mm-Farbfilm, der lange im Selbstverleih vertrieben wurde, bevor er zum Geheimtip avancierte.

BEESWAX (USA 2009, 26.1., Einführung: Andrew Bujalski) Die ungleichen Zwillingsschwestern Jeannie und Lauren wohnen zusammen. Jeannie betreibt einen Secondhand-Laden. Sie fürchtet, dass ihre Teilhaberin eine Klage gegen sie anstrebt und sucht deshalb Rat bei ihrem Exfreund, der gerade sein Jurastudium abschließt. Lauren ist auf der Suche – nach einem Job und nach einem festen Freund. Sie ist drauf und dran, als Englischlehrerin ins Ausland zu gehen. Klagen oder nicht? Bleiben oder gehen? Funkstille oder Sex? Andrew Bujalskis knallbunter Film mit Dialogen voller Wortspielen zeigt junge Leute beim Abschied von der Unverbindlichkeit.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der dffb.

Blog: Films about chatty people

Mutual Appreciation © Bujalski

Blog: Films about chatty people

Beeswax © Bujalski

Blog: Films about chatty people

Mutual Appreciation © Bujalski

Blog: Films about chatty people

Funny HA HA © Bujalski