Bin Laden ist tot

Osama Bin Laden, bekannt als der Kopf von Al-Qaida, soll nach Pressemitteilungen durch US-Einheiten getötet worden sein. In den USA feiern Menschen, anderen Ortes wird man da wohl eher anderer Meinung sein.

Bin Laden ist tot

Und nun? Wie geht es weiter?

Nach der Logik der US-Administration ist nun das Ziel des “Kriegs gegen den Terror” erreicht. Denn erinnert sich noch wer daran, dass Afghanistan unter anderem deshalb zum Kriegsgebiet wurde, weil Bin Laden dort vermutet wurde? Und wer achtet im Jubel um seine Tötung schon darauf, dass er in Pakistan gefunden wurde?
Für den durchschnittlichen Amerikaner ist das eh alles das Gleiche: Afghanistan, Pakistan… alles so Länder, die zufrieden sein sollten, westliche Hilfe bei der Demokratisierung zu bekommen.

Eine Sache wird jedoch bisher nicht erwähnt:

Ein Netzwerk ist ein Netzwerk, weil es eben keinen “Kopf” braucht. Wenn im Netz ein Server ausfällt, übernehmen andere dessen Funktion. Doch da wir im Allgemeinen in linearen Strukturen denken und funktionieren, ergibt sich das falsche Bild, dass mit dem Tode Bin Ladens die Organisation (die es m.E. nicht als “Organisation” gibt, sondern als diverse Gruppierungen, die sich einer Idee verschrieben haben) zerschlagen ist. Das ist falsch! Die Bombe von Marrakesch zeigt das deutlich.

Und im Jubel um den Tod des vielfachen Mörders bzw. Anstifters zu Morden wird verdrängt, dass die USA und der Westen sowohl in Afghanistan als auch in Irak schrecklich versagt haben. Nicht nur, dass der “Export der Demokratie” ein Fehlschlag war, die Islamisierung der Länder schreitet voran.

Das Einzige, was von den Jubelmeldungen des heutigen Tages bleiben wird: ein kurzes Siegesgefühl (“Ein Sieg für Amerika” titelt die Süddeutsche1), um dann wieder in das Elend des Krieges / der Kriege zurück zu fallen. Vielleicht mit etwas mehr Soldaten, Waffen und Gewalt; denn der “Sieg” scheint nun greifbar.

Nur: es gibt keinen Sieg. Es kann ihn in diesem Krieg nicht geben. Und: es soll ihn nicht geben. Wie sonst sollen sich die privatisierten Armeen in Irak und Afghanistan finanzieren?

Ich stelle die gewagte Vermutung auf: wir werden in den kommenden Wochen neue Kandidaten kennenlernen, die von den Medien im Auftrage der Militär-Industrie als neue “Köpfe” des Netzwerkes ausgemacht werden. Und die dann gejagt werden müssen. Kann gut sein, dass die sich dann in Iran aufhalten werden.

Nic

  1. http://www.sueddeutsche.de/politik/usa-toeten-osama-bin-laden-ein-sieg-fuer-amerika-1.1091712