Blockbuster-Sommer 2019 – King Arthur: Legend Of The Sword

Erstellt am 3. Juli 2019 von Marcel Michaelsen @filmschrott

Blockbuster. Sind wir mal ehrlich: Eigentlich waren die schon immer recht stupide und beschränkten sich auf die nötigsten Strukturen, um ihre Charaktere von einem Actionsetpiece zum nächsten zu jagen. Das ist dann mal mehr und mal weniger sinnvoll, aber im Vordergrund steht immer die Unterhaltung durch massenweise Scheiße, die in die Luft fliegt. Nun, das stimmt natürlich nicht ganz, denn Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Moderne Blockbuster allerdings scheinen wirklich größtenteils darauf beschränkt zu sein, Actiongetöse wenig sinnvoll aneinanderzureihen. Vielleicht liegt es aber auch einfach an der schieren Masse von Blockbustern, die mittlerweile auf uns draufhämmert. Früher noch auf den Sommer beschränkt, gibt es heute keinen Monat, in dem uns nicht ein neuer Blockbuster um die Ohren gehauen wird. Quantität über Qualität ist wohl das Motto. Also gehen wir zurück zu den Wurzeln und starten wir den Blockbuster-Sommer auf dem Filmschrottplatz, mit jeder Menge Blockbuster-Müll und solchem, den ich persönlich dafür halte.

KING ARTHUR: LEGEND OF THE SWORD – USA – UK – 2017 – 126 Min.

Blockbustergerecht haben wir es hier mit einem Team von großen Namen zu tun, die von Regisseur Guy Ritchie (der kürzlich mit ALADINN die vermutlich nächste Katastrophe abgeliefert hat) geleitet.
Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Joby Harold und Lionel Wigram, mit dem er schon öfter zusammengearbeitet hat. Ansonsten treten die beiden aber eher als Produzenten hinter die Kamera.
Ich gehe jetzt nicht auf jeden Darsteller hier einzeln ein, denn wir kenne die eh alle. Charlie Hunnam, Jude Law, Djimon Hounsou, Eric Bana, Aiden Gillen und weitere schwingen hier die legendären Schwerter.

Wisst ihr, das Mittelalter ist ja schon eine interessante Epoche vom heutigen Blickwinkel aus. Ich meine, all unser Wissen über diese Zeit stammt aus irgendwelchen Schriften und Überlieferungen. Man wird nie genau wissen, was es wirklich gab und was nicht. Gab es vielleicht tatsächlich Drachen? Oder sogar Zauberer und Hexen, die wegen ihrer Kräfte ausgerottet wurden? Vielleicht ist die heutige Fantasy gar keine Fantasy, sondern in Wirklichkeit die Realität. Wir werden es nie erfahren. Was wir aber ganz sicher wissen, ist, dass es keine Riesenelefanten mit Irokesenhaarschnitt gab, die den König antröten, während irgendwelche Typen auf einer Holzpyramide, die sie auf ihrem Rücken tragen wie die Scheibenwelt, in die Schlacht reiten. Die gibt es nur in diesem Film und da bleiben sie hoffentlich auch.

König Uther will Frieden, also wird er hintergangen und Vortigern setzt sich auf den Thron. Immerhin wurde Sohn Arthur in Sicherheit gebracht und kann jetzt bei Nutten aufwachsen, um später Rache zu nehmen oder so.

Die wohl schlimmste Zeitraffermontage die ich je erleiden musste, zeigt, wie Arthur ständig vors Fressbrett kriegt, aber ein guter Taschendieb wird und dann nicht mehr vors Fressbrett kriegt, weil er ein Kung-Fu-Meister wird oder sowas. Es ist mir zu egal, um nachzuschauen.

Ursula aus Arielle erklärt Vortigern, dass das Schwert von Uther sich zeigt und der rechtmäßige König es aus dem Stein ziehen wird. Wieso steckt das überhaupt in dem Stein? Hat Vortigern das selbst da reingesteckt, nachdem er Uther gemeuchelt hat?

Arthur erzählt seine Lebensgeschichte und Ritchie versucht hier, seinen Gangster-Dialog-Schnitt-Gegenschnitt-Stil auf den Film zu übertragen, aber so richtig will es nicht gelingen. Ist aber bisher die beste Szene hier, also will ich mal nicht so sein. Hunnam hätte nebenbei einwandfrei in die Ritchie Gangsterfilme gepasst. Einen Actionstar hingegen sehe ich in ihm ganz und gar nicht.

Vortigern veranlasst, dass alle jungen Männer sich am Schwert versuchen müssen, damit er den Königsanwärter direkt killen kann. Arthur ist an der Reihe und zieht das Schwert aber mal sowas von aus dem Stein, das man gefühlt siebzig Zeitlupen einsetzen muss, um es nicht zu verpassen. Es wird ewig rumgedödelt und dann soll Arthur geköpft werden, aber die Magierin wargt in einen Adler und greift den Henker an und dann greifen auch die Wachhunde an und irgendwie kann Arthur gemeinsam mit ein paar anderen Heiopeis entkommen, indem sie von einer tausend Meter hohen Klippe ins Meer springen. Das ist nebenbei noch das am wenigsten dumme an der Szene gewesen. Klippen in Filmen sind eben immer tausend Meter hoch. Warum aber mehr als ein Dutzend Ritter nicht in der Lage sind, sich gegen einen Adler und zwei Hunde zu behaupten, bleibt offen. Vermutlich heuert Vortigern nur Aushilfskräfte an.

König Uthers ehemalige Berater Bedivere und Bill wollen den Aufstand proben und deshalb soll Arthur mit Excalibur an ihrer Seite kämpfen. Dummerweise übt das Schwert aber eine magische Macht aus, durch die Arthur bewusstlos wird, wenn er es in die Hände nimmt. Die Magierin erklärt, dass er das Schwert abstößt und nicht umgekehrt und er muss lernen, sich und Excalibur zu kontrollieren und dafür muss er in die dunklen Länder. Ja, es istdie altbekannte Heldentrainigsreise. Kann man machen. Hier natürlich wieder in einer Montage, weil Ritchie die über alles liebt. Arthur kämpft gegen Riesenschlangen, Riesenspinnen und Riesenfledermäuse. Komisch, dass ausgerechnet die Riesenelefanten offenbar im Urlaub sind.

Durch Excalibur sieht Arthur die Vergangenheit und will jetzt doch Rache, weil das eben die einzige Möglichkeit ist, so eine Geschichte aufzuziehen. Ihr wisst schon: KISS. Keep It Simple Stupid. Die Vergangenheit zeigt immerhin, dass Uther mit seinem eigenen Schwert erstochen wurde und sich anschließend in Stein verwandelte. Deshalb ist das Schwert also im Stein. Die restliche Geschichte des Schwerts ist das übliche „Merlin gab es an die Frau im See und blablah jetzt hat es Arthur“.

Der will jetzt also Vortigern schnetzeln und dafür brauchen sie die Unterstützung der Familien und muss schonmal einen Palast abfackeln. Und das macht man natürlich in einer Montage.

Vortigern sieht seine Unterstützung wegbrechen und beruft den Rat der Barone ein. Heißt nicht wirklich so, aber klingt besser als „lass uns mal mit den Baronen treffen“. Generell leidet der König hier unter dem üblichen Problem, dass er zu passiv ist, um wirklich interessant zu sein. Da rettet auch Jude Law nix, wenn er nichts zu tun kriegt.

Arthur tigert um das Schwert herum und hadert mit sich selbst. Die Magierin macht die Philosophin und labert aufbauenden Quark und dann erfahren sie, dass König Möchtegern in drei Tagen zum großen Baronentreffen fahren wird. Also wird ein Hinterhalt geplant und das bringt uns natürlich die nächste Montage. Der König hat den Braten gerochen und schickt einen Doppelgänger. Arthur wittert diese Falle und jeder ist hier wirklich mal sowas von gut im Plänedurchschauen, dass es wundert, dass sie überhaupt noch was planen.

Nach actiongeladener Flucht Pfeilehagel, inklusive Krähen, die von der Magierin kontrolliert werden, weil sie es kann, muss Arthur dann wirklich mal mit Excalibur kämpfen. Und das bedeutet natürlich, dass plötzlich die große Magiedruckwelle durch die Gegner pustet und Arthur alle platt macht, was so spektakulär ist, dass man es nur in Zeitlupe bewundern kann. Einige Veretzungen müssen auskuriert werden, aber König Vorgestern ist ihnen in ihr Versteck gefolgt und schneidet dem armen Mike Ohren ab und Kehle durch, was dessen Sohn gar nicht befürwortet.

Arthur und der Rest der Revolution sind geflohen und Arthur hadert immer noch mit dem Schwert und so, was irgendwie dramatischer wäre, wenn er es nicht schon längst eingesetzt hätte. Um nochmal unmissverständlich klarzustellen, dass er keinen Bock auf Excalibur hat, wirft er es in den See, wird dann aber von der Frau im See ins Wasser gezogen und bekommt eine Zukunftsvision, dass König Vortigern das Land in Schutt und Asche legen wird. Und er soll der Magierin trauen. Aha. Dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Nun, doch, denn die Magierin und Mikes Sohn sind dem König in die Hände gefallen und wenn sie die beiden lebend wiedersehen wollen, müssen sie zum Schloss kommen. Das bietet natürlich eine hervorragende Möglichkeit für Rückblenden und eine Montage. Arthur reitet also los und die Magierin hat sich in eine Schlange gewargt. Aber König Wärergern ist reaktionsschnell und killt die Schlange. Gerumpel und Geschüttel. Was ist besser als eine Schlange? Genau. Eine Riesenschlange, die alle Schergen Im Saal frisst, außer den König.

Arthur greift dann halt zum Schwert und es gibt wieder Druckwellen-Zeitlupen-Action aus der CGI-Hölle. Damit es nicht ganz so repetitiv wirkt, hat man neben der Zeitlupe auch noch den schnellen Vorlauf entdeckt und jetzt ist das wirklich nur noch ein unschaubarer Brei.

Wie zu erwarten, kommt es natürlich noch zum Duell zwischen Arthur und dem König, der seine Frau opfert, um magische Kräfte zu erhalten und zu Ochsen-Skeletor mit Hörnern zu mutieren. Ich mache es kurz, denn ich kann einfach keine Rückblenden und Visionen mehr ertragen. Arthur gewinnt, indem er Skelegern mit Zeitlupen-Schnellvorlauf- Technik in den Wahnsinn treibt. Oder er sticht ihn einfach ab.

Natürlich brauchen wir noch eine Montage, in der alle zum Ritter geschlagen werden und England im Frieden rumdümpelt, den König Arthur dem Pöbel gebracht hat. Und die Tafelrunde führt er auch noch schnell ein.

Hui, das war ja schonmal ein guter Start in den Blockbuster-Sommer was? Aber ich fürchte, es wird noch besser werden. Ich gehe rückblendende Visionen haben …