Big Eyes

Erstellt am 23. April 2015 von Pressplay Magazin @pressplayAT

Was ist die wahre Kunst? Bilder zu malen oder sie erfolgreich zu verkaufen? Dieser Frage geht Tim Burtons neuer Film Big Eyes, basierend auf dem Leben von Margaret (Amy Adams) und Walter Keane (Christoph Waltz) nach, und kommt sogar dabei ganz ohne Johnny Depp und Helena Bonham Carter aus.

Margaret flieht mit ihrer Tochter aus einer unglücklichen Ehe nach San Francisco. Als alleinerziehende Mutter hat sie es in den 50er Jahren schwer ernst genommen zu werden. Mit Mühe und Not findet die Malerin eine Stelle in einer Möbelfabrik. Als sie bald darauf den Maler Walter Keane kennen lernt, scheinen sich ihre Probleme zu Beginn in Luft aufzulösen. Die beiden heiraten und er bemüht sich sowohl seine als auch ihre Bilder an den Mann zu bringen. Erst als ihre Bilder zunehmend Abnehmer finden, trübt sich das Bild: Margaret wird klar, dass Walter behauptet, er wäre der Maler ihrer Bilder. Sie konfrontiert ihn damit, akzeptiert aber bald, dass er wesentlich besser geeignet ist die Bilder zu verkaufen als sie. Die Ehe begibt sich in eine gegenseitige Abhängigkeit und dennoch halten beide die Lüge aufrecht. Margaret malt, Walter verkauft. Als ein Streit eskaliert, verlässt sie Walter und lebt fortan mit ihrer Tochter in Hawaii. Erst nach einigen Jahren beschließt sie, es darauf ankommen zu lassen und verklagt Walter. Der Prozess nimmt eine interessante Wendung, als der Richter von beiden verlangt ein Bild zu malen.

Tim Burton widmet sich hier der wahren Geschichte um Margaret und Walter Keane und den Bildern mit den “großen Augen”. Burton ist offensichtlich ein Fan der Malerin und hat ähnliche Darstellungsweisen schon in seinen Filmen benutzt, zum Beispiel in Corpse Bride (2005). Burtons Versuche, der Geschichte gerecht zu werden, führt leider zu einer gewissen Überzeichnung der Figuren. Amy Adams Margaret und Christoph Waltz Walter finden auf der Charakter-Ebene einfach nicht zusammen, obwohl beide in sich selbst interessante Figuren portraitieren. Waltz legt Walter als ultimativ charmanten Bösewicht an, während Amy Adams so verstörend zurückhaltend und naiv ist, dass nur das andere Weltbild der 50er Jahre ihre Handlungen erklären könnten.

Big Eyes hat einige Längen und schafft es nicht, die Figuren in ein natürliches Licht zu rücken. Was dem Film jedoch gelingt ist es, die emotionale Kontroverse zu verdeutlichen: Walter wäre niemals ein guter Maler gewesen, Margaret niemals eine gute Verkäuferin. Die Bilder im Fokus dienen gleichermaßen als emotionaler Führer durch die Geschichte. Die visuelle Ebene der Kunst vermittelt dabei, was die Künstlerin laut nicht sagen konnte. Margarets Unsicherheit und die Schwierigkeiten für geschiedene Frauen in den 50er Jahren zeichnen zumindest ein interessantes Frauenbild und bilden eine Hommage an weibliche Künstler. Als Gesamtwerk lässt Big Eyes jedoch einiges zu wünschen übrig und ist wohl noch am ehesten für Fans der Malerin, weniger für diejenigen von Tim Burton geeignet.

Regie: Tim Burton, Drehbuch: Scott Alexander, Larry Karaszewski
Darsteller: Amy Adams, Christoph Waltz, Krysten Ritter, Jason Schwartzman, Terrence Stamp
Filmlänge: 106 Minuten, Kinostart: 23.04.2015, bigeyesfilm.com