"Beweggründe", in die Politik zu gehen

Der taktisch unsäglich schwache aber ebenso enthüllende Interviewauftritt des SPD Kanzlerkandidaten über die Feiertage löste auf konservativer Seite eine lange entbehrte Heuchelwelle aus. Mehr Heuchelei erleben wir eigentlich nur, wenn sie über Familien, Kinder und Frauen sprechen.
Der CDU Funktionär Grosse-Brömer bestätigte z. B. dass das Kanzlergehalt in der Tat sehr niedrig sei, selbiges sei "aber nicht der Beweggrund, in die Politik zu gehen" (Süddeutsche).
So ähnlich äußerten sich auch die Grünen und auch Abgeordnete der SPD.
Nichts liegt der Wahrheit ferner als das. Als MdB, Minister oder Kanzler bekommt man weit aus mehr, als der durchschnittliche Akademiker in der Industrie. Man muss schon höher steigen, um auf das Nettogehalt eines MdB zu kommen, von Ministern ganz zu schweigen. Gut, als Berufspolitiker hat man stets einen befristeten Vertrag. Aber schon nach zwei Perioden wird das Risiko nicht wieder aufgestellt oder gewählt zu werden, durch die erworbenen Pensionsansprüche wett gemacht.
Nein. Ich habe mit erlebt, wie um die Listenplätze vor Europa-, Landtags- und Bundestagswahlen gekloppt wird. In Parteien, die sich mit dem Attribut "bürgerlich" schmücken, um auf ihre gepflegten Sitten -etwa in Abgrenzung zu Linken- hinzuweisen, geht es nur noch triebhaft zu, wenn es um die Wurst geht. Bei der FDP gibt es z. B. Anwälte mit schlecht laufenden Kanzleien, IHK Angestellte auf dem frühen Abstellgleis, dienstreiseunwillige Zugezogene, die ihr Büro endlich in Berlin haben wollen und gescheiterte Lobbyisten. Aber auch Industrieangestellte, die ihre eigenen Ansprüche und Erwartungen nicht umsetzen konnten, und glauben ihren Familien oder Eltern noch eine Trophäe zu schulden.
Die meisten sehen in einem sicheren Listenplatz die einzige Chance, ihre Einkommensentwicklung nicht abstürzen zu lassen. Und dann legen sie los. Mit der Bearbeitung ihrer Umwelt, mit Intrigen und schlechtem Benehmen.
Es gibt für viele, wenn nicht die meisten, Listenplatzhirsche keinen anderen Beweggrund als das vergleichsweise üppige Gehalt, um in die Politik zu gehen. Dass ihre Qualitäten dann mehr in der parteipolitischen Absicherung ihrer künftigen Existenz liegen als in der fachpolitischen Expertise, das erleben wir ja durch den Murks, den sie dort veranstalten. Da hat das noch regierende Kabinett mit Rösler, Niebel, Westerwelle, Schavan, von der Leyen, Schröder aber trotzdem neue Maßstäbe gesetzt.

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